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Frei.Wild: Eine Bühne für Rechtsrock?

Im Sommer 2018 soll ein großes Festival auf dem Laichinger Flugplatz mit Frei.Wild stattfinden

Die Band Frei.Wild 2016 in Berlin nach der Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo, sie gewannen die Auszeichnung in der Kategorie „Rock/Alternative National“.
Die Band Frei.Wild 2016 in Berlin nach der Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo, sie gewannen die Auszeichnung in der Kategorie „Rock/Alternative National“.
Jens Kalaene

Laichingen sz Geht es nach den Organisatoren, so soll Laichingen im kommenden Sommer ein Festival erleben, wie es es noch nicht gegeben hat auf der Laichinger Alb. Rund 20 Bands sollen vom 19. bis 21. Juli auf dem Jakob-Laur-Flugplatz auftreten, das Konzept erlaubt bis zu 15 000 Gäste. Bekannteste Band: Frei.Wild. Ihr wird vorgeworfen, der rechten Szene nahe zu stehen. Die Musiker bestreiten dies.

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Auch andere Bands, die auftreten sollen, sehen sich ähnlicher Kritik ausgesetzt. Der Laichinger Flugsportverein sagt, er habe lange überlegt, ob er sein Gelände zur Verfügung stellen soll. Und hat sich aus mehreren Gründen dafür entschieden. Laichingens Bürgermeister scheint nicht glücklich über die Veranstaltung.

Frei.Wild ist nicht irgend eine Band

Dass vor einem Auftritt einer Rockband Verfassungsschutz und Vertreter des Jugendschutzes kontaktiert werden, ist eher unüblich. Doch Frei.Wild ist nicht irgendeine Rockband, sondern polarisiert wie kaum eine andere Band in Deutschland. Dies wurde auch Hans-Peter Bleher und den anderen Vorständen des Laichinger Flugsportvereins klar, nachdem sie vor wenigen Monaten die Anfrage zweier junger Männer erreichte. Andy Kamm (41) und Manuel Wegehaupt (35) hatten angefragt, ob sie auf dem Laichinger Flugplatzgelände ein größeres Rockfestival veranstalten dürften, einer der Headliner: Frei.Wild aus Südtirol. Eine kurze Google-Suche reichte Bleher, um zu ahnen: Die Band ist umstritten, ihr wird vorgeworfen, mit deutschtümelnden Texten am rechten Rand zu fischen, dort auf offene Ohren zu stoßen. Dünnes Eis.

Bleher sagt der SZ, dass man Bedenken gehabt habe. Der Flugsportverein kontaktierte besagten Verfassungs- und Jugendschutz. „Wir wollten wissen: Wo stehen die Bands?“, sagt Bleher. Und aus Sicht der kontaktierten Behörden hätten keine Bedenken vorgelegen. Deshalb soll das Festival nun stattfinden.

Kritik an Heimatverbundenheit

In der Kritik steht Frei.Wild, weil die Gruppe vor allem die „Heimat“ besingt, deutlich patriotische Töne von sich gibt. Laut „Spiegel online“ charakterisieren sich Frei.Wild selbst als „überzeugt von bestimmten konservativen Werten“. Oder geht es doch um mehr? Sänger Philipp Burger gebärdete sich in der Vergangenheit schon offen rechtsradikal. Er gehörte einst der Skinhead-Formation Kaiserjäger an, wo er Zeilen sang wie: „Diese Neger und Yugos werden sesshaft, doch den größten Teil der Schuld tragt nunmal ihr, weshalb hab’n wir auch dieses Gesindel hier!“ Später relativierte er, sprach davon, dass sich dieses „rechtsextremistische Gedankengut“ in der Pubertät „in Luft aufgelöst“ habe.

Bis zu 15 000 Besucher könnten Platz finden auf dem Festivalgelände. Für diese Kapazität würde das Sicherheitskonzept auf dem Flugplatz ausgelegt. Laut Hans-Peter Bleher würden die Veranstalter jedoch „nur“ mit 7000 bis 9000 Besuchern rechnen. Diese sollen dann aber auch zelten können. Was den Flugsportverein außerdem dazu bewogen hat, das Festival auf seinem Grund und Boden stattfinden zu lassen, ist die ausgewiesene Expertise, die die beiden Veranstalter beim Durchführen großer Rockfestivals angeblich mitbringen. „Das sind Profis“, so Bleher. Manuel Wegehaupt gibt in einer am Dienstagabend verbreiteten Presseinformation an, dass er bereits bei der „Planung“ eines der größten Festivals Italiens involviert gewesen sei.

