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Gelbe Engel in Biberach leiden unter ADAC-Skandal

In der Biberacher ADAC-Geschäftsstelle gibt es bislang keine Beschwerden von Mitgliedern.
Daniel Häfele

Biberach sz Die Gelben Engel in der Region bekommen den Skandal rund um den größten Automobilclub Deutschlands, den ADAC, hautnah zu spüren. Zum Teil müssen die Pannenhelfer unangenehme Gespräche mit Mitgliedern führen.

Zum Beispiel in der Biberacher Kfz-Werkstatt Wickfelder. Die Mitarbeiter schleppen seit drei Jahren im Auftrag des ADAC ab. Doch so einen schweren Stand wie aktuell hatten die Pannenhelfer noch nie. Inhaber Dietmar Wickfelder sagt: „Jeder Mitarbeiter muss mit den Mitgliedern unangenehme Gespräche führen.“ Er bedauert, dass die Pannenhelfer vor Ort unter dem Skandal derart leiden. Und dennoch hält er es für richtig, dass das Konstrukt „ADAC“ kritisch hinterfragt wird. Der Automobilclub müsse seine Geschäftsfelder offen legen. Mehr Transparenz sei notwendiger denn je. Es sei nämlich undurchsichtig geworden, in welchen Bereichen der ADAC als Verein und in welchen als Wirtschaftskonzern agiere, sagt Dietmar Wickfelder.

Karl Engeser, Inhaber des gleichnamigen Abschleppdienstes in Mittelbiberach, war mehr als 40 Jahre als Pannenhelfer für den ADAC unterwegs. 2009 beendete er die Zusammenarbeit mit dem Club: „Ich bin erleichtert, dass ich zurzeit nicht an vorderster Front für den ADAC im Einsatz bin.“ Er habe die Enthüllungen rund um den ADAC kommen sehen. Die Führungsetage sei abgehoben, ein Verein für Pannenhilfe zu einem Weltunternehmen geworden.

Die Zusammenarbeit mit dem ADAC will Alwin Peter, Inhaber von Auto-Peter in Biberach, aufgrund des Skandals nicht beenden: „Die Mitglieder sind froh, dass wir ihnen schnell und unkompliziert helfen.“ Seit mehr als 40 Jahren ist er als Pannenhelfer unter anderem für den Automobilclub im Einsatz. Von einigen Mitgliedern habe er bereits gehört, sie seien ausgetreten. Konkrete Fragen wegen der Enthüllungen würden die Mitglieder aber nicht an seine Mitarbeiter richten. Für die Zukunft hofft er, dass der ADAC seine Mitglieder mehr in den Mittelpunkt seiner Arbeit rückt.

In der ADAC-Geschäftsstelle am Zeppelinring 7 bleibt es dagegen ruhig. Kunden könnten gut zwischen der Arbeit der Biberacher Außenstelle und der Führungsetage in München unterscheiden, heißt es von Mitarbeitern des Geschäfts.

Negative Reaktionen hat Gerold Hirth aus Ehingen noch nie erlebt, wenn er mit dem sonnengelben Pannenhilfe-Fahrzeug vorgefahren ist. „Mit der Pannenhilfe haben die ganzen Skandale ja auch nur wenig zu tun“, sagt er.

Schon Gerold Hirths Vater hat für den ADAC rund um Ehingen die Pannenhilfe übernommen. 40 Jahre gehört dieser Geschäftszweig fest zu den Angeboten des Ehinger Autohauses Hirth. In all der Zeit sei das Vertrauen der Kunden ungebrochen gewesen und auch jetzt, da sich die Negativschlagzeilen rund um den Automobilclub häufen, spürt Hirth daran keine Veränderung. „Die Leute sind einfach froh, dass wir kommen, wenn sie eine Panne haben und selbst nicht mehr weiterkommen“, sagt der Toyota-Händler.

Kunden konfrontieren die in Laichingen ansässige Tochter, den ADAC Truckservice, kaum mit den Vorwürfen gegen den Mutterkonzern. „Unser Tagesgeschäft bleibt unberührt“, sagt Marketingleiterin Tanja Kessler. Natürlich würde die Firma derzeit „vereinzelt“ von Kunden darauf angesprochen, doch diese würden das Thema „gelassen“ sehen. Kessler betont die Unabhängigkeit ihres Unternehmens vom ADAC, vielmehr konzentriere man sich im Kerngeschäft auf die Pannenhilfe für Lastwagen. „Von den Vorwürfen gegen den ADAC als unsere Muttergesellschaft sind wir daher nicht weiter betroffen.“

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