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Eine Höhle wird geöffnet

Wie ein Seitenarm der Ur-Donau seine Spuren am Hohle Fels hinterließ
Das Helga-Abri an der Westseite des Felsens ist ein deutlicher Flußkolk.
Das Helga-Abri an der Westseite des Felsens ist ein deutlicher Flußkolk.
Fotos (2): Museumsverein schelklingen

Schelklingen sz In unserer Serie „Wie entstand der Hohle Fels“ wirft Winfried Hanold heute einen Blick auf die Einflüsse der Ur-Donau und das sogenannte Helga-Abri an der Westseite des Felsens.

Oft werde gefragt, wie alt denn der Hohle Fels sei. Da werden dann kühne Theorien aufgestellt, wie etwa die, die Ur-Donau habe die Höhle aus dem Fels gewaschen. Das ist ziemlich unwahrscheinlich. Doch die Ur-Donau im Achtal hat etwas mit der Höhle zu tun.

Seit 145 Millionen Jahren ist die Schwäbische Alb Festland. Dieses Land ragte nur wenig aus dem Meer. Damit fehlte lange Zeit die Voraussetzung für die Entstehung größerer Horizontalhöhlen. Denn das Wasser mit dem gelösten Kalk braucht ein Gewässer, zu dem der Höhlenfluss hinfließen kann, einen Vorfluter. Zu diesem Vorfluter muss ein ausreichender Höhenunterschied bestehen, ein hydraulisches Gefälle, was lange Zeit nicht gegeben war. So entstanden erst nur Spalten- und Schachthöhlen. Durch Fossilfunde weiß man, dass schon vor etwa 35 Millionen Jahren Tiere in solche Höhlen stürzten. Im Stadtmuseum Schelklingen sind in der Tertiär-Vitrine einige dieser Fossilien ausgestellt.

Vor 22 bis 16 Millionen Jahren drang nochmals ein Meeresarm, das Miozän-Meer, in die Senke zwischen Alb und Alpen ein. Als es sich wieder zurückzog, wurde das Meeresbecken von einem mächtigen Fluss von Ost nach West entwässert, dem Graupensand-Fluss. Er grub sich am heutigen Südrand der Alb so tief ein, dass zwischen Albhochfläche und Vorfluter ein ausreichender Höhenunterschied entstand. Nun konnten Kalklösung und Höhlenbildung, die Verkarstung, an Fahrt aufnehmen. Vielleicht entstand damals auch die Höhle, auf die der Hohle Fels zurück geht.

Auch dieses Flusstal wurde im Laufe der nächsten Jahrmillionen allmählich aufgefüllt. Diese Ablagerungen der Tertiärzeit, die Obere Süßwassermolasse, überdeckten den ganzen Südrand der Alb bis auf eine Höhe, die der Höhenlage von Ingstetten entspricht. Vor sieben Millionen Jahren kehrte sich die Entwässerungsrichtung um. Ein neuer Fluss entwässerte nun von der oberen Rhone bis zum Wiener Becken ganz Süddeutschland, Aare-Donau genannt. Dieser mächtige Strom räumte auf der Alb die Tertiärablagerungen wieder ab, hinterließ aber Gerölle, wie zwischen Hausen und Oberschelklingen. Schließlich begann die Ur-Donau sich gegen die Heraushebung der Alb in die Jurakalke einzugraben. Viele Flussschlingen wurden dabei nach unten „durchgepaust“, wie etwa die Schlinge um den Schelklinger Berg oder den Herz-Jesu-Berg. An den Talflanken wurden die harten Riffkalk-Felsen heraus modelliert, so auch der Hohle Fels. Der Talzug von Ehingen über Schelklingen und Blaubeuren nach Ulm ist also ein altes Donautal. Vor etwa 150 000 Jahren hatte die Ur-Donau ihre größte Eintiefung erreicht, in Schelklingen bis 40 Meter unter dem heutigen Talboden. Dann verlegte sie ihren Lauf an den Albsüdrand. Auf seinem Weg in die Tiefe öffnete der Fluss bereits vorhandene Höhlen. Dadurch verstärkte sich die Vergrößerung der Höhlengänge, auch ohne dass sie von der Donau durchflossen wurden. Einer davon ist das Höhlensystem des Hohle Fels, aus zwei anderen entspringen heute Aach und Urspring. Spuren hat die Urdonau auch am Hohle Fels hinterlassen. Das Helga-Abri an der Westseite des Felsens ist ein deutlicher Flußkolk. Bereits die Jäger der Steinzeit nutzten diese geschützte Nische als Unterschlupf.

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