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Ehingen (Donau)
Lokales

Frauen tauchen in die Welt des Bieres ein

Beate Zimmermann und Gertrud Hauler berichten beim Ehinger Frauenfrühstück über den Gerstensaft
Beate Zimmermann und Gertrud Hauler (v.r.) erzählen Interessantes zum Thema Bier.
Beate Zimmermann und Gertrud Hauler (v.r.) erzählen Interessantes zum Thema Bier.
SZ- kö

Ehingen Eng mit der Geschichte des Menschen ist die des Bieres verbunden, verknüpft mit dem Getreideanbau in der Jungsteinzeit haben die Vorläufer des Bieres ihren Ursprung, hat Beate Zimmermann beim monatlichen Frauenfrühstück erklärt.

Bier war über lange Zeit Frauensache und gehörte zur Hausarbeit. Heute ist daraus eine Domäne der Männer geworden. Schwester Doris vom Kloster Mallersdorf als einzige Bierbrauermeisterin in Deutschland ist eine Ausnahme, sagte Beate Zimmermann, sie selbst habe sich durch ihre Heirat vor 27 Jahren vom Bier infizieren lassen. Eine Keilschrift aus der Zeit 4000 vor Christi zeigte, auch damals braute und trank man schon Bier. Der Genuss von Bier erleichtere den Eintritt ins Jenseits, glaubten die Bauarbeiter der Pyramiden, die mit Bier entlohnt wurden. Dass die Germanen ihr Met liebten, ist bekannt.

Im Mittelalter war der Braukessel fester Bestandteil des Hausrates, die Hausfrau lud nach dem Bierbrauen ihre Nachbarinnen zum Verkosten zum Bierkränzchen ein, ein Vorläufer des späteren Kaffeekränzchens. „Bier gibt dem Antlitz des Menschen eine schöne Farbe“, hatte Hildegard von Bingen herausgefunden. Martin Luther ließ sich von seiner Frau Katharina gebrautes Bier mit auf seine Reisen geben. Beate Zimmermann berichtete auch aus der Geschichte ihrer Familie. Eine Maria Anna Weber bekam das Wirtshaus der heutigen Brauerei und heiratete einen Zimmermann. Profiliert in der Geschichte hat sich Ursula Zimmermann, die nach dem frühen Tod ihres Mannes die Brauerei führen musste und auch konnte, sie sicherte sich die Rechte zur Eisgewinnung und kaufte 1904 den Ochsen in Ehingen, um auch dort präsent zu sein und erweiterte den Kundenkreis. 1911 erbaute sie die Brauereiwirtschaft am heutigen Standort, dort gab es das erste Ulrichsfest 1911, als das erste Mal Ulrichsbier gebraut wurde.

Maria Anna Zimmermann kam 1913 zur Familie und musste schon während des Ersten Weltkrieges die Brauerei alleine führen, wurde früh Witwe und führte das Geschäft auch durch den Zweiten Weltkrieg, ehe ihr Sohn Ulrich 1952 übernahm. „Sie sehen also, Bier ist weiblich“, sagte Beate Zimmermann. Biersommelière Gertrud Hauler führt durch die Brauerei, ist bei Bierfahrten und Ausstellung tätig. „Was haben wir im Bier?“, fragte sie die Frühstücksrunde. „Hopfen, Wasser, Hefe, Malz“, wussten die Frauen im Franziskaner. Gertrud Hauler erklärte, dass 36 Landwirte aus der Region ihr Getreide an eine Mälzerei in Baustetten liefern. Dort wird es mit Wasser versetzt und sprießt. Stärke im Korn wandelt sich in Malzzucker. Das Malz kommt in die Brauerei, wird gemahlen, geschrotet mit Wasser vermischt und kommt ins Sudhaus.

Der Hopfen aus der Tettnanger Gegend liefert den Geschmack und macht das Bier haltbar. Während des Gärprozesses entsteht Alkohol. Gertrud Hauler erklärte den Unterschied zwischen obergärigem Bier wie Weizen, bei dem der Gärprozess vier Tage dauert und untergärigem wie Pils, Export und Ulrichsbier, bei dem der Prozess acht Tage dauert und das 40 Tage ausreift, ehe es abgefüllt wird. „Bier enthält viel Vitamin B, macht nicht dick, es macht nur Appetit, wirkt sehr beruhigend und beugt dem Herzinfarkt vor, es ist stark isotonisch“, sagte Gertud Hauler. Auf die Frage, wie viel Bier eine Frau pro Tag trinken könne, antwortete sie: „0,6 Liter sind gesundheitsfördernd. Was zu viel ist, ist beim Essen und Trinken nichts.“

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