Schwäbische.de Schwäbische.de
Bedeckt 0
Ravensburg
Lokales

Es fehlt eine warme Jacke oder ein Bett

Kinderstiftung Ravensburg erhält immer mehr Anträge für ihre materielle Notfallhilfe

Ravensburg sz Den Kindern fehlt es an Winterschuhen, einer warmen Jacke, oftmals auch an einem richtigen Bett. 30 000 Euro setzt die Kinderstiftung Ravensburg jedes Jahr für ihre materielle Notfallhilfe ein, um Familien mit dem Allernötigsten zu unterstützen. Doch das Geld reicht derzeit hinten und vorne nicht.

„Die Anfragen werden ständig mehr“, sagt Geschäftsführer Ewald Kohler. Das Kuratorium der Kinderstiftung, die 2018 zehn Jahre alt wird, hat deshalb beschlossen, den Betrag auf 40 000 Euro aufzustocken. „Das ist dringend notwendig, auch und gerade in dieser vermeintlich bevorzugten Region und mitten im wirtschaftlichen Aufschwung“, sagt Kohler. „Besonders Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern profitieren davon nicht. Im Gegenteil: Armut in einem reichen Umfeld ist ganz besonders schwierig.“ In Ravensburg und im Mittleren Schussental seien unter anderem die hohen Mietpreise ein großes Problem für die Betroffenen.

187 mal ist die Kinderstiftung im Jahr 2016 um materielle Notfallhilfe gebeten worden, 237 Anträge waren es 2017 bereits. Insgesamt 500 Kinder konnten sich in diesem Jahr über neue Kleidung oder dringend notwendige Möbel freuen. Darunter sind auch Flüchtlingsfamilien. Zweimal im Jahr können Familien diese materielle Hilfe in Anspruch nehmen. Bei den Elf- bis Fünfzehnjährigen ist der Bedarf besonders groß, weil sie aus den Sachen schnell wieder herauswachsen. „Oft kommen auch plötzlich schwer erkrankte Eltern auf uns zu, die noch ohne Grundsicherung sind“, berichtet Kohler.

Die Kinderstiftung prüft zunächst im Verbund mit der Sozialberatung der Caritas, ob der Anspruch berechtigt ist und ob alle Sozialleistungen abgerufen worden sind. Ewald Kohler, zugleich Regionalleiter der Caritas Bodensee-Oberschwaben: „Es ist natürlich nicht unsere Absicht, den Staat aus seiner Pflicht zu entlassen.“

Liegen alle Fakten auf dem Tisch, treten Menschen wie Martha Schmidt oder Hanns Pirkl auf den Plan. Beide sind ehrenamtliche „Zeitspender“ bei der Kinderstiftung Ravensburg. Sie bekommen das Geld in die Hand und zugleich Namen und Anschrift der Familie. Dann geht es zusammen zum Einkaufen. Eine schöne Aufgabe, berichten die beiden „Zeitspender“, aber auch eine verantwortungsvolle. „Ich prüfe beispielsweise, ob die Eltern wirklich das kaufen, was gebraucht wird und ob es gerecht auf die Kinder verteilt wird“, sagt Martha Schmidt. Diese Begleitung sei wichtig, auch zur Kontrolle. „Und ich weise schon immer auch darauf hin, dass dieses Geld andere Menschen gespendet haben und dass es nicht aus irgendeinem staatlichen Topf kommt.“

Beeindruckt sind beide stets auf Neue von der großen Dankbarkeit der Kinder: „Bei der Freude angesichts einer neuen Jacke wird die Not spürbar. Oft wird das neue Stück noch im Geschäft angezogen und stolz nach Hause getragen“, erzählt Martha Schmidt. Es darf dann gerade bei den Jugendlichen auch mal was Modisches sein, Hauptsache, nicht zu teuer. „Inzwischen kenne ich deshalb H&M und New Yorker ganz gut.“ Hanns Pirkl hält bewusst einen gewissen Abstand zu den Familien, die er begleitet. „Ich sehe mich als Begleiter, will mich nicht zu stark in die Not hineinbegeben.“

Die Kinderstiftung kann „Zeitspender“ derzeit genauso gut gebrauchen wie Geldspenden. Ewald Kohler: „Es ist ein außergewöhnliches Ehrenamt. Uns fehlen eigentlich immer Helfer.“

Weitere Informationen unter www.kinderstiftung-ravensburg.de

Ihr Kommentar zum Thema

 
URL: http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Es-fehlt-eine-warme-Jacke-oder-ein-Bett-_arid,10783700_toid,535.html
Copyright: Schwäbisch Media Digital GmbH & Co. KG / Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG Drexler, Gessler. Jegliche Veröffentlichung, Vervielfältung und nicht-private Nutzung nur mit schriftlicher Genehmigung.
Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an online@schwaebische.de.