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Weingarten (Württemberg)
Lokales

Eine Reise durch die barocke Musikwelt Europas

Martin Setchell aus Christchurch gibt Konzert an der Gabler-Orgel in Weingarten

Für einen Monat weilt Martin Setchell, Organist im neuseeländischen Christchurch und Musikprofessor an der dortigen University of Canterbury, auf einer Tournee mit 15 Konzerten in Europa. Zum dritten Mal war der im britischen Blackpool geborene Musiker mit seiner Frau Jenny in Weingarten zu Besuch, aber zum ersten Mal spielte er auf der Gabler-Orgel.
Für einen Monat weilt Martin Setchell, Organist im neuseeländischen Christchurch und Musikprofessor an der dortigen University of Canterbury, auf einer Tournee mit 15 Konzerten in Europa. Zum dritten Mal war der im britischen Blackpool geborene Musike
Schäfer

Weingarten sz Werke von Johann Sebastian Bach haben auch beim zweiten, wieder gut besuchten Konzert der Internationalen Orgelkonzerte an der Gabler-Orgel den Anfang gemacht. Mit Rücksicht auf die Klangfarben des Instruments und seine Disposition für barocke Musik hatte Martin Setchell überwiegend Musik des 18. Jahrhunderts mit Werken von Bach, Giovanni Battista Pescetti und Ludwig Krebs sowie des 17. Jahrhunderts mit zwei Stücken von Johann Pachelbel und von Samuel Wesley ausgesucht. Als Kontrast dazu gab es zum Abschluss zwei moderne Kompositionen.

Vor allem sollten seine Zuhörer „fun“ mit seinem Musikprogramm haben, sagt Martin Setchell im Gespräch. Durch seine Studien bei den Organisten von Notre-Dame Pierre Cochereau und Marie-Claire Alain in Paris hat er selbst eine Leidenschaft für französische Orgelmusik des 19. Jahrhunderts entwickelt – für Camille Saint-Saëns, Charles-Marie Widor oder Louis Vierne. Aber diese lassen sich auf der Gabler-Orgel kaum spielen.

Schlicht arrangiert

So passte seine Auswahl mit drei kurzen Stücken von Bach sehr gut an den Anfang einer Reise durch die barocke Musikwelt in Europa. Schön getragen und ruhig gab das „Allabreve D-Dur BWV 589“ die barocke ,Ordnung’ und Struktur vor. Die folgende Sinfonia aus der Kantate 156, deren Thema – fast so bekannt wie Bachs „Air“ – in der Orchesterfassung von der Oboe gespielt wird, war schlicht und liedhaft von Setchell mit Trompetenregister arrangiert und das Choralvorspiel „Valet will ich dir geben BWV 736“ hatte einen starken Orgelton.

Wie anders dagegen der Venezianer Giovanni Battista Pescetti (1704 bis 1766) mit seiner Sonate in c-moll, die im ersten Satz das Zeug zum Ohrwurm hatte – keine atemberaubend großartige, aber eine fröhlich trällernde und tirilierende Musik mit lauter kleinen Echos, zartgliedrig und heiter wie eine Spieluhr. Im zweiten Satz setzte Setchell die „unda maris“ ein, das Meereswellen-Register, das immer leicht nachschwingt und manchmal fast blubbert und in der Höhe selten benutzt wird. Das gab eine ganz eigene Farbe, wie auch der Hohlflaut im abschließenden Presto.

Einfache Melodie

Für die „Fantasia a gusto italiano in F“, einer sehr liedhaft, in Bögen sich bewegenden Komposition von Johann Ludwig Krebs (1713 bis 1780), wählte der Organist das Trompetenregister, während Johann Pachelbels (1653 bis 1706) „Toccata e-moll“ virtuos mit vielen Läufen über einem Orgelpunkt und das Choralvorspiel „Ein’ feste Burg ist unser Gott“ als Paraphrase über einer starken Basslinie erschien. Den Schlusspunkt unter die barocke Musik setzten „Air“ und „Gavotte“ des in Bristol wirkenden Samuel Wesley mit einer einfachen Melodie und einer von der „vox humana“ strukturierten Tanzweise.

Als Abschluss kam so etwas wie Kirchentagsmusik: „The Heart of Peace“ von dem 75-jährigen norwegischen Organisten, Pianisten und Komponisten Mons Leidvin Takle, eine freundliche, leicht sentimentale Komposition. Danach ein virtuoses Stück des belgisch-amerikanischen Komponisten Noël Goemanne (1926 bis 2010), der hauptsächlich in den USA gewirkt hat. Er gilt als einer der ersten, die sich mit moderner Kirchenmusik nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil beschäftigt haben. Aus seiner „San Antonio Suite“ von 1991 ließ Martin Setchell das auch von der Popmusik häufig gecoverte Stück „El día de fiesta“ hören: mit viel Pep, Drive, starken Basspassagen und einem voluminösen Sound. Der hätte wohl auch Gabler gefallen.

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