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Fischer-Baum ist wie ein Lotto-Sechser

Der Enthüllung der Gedenktafel für Jakob Fischer wurde zum Höhepunkt des Festtagsin Rottum. Von links Alexander Ego, Steinhausens Bürgermeister Leonhard Heine, Lothar Klatt (Slow Food Deutschland) und Rottums Ortsvorsteher Werner Weckerle
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STEINHAUSEN/ROTTUM sz Die Gemeinde hat ihren ehemaligen Bürger Jakob Fischer auf echt oberschwäbische Weise gefeiert. Unter der regnerischen Witterung hat dieses Ortsfest mit seiner Besucherzahl aus dem ganzen Oberland nicht gelitten. Höhepunkt des Festes war die dem Landwirt zu Ehren enthüllte Gedenktafel. Sie steht jetzt, wie Ortsvorsteher Weckerle ausführte, am „Jakob-Fischer-Platz“ bei der Rottumer Halle. Dort wurden schon 2008 drei Bäume dieser Apfelsorte gepflanzt.

Musikalisch begleitete das Fest der Musikverein Rottum. Wer die Gemeindehalle betrat, konnte sich passenderweise mit frischem Most an der Mostpresse erquicken. Die Vorsitzende des Sportvereins, Sabine Borner, durfte in der Rottumer Gemeindehalle zahlreiche Gäste begrüßen. Bürgermeister Leonhard Heine betonte, dass die Gemeinde stolz sei, dass sie zwei berühmte Persönlichkeiten beheimatet habe, den Theologen Aberle und den Landwirt Jakob Fischer.

Für eine heitere Atmosphäre sorgte der Sportverein Rottum als Veranstalter mit einer besonders großen Überraschung. Gekonnt boten Rottumer Schauspieler ein schwäbisch-historisches Theaterstück über Jakob Fischer und den Siegeslauf seines Apfels im Lande, entworfen und inszeniert von Paula und Günter Niedermaier. Es spielten nur Ortsansässige mit außerordentlichem Naturtalent. Neben den beiden Autoren wirkten Sabine Göppel, die Kinder von Joachim Bader, Franz Aßfalg und Peter Buhlinger mit.

Alexander Ego machte äußerst humorvoll mit dem Aufwuchs und der Verbreitung dieses Jakob-Fischer-Apfelbaumes vertraut. Er bezeichnete diesen Baum, den Jakob Fischer zufällig im Wald entdeckte, als Gewinn wie bei einem Sechser im Lotto. Das Bäumchen habe sich wahrscheinlich aus dem dort für Viehfutter ausgebrachten rückständigen Treber des Apfelmosts entwickelt. Geduld warten auf den ersten richtigen Ertrag musste der Besitzer ebenfalls warten. Die robuste und gesunde Art der Frucht fand seine Verbreitung im Land, sogar bis nach Italien. Der Apfel ist mittlerweile mehrfach preisgekrönt. Der Originalbaum hat in Rottum, nach der Entwurzelung durch den Jahrhundertsturm 1920 wieder eingepflanzt, alle Stürme gut überstanden. Glück sei gewesen, dass Franz Weckerle durch eine kostenlose Brennholzlieferung seinen Nachbarn Kluge davon abbrachte, den Baum zu Brennholz zu verarbeiten.

Wer Lust hatte, konnte während des Festes mit dem Pferdefuhrwerk von Josef Mayer den in die Jahre gekommenen Originalbaum in der Rottumer Einöde besichtigen. Er steht heute dort als Naturdenkmal. Lothar Klatt von der „Slow Food Deutschland“, einer Vereinigung von bewussten Genießern und Konsumenten, überbrachte zum guten Schluss noch die Urkunde einer neuerlichen Auszeichnung für den Jakob-Fischer-Apfel.

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