Stadt „prüft“ noch

Nicht glücklich scheint Laichingens Bürgermeister Klaus Kaufmann mit dem geplanten „Rock dein Leben“-Festival (offizieller Titel) zu sein. Nachdem er am Montag vom Flugsportverein über die Pläne informiert worden war, hat er recherchiert. Für ihn tendiere Frei.Wild eher in den rechten Bereich. Aber schon so weit rechts, dass die Stadt versuchen muss, das Konzert zu verhindern?

Dazu hält sich Laichingens Bürgermeister bedeckt. Die Hürden für ein Verbot seien hoch. Derzeit befände sich die Stadt in einer Phase, in der gewisse Dinge geprüft würden. Einen Genehmigungsantrag hat die Verwaltung seitens der Veranstalter am Mittwoch aber noch nicht vorliegen. Hans-Peter Bleher geht davon aus, dass dieser „so schnell wie möglich“ eingereicht wird.

Rein rechtlich würde der Flugsportverein lediglich den Grund und Boden für das Festival zur Verfügung stellen. Verantwortlich dafür, dass die drei Tage reibungslos über die Bühne gehen, wären die Veranstalter: Andy Kamm aus Winnenden und Manuel Wegehaupt aus Kressbronn. Ersterer arbeitet bei der Berufsfeuerwehr in Stuttgart, sein Kompagnon als Tragwerksplaner bei der Sanierung denkmalgeschützter Objekte.

Wunsch ist schon älter

Doch warum stellen die Flieger ihren Flugplatz überhaupt für solch’ einen Zweck zur Verfügung, für ein Musikfestival? Hans-Peter Bleher sagt, der Verein habe diesen Wunsch schon seit einigen Jahren, die Location biete sich hierfür einfach an. Überdies könne der Verein die etwaigen Miet-Einnahmen gut gebrauchen. Konkret nennt er die Funkgeräte in den Flugzeugen, die wegen neuer gesetzlicher Vorgaben allesamt ausgetauscht werden müssten, Zuschüsse gebe es keine. Dies würde ein Loch in die Kasse reißen. Die schlimmste Folge: Der Verein muss das Fliegen teurer machen, vor allem der flugbegeisterte Nachwuchs würde darunter dann leiden, befürchtet Bleher.

Sänger hat SS-Schädel als Tattoo

Dass die Musik unter anderem von Frei.Wild – jeglichen Distanzierungsversuchen der Band zum Trotz – auffallend gerne von Rechtsradikalen gehört wird, scheint Bleher bekannt zu sein. Beim Einlass werde das Sicherheitspersonal deshalb streng darauf achten, dass Menschen mit dieser Gesinnung – wenn ersichtlich – der Einlass verwehrt würde. Würde dieser Maßstab auch für die auftretenden Musiker selbst gelten, wäre womöglich eine Band gar nicht dabei im Sommer in Laichingen. Neben Frei.Wild sollen im Juli auch die beiden Gruppen „Krawall-Brüder“ und „Unantastbar“ auftreten. Im Internet werden diese ebenfalls für ihr Gebaren in einem grauen, aber tendenziell eher rechten Spektrum kritisiert. Und wie Frei.Wild distanzieren sich auch deren Musiker von der rechten Szene. Doch wie glaubhaft? Pascal Gaspard, Sänger der „Krawall-Brüder“, trägt einen SS-Schädel als Tattoo. Für ihn ist die Sache klar: Dieser sei so „designt“, dass man ihn als „Abgrenzung zur extremen Rechten“ verstehen müsse. Lieder der Gruppe heißen: „Jetzt aber Klartext“, „Nicht therapierbar“ oder „Blut, Schweiß und keine Tränen“.

Die Themen sind Gewalt, der Kampf gegen (die gefühlt) eigene Unterdrückung, auch Frauen kommen bisweilen nicht gut weg in den Texten von Frei.Wild & Co. Er selbst höre diese Musik nicht, sagt Hans-Peter Bleher. Aber Musik sei nun einmal auch Geschmackssache. Dass man mit der Veranstaltung keine rote Linie übertrete, würde auch dadurch belegt, dass zum Beispiel Frei.Wild in vielen anderen Städten in Deutschland auftreten dürfen. In der Tat: Die Gruppe ist im Mainstream angekommen. Bestes Zeichen: 2016 gab’s den Echo in der Kategorie Rock/Alternative national. Manche bezeichnen den Sound der Südtiroler als „Neue Deutsche Härte“.

