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Flugzeug-Besitzer: „Es ist ein Schock für mich“

Konstanz sz Nach dem tödlichen Flugzeugunglück über dem Bodensee geht die Ursachenforschung weiter. Auch der Mitbesitzer der Maschine kann sich den Absturz der Maschine nicht erklären.

„Es ist ein Riesen-Schock für mich“, schildert einer der Besitzer der Unglücksmaschine seine Gemütslage. Seinen Namen will der Mann, der die Piper Malibu zusammen mit zwei anderen Piloten  - darunter der am Dienstag verunglückte Schweizer - erworben hat, nicht nennen. Zahlreiche Anrufe von Medien hätten ihn bereits erreicht, aber er habe den Angehörigen des ums Leben gekommen Piloten versprochen, keine persönlichen Informationen weiterzugeben.

Piper wurde für private Flüge genutzt

Unter dem Dach der Malibair AG in der Gemeinde Buchs nahe Zürich hätten die drei Männer gemeinsam die Maschine für Privatflüge genutzt, berichtet er Schwäbische.de. In einer engeren Beziehung zueinander hätten die Piloten aber nicht gestanden. "Wie oft er die Route nach Hamburg geflogen ist, weiß ich nicht", sagt er mit Blick auf den verunglückten Piloten.

Darüber gibt allerdings das Flugdatenportal Flightradar Auskunft. Demnach ist die Maschine zuletzt am 23. Juni von Zürich nach Hamburg geflogen - und zwei Tage später zurück. Zudem gibt es weitere Hinweise, dass das Flugzeug bereits häufiger in die Hansestadt geflogen wurde. Ohne Zwischenfälle.

Flugzeug zerschellt im Bodensee

Flugroute der Unglücksmaschine

In einwandfreiem technischen Zustand

Doch was geschah am Unglückstag, dass es über dem Bodensee zu den dramatischen Szenen kommen musste? Für unseren Gesprächspartner ist das unerklärlich. Die Piper Malibu, Baujahr 1996, sei in einwandfreiem technischen Zustand gewesen. "Die Maschine wurde regelmäßig gewartet, so wie das in der Schweiz vorgeschrieben ist", sagt er.

Laut den an Flightradar übermittelten Positionsdaten war der Unglücksflug am Dienstag um 11.34 Uhr in Zürich gestartet und kontinuierlich gestiegen. Um 11.52 Uhr und 12 Sekunden konnte die Position des Flugzeug zum letzten Mal per GPS oder Radar bestimmt werden. Zu diesem Zeitpunkt, die Piper hatte Litzelstetten aus südwestlicher Richtung noch nicht ganz erreicht, war sie mit rund 250 Stundenkilometern unterwegs.

Was anschließend passierte, müssen nun die Experten der Bundestelle für Flugunfalluntersuchung aus Braunschweig klären. Augenzeugen hatten berichtet, dass die Maschine nach einem Looping ins Trudeln geraten und auf der Wasseroberfläche zerschellt sei. Es könne technische, aber auch medizinische Gründe für das Unglück geben, glaubt Fluglehrer Adrian Held, der seit 35 Jahren auf dem Konstanzer Flugplatz Piloten ausbildet.

Aus der Luft gesehen, was passiert ist

Held war zum Zeitpunkt des Absturzes mit einem Flugschüler auf dem Flugplatz. „Er hat gesehen, wie das Flugzeug im Spiralflug quasi vom Himmel gefallen ist“, sagt der 60-Jährige. „Wir haben das so interpretiert, dass es zum Kunstflug gehört.“ Doch dann haben sie erfahren, dass der Flieger unweit der Insel Mainau in die sogenannte Bucht „Güll“ gestürzt ist. „Als wir dann in der Luft waren, haben wir von oben gesehen, wo genau es passiert ist.“

Erstaunt war Held von der Reaktion seines Flugschülers. „Er hat das sehr gut rational weggesteckt“, sagt Held, der zuvor noch keinen Flugabsturz miterlebt hat. „Sowas geht einem schon immer unter die Haut.“

Nachdem die Erkundungsarbeiten am Dienstag wegen schlechten Wetters unterbrochen werden mussten, sollten die Einsatzkräfte am Mittwoch gegen 14 Uhr mit der Bergung des Flugzeugwracks beginnen.

 

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