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Laichingen
Lokales

Fernsehjournalistin zeigt Film über Laichingen

– Viele Gäste im Alten Rathaus

Laichingen sz Zu einer ganz besonderen Veranstaltung hatte der Geschichtsverein Laichinger Alb zum Jahresende geladen. Ein Film über die Leineweberstadt Laichingen, von der selbst in Laichingen aufgewachsenen Fernsehjournalistin Gudrun Mangold für den Süddeutschen Rundfunk im Jahre 2000 erstellt, stand im Mittelpunkt des Abends. So war der Saal im Alten Rathaus auch gut gefüllt, denn vertraute Örtlichkeiten und Personen wurden im Film erwartet.

Der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Heinz Pfefferle, zeigte sich in seiner Begrüßung denn auch sehr beeindruckt, dass Gudrun Mangold von Laichinger Wurzeln aus eine „tolle Karriere als Journalistin“ hingelegt habe. Er bezeugte als „Reig’schmeckter“ auch seine Hochachtung vor der Laichinger Weberei, denn jahrzehntelang seien überall im Ländle Laichingen und die Weberei ein zusammenhängender Begriff gewesen.

Diese Identität steht auch im Mittelpunkt des Films mit dem Titel „Wäschekostbarkeiten von der Rauhen Alb“, der im Jahr 2000 ausgestrahlt wurde und damals, entgegen pessimistischer Prognosen, auf viel Interesse beim Fernsehpublikum stieß.

Beeindruckende Naturaufnahmen

Der Film zieht einen Bogen von der Kargheit der Landschaft, welche als anspruchslose Kulturpflanze den Flachs gedeihen ließ zur dadurch begünstigten Entstehung der Weberei. Mit der Landwirtschaft war auf dem steinigen Boden nicht genug zum Leben zu erbringen, deshalb begannen viele Bauern, in den Wintermonaten den geernteten und mit viel Aufwand verarbeiteten Flachs an Webstühlen zu verarbeiten. Die Hintergrundmusik im Film, eigens von Klaus Nagel komponiert, untermalte neben beeindruckenden Naturaufnahmen die dargestellten Lebensbedingungen.

So wurden in Hungerzeiten zwei Drittel der Kinder keine fünf Jahre alt. Diese Armut und die harten Lebensbedingungen der Weber in der feuchten „Dunk“, dem Kellerraum mit Webstuhl, führten zu großer Frömmigkeit. In den Gedichten des Laichinger Webers Daniel Mangold kommt dies in berührender Weise zum Ausdruck.

Aber auch die neuere Geschichte und die im Jahre 2000 vorgestellten Firmen stießen auf großes Interesse des Publikums. Kannten viele der Anwesenden doch die im Film Agierenden persönlich: so die Schwestern Gretel Hermann und Anna Behlmer, welche zusammen mit Richard Behlmer die älteste Laichinger Wäschefabrik Jakob Hermann führten. Immerhin kann sich die heute von Richard Behlmer allein geführte Firma mit Fug und Recht „Königlicher Hoflieferant“ nennen. Die Erbgräfin Mathilde von Waldburg-Zeil öffnete dazu im Film eigens ihre reich gefüllten Schränke und Truhen, um die bei Hermann produzierten edlen Stücke zu zeigen: Und die damals über 80-jährige Gretel Hermann führte vor, wie königliche Wappen in Wäsche eingestickt werden.

Konkurrenz auf dem Weltmarkt

Auch die Vergänglichkeit der Leinenindustrie wurde gezeigt. Bildete im Jahre 1949 noch eine große Leistungsschau mit Umzügen und Ehrengästen aus der Landesregierung den Start für einen neuen Aufschwung der Wäscheindustrie in Laichingen, so zeigte sich in den 1970er-Jahren der durch die Konkurrenz auf dem Weltmarkt bedingte Niedergang. Manche große Firmen mussten aufgeben, sechs kleinere schlossen sich damals zur heute noch existierenden Firma „Wäschekrone“ zusammen.

Wie schnelllebig unsere Zeit ist, wurde auch am Beispiel der traditionsreichen Firma Pichler deutlich. Zum Zeitpunkt der Entstehung des Films zeigte Thomas Wagner mit damals berechtigtem Stolz die modernen Jaquard-Webstühle und die Geschwindigkeit beim Luftweben. Seit drei Jahren steht auch bei Firma Pichler kein einziger Webstuhl mehr. Der Strom für die Webstühle ist zu teuer geworden.

Die letzten Wäschefirmen in Laichingen überleben aber, weil sie sich Nischen gesucht haben oder eng kooperieren, so die im Film erwähnte Firma Kächele. Oder die durch ihre Geschäftsführer Hans-Werner Groß und Thomas Wagner verbundenen Firmen Wäschekrone und Pichler.

Mucksmäuschenstill war es im Saal, als Heinz Surek die in Laichingen spielende Weihnachtsgeschichte „Das Haus am Hang“ von Karl-Heinrich Bischoff vorlas. In berührender Weise wird hier das Bild eines Weihnachtsabends in einer armen Familie am Alenberg beschrieben.

Im Anschluss an das Programm wurde in kleinen und größeren Grüppchen noch lange über das Gesehene und Gehörte gesprochen, hatte der Abend doch viele Anregungen geboten. Und es wurde immer wieder der Wunsch laut, der Film sollte doch im Fernsehen wiederholt werden.

In Absprache mit Gudrun Mangold geht der Erlös des Abends an die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“. Wie der Vorsitzende des Geschichtsvereins Heinz Pfefferle mitteilt, betrug der Reinerlös des Abends 400 Euro. Das Geld überweist der Verein an die Hilfsorganisation.

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