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Riedlingen (Donau)
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Freudentränen für den „Weihnachtsmann“

Seit 18 Jahren unterstützt die Alb-Donau-Rumänienhilfe Menschen in Not

Dürmentingen sz Für viele Kinder im rumänischen Kreis Bihor, nahe der ungarischen Grenze, ist Günther Wiedemann nicht irgendein Deutscher, der sich in diese Gegend verirrt hat. Für sie ist der Dürmentinger jemand besonderer, nämlich der „Weihnachtsmann“. Denn seit Jahren sammelt er mit der von ihm gegründeten Alb-Donau-Rumänienhilfe vor Weihnachten Päckchen, um sie bedürftigen Kindern in Rumänien zu bringen. Aber nicht nur. Seit 18 Jahren bringt er Kleider, Medikamente oder auch medizinische Hilfsmittel in das Land. Denn: Die Not ist groß.

Rumänien gehört seit 2007 zur EU. Rund 1250 Kilometer ist der Kreis Bihor entfernt vom Raum Riedlingen. Und doch ist es eine andere Welt. Es gebe inzwischen auch viele Menschen, die reich geworden seien, sagt Wiedemann. Auf den Straßen sind Daimler, BMW oder Mercedes zu sehen. Aber eben auch noch Pferdewagen, viele Obdachlose und große Armut. Die Kluft wächst, so der Eindruck des Dürmentingers.

Der ist seit 18 Jahren in dem Land präsent. Durch Zufall. 1999 hat ihm ein rumänischer Kunde angeboten, ihn bei seinem Besuch in die Heimat mitzunehmen. Wiedemann hat zugesagt. In Rumänien angekommen wurde es immer ländlicher und nach einer kleineren Stadt führte dann noch ein Feldweg zu dem Dorf des Mannes. Die Armut dort hat Wiedemann erschüttert. Viele Menschen lebten in kargen Hütten, viele hatten nicht ausreichend Nahrung und Kleidung. Aber Gastfreundschaft wurde groß geschrieben.

Bei einem Gottesdienstbesuch kam ihm dann der Gedanke: Den Menschen könnte man doch helfen mit Kleidung und Schuhen. Aus diesem Gedanken wurde die Hilfsaktion Alb-Donau-Rumänienhilfe, mit Sitz in Dürmentingen. Seit 18 Jahren hat die Hilfe nun Bestand. Fünf bis sechs Mal im Jahr fährt Wiedemann mit seiner Frau oder auch mit anderen Mitsteitern ins 1250 Kilometer entfernte Rumänien. Fünf Tage müssen für die Hin- und die Rückfahrt samt Ausladen investiert werden. Ihr Transporter ist vollgepackt mit Lebensmitteln, mit Krücken, mit Elektrogeräten, mit Hygieneartikeln, mit Rollstühlen. Was eben gebraucht wird.

Inzwischen hat Wiedemann viel Erfahrung gesammelt und auch ein Netzwerk geknüpft – an Helfern, die ihn seit Jahren und mit festen Funktionen unterstützen. Inzwischen arbeitet die Hilfsorganisation vornehmlich mit der Caritas Sozialstation in Marghita zusammen, die auch Essen auf Rädern und Pflegeheime betreibt. Der Kontakt ist so gut und die Caritas-Mitarbeiter so nah an den Menschen, dass auch konkrete Wünsche geäußert werden, die Wiedemann versucht zu erfüllen: eine Brille für eine alte Frau, eine Krücke für einen Gehbehinderten, ein Rollstuhl. Und Wiedemann und seine Mitstreiter haben auch ein Netzwerk an Menschen in Deutschland, die sie in solchen Fällen ansprechen können. Und eines hat der 61-Jährige auch gelernt: Mehr Hilfsgüter zu bringen, als konkret benötigt werden, ist kontraproduktiv, „das verpufft“.

Der Finanz- und Versicherungsmakler hat im Laufe der Jahre nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Manches Erlebte hat ihn ernüchtert. Selbst wenn Pfarrer die Ansprechpartner waren, die man persönlich kennengelernt hat, gab es Fälle, dass Hilfsgüter für eigene Zwecke genutzt oder verkauft worden sind. „Dann war die Freundschaft aus“, so Wiedemann. Dann wurde jegliche Hilfsleistung sofort eingestellt. Daher ist ihm auch so wichtig, dass er persönlich vor Ort ist, die Hilfsgüter selbst hinbringt, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Und mit der Caritas Sozialstation hat er nun einen guten Partner.

Die Alb-Donau-Rumänienhilfe sammelt Sach- und Geldspenden. Diese werden nicht für eine Verwaltung eingesetzt, sondern dienen konkret dem Ziel der Organisation. So werden Gebrauchsgüter wie Zahnpasta damit gekauft oder es werden Anschaffung damit getätigt. So hat die ADR auch mal einen gebrauchten VW Caddy an die Caritas Sozialstation gespendet. Das Spendengeld wird aber auch für Benzin, für neue Reifen oder auch einen Transporter verwendet. Denn bei 2500 Kilometer pro Fahrt kommt da im Jahr viel zusammen.

Und eine Aktion ist Wiedemann besonders ans Herz gewachsen: Wenn er Weihnachtspäckchen für bedürftige Kinder nach Rumänien bringt. Über 300 Pakete werden hier gesammelt, nach Geschlecht und Altersgruppe geteilt und dann nach Rumänien gefahren. Jedes Jahr an einem anderen Ort, werden Kinder beschenkt. „Für manche ist es das einzige Geschenk, das sie überhaupt erhalten“, erzählt Wiedemann. Und das rührt ihn noch heute, wenn er an die Kinder denkt, die ihm vor Freude um den Hals fallen. Oder auch deren Eltern, die teilweise weinen und ihm auf die Schulter klopfen: „Guter Mann... und viele Grüße nach Deutschland.“

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