Schwäbische.de Schwäbische.de
Schneefall 0
Laichingen
Lokales

Freibier vs. Anstand: Suppinger Theater ist der Renner

Suppingen sz Kaum ein Auge ist trocken geblieben, als die Theatertruppe des Sportvereins Suppingen (SVS) am Freitag und Samstag ihr Können in der Kornberghalle dargeboten hat. Die 13 Schauspieler rund um Regisseur Ludwig Nüßle begeisterten das Publikum – und sorgten für so manche Lachträne. Mit der Auswahl des Stücks „Frauenpower“ aus der Feder von Bernd Gombold traf Nüßle den Nerv der Zuschauer. Die Karten für die beiden Aufführungen am kommenden Freitag und Samstag sind auch schon weg.

Die neu gegründete Frauenbewegung des Ortes stellt eine ernstzunehmende Bedrohung bei den anstehenden Kommunalwahlen dar – denn zum ersten Mal in der Geschichte der Gemeinde wollen die Frauen eine Frauenliste aufstellen! Ihr Ziel ist es, die Männerherrschaft im Ortschaftsrat zu brechen. Und ihr Wahlprogramm steht für den Erhalt von Sitte und Anstand. Unter der Führung der resoluten Kunigunde Schlotterbeck (Claudia Mangold) erhalten Gisela Keusch (Gabi Heincke), Gerda Scharf (Beate Bückle) und Emma Hering (Kerstin Kost) großen Zuspruch bei den weiblichen Wählern. Der amtierende Bürgermeister Heinz Gscheidle (Reiner Stucke) lässt sich allerhand einfallen, um dies zu verhindern. Immerhin haben er und seine im Rat vertretenen Kumpane Karl Fässle (Gerhard Protschka), August Scharf (Ingo Borst), und Peter Hering (Dennis Stucke) triftige Gründe, den Einzug der Frauen in den Gemeinderat zu fürchten. Sie selbst stehen für den Erhalt von Freibier, und auch ihren jährlichen Gemeinderatsausflug nach Hamburg auf die Reeperbahn möchten sie nicht missen. Außerdem stünde auch das erst kürzlich eröffnete dubiose Lokal „Rosaroter Panther“, in dem die Männer gerne vergnügliche Stunden verbringen, auf der Kippe. Denn dieses wurde ausgerechnet gegen den Wunsch der Frauen eröffnet, die sich für ein Frauenbegegnungszentrum eingesetzt hatten.

Gutgläubige Männer

Unter dem Vorwand, dem betagten Wirt Paul (Kurt Jakob) im Notfall schneller zu Hilfe eilen zu können, lässt Bürgermeister Gscheidle kurzerhand eine Tür im Wirtshaus einbauen, das sowohl dem Gemeinderat als auch der Frauenbewegung als Besprechungstreffpunkt dient. Nun können die Männer die Frauen belauschen, wenn diese sich im Wirtshaus treffen. Doch die gewieften Frauen stehen den Männern in nichts nach – schnell fällt ihnen der Betrug auf. Da kommt dem Bürgermeister die (vermeintlich) rettende Idee: Der neue Gemeindeinspektor Hannes Klug (Tobias Haussmann) muss herhalten und wird – als Frau verkleidet – in die Frauenriege eingeschleust, um diese auszuspionieren. Schnell erschleicht Hannes das Vertrauen der Frauen: als Hanni Heidtmann, die von ihrem Mann vor die Tür gesetzt wurde. Seine Rolle spielt er so perfekt, dass ihn die Frauen sogar zur Spitzenkandidatin küren.

Die Männer haben währenddessen ein anderes Problem: Bardame und „Tänzerin“ Marilyn aus dem „Rosaroten Panther“ möchte Schulden eintreiben. Sie hat bereits ein kompromittierendes Foto der Gruppe, auf dem alle in einer unmissverständlichen Situation zu sehen sind. Mithilfe der gutgläubigen Männer verschafft Marilyn sich noch ein weiteres Druckmittel: Sie animiert diese dazu, neue Wahlplakate zu machen, denn: „An so a Plakat wie euers soicht ed mal a Hund na.“ Und plötzlich posiert der ganze Ortschaftsrat mit freien Oberkörpern, die noch dazu mit Speiseöl eingerieben sind.

Doch auch die Frauen wähnen sich siegessicher. Laut Kunigunde werde sich der Wähler „für den intelligenteren Teil entscheiden“. In ihrem „Sündenregister der Männer“ tragen sie die Missetaten des männlichen Gemeinderats zusammen: Da geht es von Gisela Keuschs Frust darüber, dass die Gelder für den Bibelkreis gestrichen wurden, bis hin zu der Tatsache, dass Gerda Scharfs Ehemann in der gemeinsamen Metzgerei nur noch weibliche Tiere schlachtet – seit sie der Frauenbewegung beigetreten ist.

Brisant wird es, als Hanni die Frauen dazu bringt, verkleidet im „Rosaroten Panther“ auf die Männer zu treffen. Fotos dieser nächtlichen Begegnung kompromittieren schließlich beide Parteien, und mit Hilfe von Anni Gscheidle (Bürgermeistertochter), Bardame Marilyn und dem gerissenen Wirt Paul – der nur vorgibt, schwerhörig zu sein – nutzt der clevere Hannes dieses Druckmittel, um schließlich seinen Wunsch-Gemeinderat zusammenzustellen.

Das Suppinger Publikum zollte den Darstellern großen Respekt, auch Regisseur Ludwig Nüßle. „Der Ludwig bekommt das hin, der hat feine Antennen dafür“, beobachtete Zuschauerin Brigitte Huober aus Laichingen. Das kurzweilige und überaus unterhaltsame Stück, dem es an amüsanten Handlungssträngen nicht fehlte, und die großartige Leistung aller Schauspieler gefielen dem Publikum sehr gut.

Karten sind im Vorverkauf für die weiteren Vorführungen am Freitag, 5. Januar, und Samstag, 6. Januar, nicht mehr zu haben.

Ihr Kommentar zum Thema

 
URL: http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Freibier-vs-Anstand-Suppinger-Theater-ist-der-Renner-_arid,10796137_toid,338.html
Copyright: Schwäbisch Media Digital GmbH & Co. KG / Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG Drexler, Gessler. Jegliche Veröffentlichung, Vervielfältung und nicht-private Nutzung nur mit schriftlicher Genehmigung.
Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an online@schwaebische.de.