Man kann schon Karten kaufen

Das passt rein in das Profil des geplanten Laichinger Festivals. Musikalisch dürften sich die Besucher auf Deutschrock, Punkrock und deutschsprachigen Heavy Metal freuen, so die Veranstalter. Geplant seien außerdem Auftritte lokaler Musikvereine sowie einiger lokaler Nachwuchsbands. Eingebunden werden sollen auch Vereine und Organisationen aus Laichingen; diesen wollen die Veranstalter anbieten, sich einzubringen „und hierdurch die Vereinskasse zu stärken“. Auch für die Verpflegung sollen „örtliche Unternehmen“ sorgen, und für den regionalen Handel und die Beherbergungsstätten würde das Festival, so Andy Kamm und Manuel Wegehaupt, „ebenfalls zusätzliche Einnahmen“ darstellen.

Die beiden Veranstalter können es offensichtlich gar nicht mehr abwarten: Auf der Festival-Homepage kann man schon Karten kaufen, trotz noch ausstehender Genehmigung.

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Hat sich der Scheiber des Artikels mal die Texte der Band angehört ? Wenn dann habe ich eher das Gefühl, dass es sich um reinen Sarkasmus handelt und die Band eher Links eingestellt ist und die „Rechte Szene“ etwas aufs Korn nimmt. mehr

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@1
Vor allem der Versuch die Südtiroler Kultur mit Stumpf und Stiel auszurotten sei da angemerkt. Über die Krim wurde monatelang geschrieben, über den völkerrechtswiedrigen Anschluss Südtirols an Italien aber wird verschwiegen.
Wie dem aucn sei, die selben Leute die mit der nationalen Einstellung der Band haben dürften kein Problem mit den Kastelruter Spatzen haben. Die haben ähnliche Texte, nur eben in Volksmusik verpackt und nicht in Rockmusik.
Einem Joschka Fischer hat man seine Vergangenheit als "Bücherhändler", gewalttätiger Demonstrant und die Tatsache das in seinem Auto Waffen der RAF transportiert wurden als Jugendsünden vergeben obwohl damals deutlich aus dem Jugendalter raus. Aber wenn man mal ein paar Wochen als Jugendlicher in einer ausländerfeindlichen Band sang bleibt das für immer kleben. Gibt es Vergebung und Vergessen nur für Linke?
Noch eine Anmerkung zu Unantastbar. Die wollten die Einnahmen aus dem Song "Für das Leben" Tierschutzorganisationen spenden, keine der Organisationen wollte das Geld weil von Rechten nimmt man keine Spenden an. Geht es noch Verbohrter?
Und einige Kritiker sollten mal die Songs der ach so schlimmen Deutschrockbands mit denen der links orientieren Bands vergleichen. mehr

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Sehr geehrter Herr Rauneker,

Ich werde hier nicht auf Ihren Kommentar eingehen, sonder auf Ihren Artikel.
Es ist völlig ok, wenn man von der städtischen Seite Zweifel hat, vor allem, wenn man sich bisher noch nicht mit dem Thema Deutschrock, oder in diesem Falle Freu.Wild, auseinandergesetzt hat. Auch Ihnen nehme ich die Zweifel nicht übel. Dennoch in ich der Meinung, dass man nicht zu schnell irgendwelche Vorurteile in den Raum werfen sollte. Vielmehr sollte man den Kontakt zu den Veranstaltern, Fans und eventuell auch zu den Bands suchen, um gewisse Vourteile, auf einer sachlichen Ebene, ausdiskutieren zu können. Vielleicht sollte die Stadt eine "Bürgerstunde" (oder ähnlich, je nachdem, wie es in Laichingen genannt wird) zu dem Thema abhalten, zu der, neben skeptischen Bürgern, die vorher genannten Veranstalter, Fans und Bands eingeladen werden. Eine konstruktive Diskussion hat noch nue geschadet. Anschließend sollte man seine Vorurteile nochmals überdenken.

Grüße aus Wüstenrot mehr

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Ich bin auch gegen Rechts, Aber Einfache Frage an den Redakteur: Würde der Laichinger Fussballverein ein Testspiel gegen RB Leipzig oder Borussia Dortmund absagen nur weil die bekanntlich rechte Fans haben?

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Wenn:
- der Verfassungsschutz nichts einzuwenden hat
- die Deutschen Phono-Akademie kein Problem mit der Band hat
- die öffentlich rechtliche Medienanstalt, die die Echoverleihung ausstrahlt, ebenso kein Problem mit der Band hat.
Wo liegt dann das Problem.
Oder will uns der Redakteur sagen, das oben genannte Organisationen ebenfalls dem rechtsradikalen nahestehen.
Vielleicht bemüht sich der Herr Journalist mal darum zu recherchieren wie viele Alt-Nazis im Bundestag, im Landtag und in den Gemeinderäten sitzen.
Auch sehr delikat ist die Tatsache, dass es sich um eine italienische Band handelt.
War Italien nicht in der Opferrolle im Dritten Reich.
Vielleicht einfach mal vorher drüber nachdenken. mehr

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