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Es fehlt an Kommunikation zwischen Eltern und Kindern

BAD SAULGAU sz Auf Einladung des Gesamtelternbeirats der Realschule Bad Saulgau war vergangene Woche Vitus Graf von Waldburg-Zeil zu Gast in der Aula der Brechenmacherschule. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen „situationsgerechte Umgangsformen“. SZ-Mitarbeiterin Anita Metzler-Mikuteit sprach im Anschluss mit dem Referenten.

SZ: Welches sind ihre Beweggründe, Seminare für Schüler/innen zu diesem Thema anzubieten? Besteht aus Ihrer Sicht Nachholbedarf?

Vitus Waldburg-Zeil: Kinder sind etwas Wunderbares, zarte Pflänzchen, wissbegierig und formbar. Wenn der Wissensdurst von Kindern befriedigt werden kann, bin ich immer bereit, hier zu unterstützen. In diesem Fall hatte mir Frau Doehring zu verstehen gegeben, dass die Schüler der Realschule mehr über dieses Thema erfahren wollten. Das machte mich neugierig und hat mich angespornt, etwas Anderes und Aufregendes zu erfahren. Nachholbedarf besteht nicht. Wenn Kinder und Jugendliche vermeintlich nicht so tun, wie sie aus gesellschaftlicher Sicht sollen, dann ist was schief gelaufen. Kinder kann man nicht für die Erziehungsfehler der Eltern verantwortlich machen.

SZ: Binden Sie bei solchen Veranstaltungen auch die Eltern mit ein?

Waldburg-Zeil: Grundsätzlich mache ich keine Seminare für Kinder und Jugendliche, ohne vorher mit den Eltern darüber gesprochen zu haben. Es ist ja auch für Kinder äußerst schwer nachzuvollziehen, warum Normen in unserem zwischenmenschlichen Zusammensein eingehalten werden sollen, die sie von zuhause gar nicht kennen. Die Eltern sind die wichtigsten Personen für die Kinder und sind daher zwingend in einen solchen Prozess mit einzubeziehen.

SZ: Wie im Seminar angesprochen, basiert ein gutes Miteinander auf gegenseitige Achtung und Würde, aber auch Selbstachtung gehört dazu......

Waldburg-Zeil: ....Jugendliche sind in einem großen Umbruch, körperlich und geistig. Sie können noch gar nicht gefestigt sein. Das hat die Natur so eingerichtet. Daher erleben wir bei Jugendlichen jegliche Form von Gefühlsregung, die sich innerhalb von Sekunden in die eine oder andere Richtung ändern kann. Jugendliche suchen, probieren aus, gehen neue Wege. Nicht immer zur Zufriedenheit ihrer Eltern und anderer Erwachsener. Die Selbstachtung von Jugendlichen kann daher gar nicht ausreichend ausgeprägt sein. Aber es ist immer gut, wenn Jugendliche Anregungen von anderer Seite bekommen, denn Eltern tun sich oftmals schwer, an ihre Kinder heran zu kommen. Wenn Jugendliche zunächst von ihren Eltern lernen, dass Selbstachtung etwas Wichtiges ist und dies von außen auch noch bestätigt bekommen, wird unsere heutige Jugend zu einer großartigen Gesellschaftsstütze.

SZ: Als Unternehmensberater und Vater von vier Kindern haben Sie Einblicke in das Kommunikationsverhalten von Kindern wie auch in das der Erwachsenenwelt. Hat sich die aus Ihrer Sicht in den letzten Jahren verändert?

Waldburg-Zeil: Oft erscheint mir, dass es zwischen Eltern und Kindern wenig bis gar keine Kommunikation mehr gibt. Der mediale Konsum auf der einen Seite und das übergroße Angebot sportlichen, sozialen und gesellschaftlichen Engagements der Kinder und Jugendlichen andererseits bei nur mehr einem bis maximal zwei Kindern je Familie gibt hier kaum mehr Raum. Auch ist die Erziehung von Kindern häufig nur mehr Sache von einem Elternteil, der logischerweise gezwungen ist zu arbeiten. Somit verbleibt auch wenig Zeit, innerhalb der familiären Strukturen zu kommunizieren.

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