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Eugen Biser – Ehrenbürger als ehrenwerter Mittler

Geburtstag jährt sich am 6. Januar 2018 zum 100. Mal – „Große Verbundenheit zu den Menschen in der Gemeinde“

Eugen Biser, 1918 bis 2014.
Eugen Biser, 1918 bis 2014.
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Kehlen ce/rwe Seinem 2014 verstorbenen Ehrenbürger gedenkt auch die Schussengemeinde: Eugen Bisers Geburtstag jährt sich am 6. Januar 2018 zum 100. Mal. Daher wird an diesem Tag um 10.30 Uhr ein Messgedenken im Gottesdienst in Kehlens Kirche an Biser erinnern.

Noch zu Zeiten des Ersten Weltkriegs wurde Eugen Biser am 6. Januar 1918 in Oberbergen am Kaiserstuhl geboren. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs (1938) begann er in Freiburg das Studium der Katholischen Theologie, das er – durch den Krieg und eine schwere Verwundung unterbrochen – 1946 abschloss.

Eine Zeit, zu der Eugen Biser auch die Verbindung nach Kehlen auffrischte. Dabei konnte er in die Fußstapfen eines Onkels gleichen Namens treten. Um 1920 war dieser einige Jahre Pfarrer in der damaligen Kirchengemeinde Kehlen und ließ bei seinem Tod 1925 zwei Schwestern zurück, die mit ihm im Pfarrhaus gelebt hatten. Sie entschlossen sich, in Kehlen zu bleiben und bauten mit Hilfe ihres verheirateten Bruders ein Haus in der Hirschlatter Straße.

Der Bruder und seine Frau hatten 1918 einen Sohn bekommen, dessen Taufpate und Namensgeber der Onkel, Pfarrer Biser, war. Neffe Eugen Biser entschloss sich, ebenfalls Pfarrer zu werden. Er besuchte die beiden Tanten in Kehlen regelmäßig bis zu deren Tod 1948. Die beiden hinterließen ihm das Haus, das die Verbundenheit zu Kehlen dokumentierte und Bürgermeister Roland Karl Weiß am Ostersonntag 2003 bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde von einer „Ära Biser“ sprechen ließ.

Kehlen hatte da bereits durch „die theologischen Tage“ ungeahntes Renomee gewonnen. 1975 hatte sie Eugen Biser (unterstützt von Karl Brugger) begründet und über ein Vierteljahrhundert Persönlichkeiten aus Kirche und Politik an die Schussen geführt. Ebenso wichtig: „Jederzeit war seine große Verbundenheit zu den Menschen in der Gemeinde spürbar“, schrieben Bürgermeister Andreas Schmid und Ortsvorsteher Franz Assfalg im gemeinsamen Nachruf auf den anerkannten Religionsphilosophen, der am 25. März 2014 verstarb.

Kurz die Stationen aus Bisers Wirken: Priesterweihe 1946, Religionslehrer, Promotion in Theologie 1956 und in Philosophie 1961, Habilitation als Fundamentaltheologe 1965, bis 1969 Professur an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Passau, bis 1974 an der Universität Würzburg, Ruf auf den Romano-Guardini-Lehrstuhl an der Ludwig-Maximilians-Universität München 1974, Emeritierung 1986. 25 Jahre (bis zum Jahr 2007) leitete er das von ihm aufgebaute Zentrum für Seniorenstudium der Münchner Universität. Mehr als 100 Bücher gehen auf den anerkannten Religionsphilosophen zurück.

Biser hatte eine eigene Vision vom Umgang mit Gott in heutiger Zeit. Nicht der erhobene Zeigefinger soll die Menschen Christus näherbringen, sondern die ausgestreckten Arme: „Das Christentum ist eine Liebes- und keine Kriegserklärung“, sagte er 2003 in Kehlen beim Empfang zu seinem 85er. Theologie, die verständlich ist und die verstanden wird: Dass dem so bleibt, dafür soll die Eugen Biser-Stiftung sorgen, die Freunde initiiert hatten und die für Biser stets eine „Herzensangelegenheit“ war. In Dankbarkeit würdigt sie anlässlich des 100. Geburtstages das Werk und Vermächtnis.

BLICK:

Sich an Eugen Biser zu erinnern, dazu gibt es dieser Tage eine Vielzahl an Möglichkeiten:

Fernsehen: Keine Angst, glaube nur! Der Theologe und Philosoph Eugen Biser von Norbert Göttler: Samstag, 6. Januar, 22.45 bis 23.30 Uhr, auf ARD-alpha

Radio: Theologie der Zukunft. Eugen Biser zum 100. Geburtstag von Antje Dechert: Samstag, 6. Januar, 8.05 bis 8.30 Uhr, auf Bayern 2 (Katholische Welt), auch als Podcast und in der Bayern 2 App

Gedenkgottesdienst am 12. Januar, 16 Uhr, mit Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, Universitätskirche St. Ludwig, München. Enthüllt wird dabei eine Gedenktafel: Mithilfe von Spenden hat die Eugen-Biser-Stiftung eine Gedenktafel aus Bronze mit einem teilplastischen Relief von Biser bei Bildhauer Wolfgang Eckert in Auftrag gegeben.

13-teilige Vorlesungsreihe an der LMU München: Eugen Biser zum 100. Geburtstag – Grundgedanken seiner Theologie im Blick auf die Gegenwart. Aus Bisers umfangreichem Werk wird je eine zentrale Publikation herausgegriffen und neu gedeutet. Die Vorträge dienen als Grundlage fürs „Eugen Biser Handbuch“ als Einführung in sein Werk (Verlag Herder ,Ende 2018).

Gedenkveranstaltung: Die Eugen-Biser-Stiftung richtet mit der Katholischen Akademie Bayern zum Thema „Christentum und Säkularität. Impulse aus der Theologie Eugen Bisers“ am 2. Februar, 17.30 Uhr, die Veranstaltung mit Empfang in der Münchner Akademie aus.

Festschrift: Gottesbilder – Eugen Biser als theologischer Grenzgänger. Der Inhaber des Eugen-Biser-Stiftungslehrstuhls (Hochschule für Philosophie, München), Prof. Dr. Georg Sans SJ, ist der Herausgeber.

Reise: Eine Reise für die Freunde der Stiftung führt vom 4. bis 6. Mai zu Bisers Geburtsort in Oberbergen. Dort soll die Festschrift vorgestellt, der neu eingerichtete Eugen-Biser-Raum besucht und ein Gedenkgottesdienst gefeiert werden.

Weitere Informationen unter

www.eugen-biser-stiftung.de

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