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Eine Lösung fürs Telefunken-Museum?

Firma Hensoldt will dem Freundeskreis ehemaliger AEG-Telefunken-Mitarbeiter unter Vorgaben Exponate auf Leihbasis überlassen
Eine funktionierende Enigma-Maschine, die im Zweiten Weltkrieg zur Nachrichtenverschlüsselung verwendet wurde, steht seit der Schließung des Telefunken-Museums im Museum Ulm.
Eine funktionierende Enigma-Maschine, die im Zweiten Weltkrieg zur Nachrichtenverschlüsselung verwendet wurde, steht seit der Schließung des Telefunken-Museums im Museum Ulm.
dpa

Ulm/Nersingen sz Ein großer Schritt vorwärts deutet sich an für die AEG-Telefunken-Sammlung, deren frühere Exponate zum Teil noch bei der Firma Hensoldt als Nachfolger von Airbus Defence and Space in der Ulmer Wörthstraße 85 lagern, zum anderen Teil in Straß. Etwa ein Jahr lang hatte zwischen der Firma Hensoldt, dem Eigentümer der Exponate, und dem Freundeskreis ehemaliger AEG-Telefunken-Mitarbeiter Schweigen geherrscht.

Einige Stunden vor einem Treffen, zu dem auch Vertreter der Firma Hensoldt geladen waren, erhielt der Freundeskreis AEG-Telefunken ein Schreiben des Hensoldt-Senior Managers Holger Martin, das von jenen Männern als echtes Gesprächsangebot gedeutet wird, die die Sammlung über Jahre aufgebaut, betreut und bei Führungen einer interessierten Öffentlichkeit gezeigt hatten. Gespräche mit Hensoldt über die Vorschläge sollen noch in diesem Jahr beginnen.

In dem Schreiben heißt es unter anderem: „Die Firma Hensoldt überlässt dem Freundeskreis nach erfolgreicher Eintragung als gemeinnütziger e.V. die noch zu bestimmenden Exponate aus Ulm auf Leihbasis. Die zu überlassenden Exponate bleiben im Eigentum von Hensoldt und können nach vorheriger Ankündigung von Hensoldt zurückgerufen werden.“ Dieser eingetragene Verein, so wird vorgeschlagen, sorge „für eine fachgerechte Lagerung und natürlich Ausstellung der Exponate und stellt die fachliche Betreuung sicher.“ Ebenso solle die Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde übernommen werden, da man die Auflage habe, dass dieses Kulturgut weder verändert noch umgezogen werden darf.

Der Freundeskreis will sich zügig in einen gemeinnützigen Verein umwandeln, dessen Ziel die Betreuung der am 9. November 2016 von der Unteren Denkmalbehörde als bewegliches Denkmal eingestuften Sammlung ist. Über die Vereinssatzung wird bereits diskutiert. Fragen im Bezug auf den Ort der Unterbringung der Sammlung sowie auf die Finanzierung sind ebenso zu klären wie der Rücktransport der in Straß untergebrachten Exponate. Nicht alles sei einfach zu transportieren, sagt Detlev Gröbe, der gemeinsam mit Fritz Arends das Museum 18 Jahre lang betreute. Vor allem befinde sich ein hochwertiges Spitzenprodukt in Nersingen, mit dem sehr schonend umzugehen sei und das in jedem Fall in ein Museum gehöre. Zudem wurden Leihgaben aus Privatbesitz bei der Schließung des Museums an die Eigentümer zurückgegeben. Die wertvolle Verschlüsselungsmaschine Enigma, die als Leihgabe Teil der Ausstellung war, steht jetzt im Museum Ulm.

Alle beim Gespräch anwesenden Mitglieder des Freundeskreises erklärten sich bereit, in den zu gründenden Verein einzutreten, mitzuwirken und ihr Fachwissen zur Verfügung zu stellen, damit die Sammlung fachgerecht betreut werden kann. Die Abteilung Radar jedoch möchte Hensoldt ausklammern und selbst betreuen, um sie weiterhin Kunden zeigen zu können.

Stadtrat Hans-Walter Roth soll Gespräche führen

Vorab erteilte der Freundeskreis einstimmig dem Ulmer Stadtrat Hans-Walter Roth das Mandat zur Führung der Gespräche mit der Firma Hensoldt. Eine Auswahl von Delegierten aus dem zu gründenden Verein soll ihm mit ihrer Sachkenntnis zur Seite stehen und die Verhandlungen begleiten.

Ob die wieder zusammengeführten Exponate des einstigen Museums eines Tages wieder auf dem Firmengelände an der Wörthstraße ihre Heimat finden werden oder in einer Halle in Ulm: Fernziel bleibe, dass die in Ulm produzierte Technik Teil eines Technikmuseums auf der Wilhelmsburg werden solle, sagt Roth. Immer mehr Ulmer Firmen würden sich wünschen, dass ihre Sammlungen in einem solchen Museum gezeigt werden könnten.

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