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Eine Ansage an die Gesellschaft

Mit „Stamm – Alltag und Sehnsuchtsorte“ arbeitet das integrative Heyoka-Theater im Roxy an seinem bislang aufwendigsten Stück
An fünf Orten im Roxy spielen die Darsteller von Heyoka – Profischauspieler und Laien, Menschen mit und ohne Behinderungen – das Stück „Stamm“.
An fünf Orten im Roxy spielen die Darsteller von Heyoka – Profischauspieler und Laien, Menschen mit und ohne Behinderungen – das Stück „Stamm“.
Dagmar Hub

Ulm sz Zwei Proben haben die 44 Akteure des neuen Stückes des Heyoka-Theaters noch vor sich. Am Donnerstag, 16. November, erlebt „Stamm – Alltag und Sehnsuchtsorte“ um 20 Uhr seine Premiere im Roxy. Neu am zweiten Teil der Trilogie „Wurzeln, Stamm und Triebe“ ist nicht nur die hohe Zahl an Mitwirkenden. Mit dieser Inszenierung von Eva Ellerkamp und Simon Reimold bespielt das Heyoka-Theater die Räume des Kulturzentrums innen und außen: Das Publikum geht wird in fünf Gruppen durch die Räume wandeln, und vor den Akteuren liegt schon deshalb eine echte Herausforderung, weil sie durch die dadurch fünf Mal gleichzeitig gezeigten Szenen in den verschiedenen Räumen permanent gefordert sind.

Ihre Tochter Greta beispielsweise habe im Stück eine Rolle mit viel Bewegung, erzählt Ellerkamp, Gründerin des preisgekrönten integrativen Theaters, bei dem Menschen mit Behinderungen, Laienschauspieler, Menschen mit psychischen Krankheiten und Profi-Schauspieler gemeinsam auf der Bühne stehen. „Die Szenen fünf Mal zu wiederholen, damit jeder Zuschauer jede Szene erlebt, ist ganz schön anstrengend.“ Dabei sind bei „Stamm“ nicht nur die Ensemblemitglieder des Heyoka-Theaters, sondern auch Schüler der Grundschule am Tannenplatz in Wiblingen und die Biberacher Jugendkunstschule JUKS.

Aus den Szenen und an den Orten im und ums Roxy entsteht ein lebendiges Puzzle aus Emotionen: das Gefühl, wegfahren zu wollen, das Empfinden eines sicheren Ortes, das Nachdenken darüber, was man im Alltag regelmäßig tut, obwohl man es ungern tut, und die Frage, warum man es trotzdem tut. Es geht um reale Orte und innere Orte. Die Ideen zu den Szenen kommen von den Mitspielern. Zu Beginn wird der Zuschauer aufgerufen, Taschen und Verstand an der Garderobe abzugeben und hinterher dort wieder abzuholen – wobei er darauf achten soll, jeweils den eigenen wieder mit nach Hause zu nehmen. Die Texte bewegen sich in ihrer Philosophie zwischen Pippi Langstrumpf und dem hochmittelalterlichen persischen Sufi-Mystiker Rumi.

„Eigentlich wollten wir das Stück im Freien aufführen, in der Ulmer Innenstadt“, berichtet Eva Ellerkamp. Dann sei das Angebot vom Roxy-Team gekommen, das Roxy mit dem Stück zu bespielen. „Das macht es uns natürlich logistisch einfacher und unabhängig vom Wetter“, sagt die Ulmerin, die Musiktherapie und Schauspiel studiert hat.

Weil ihr Ensemble stets als Gruppe aufzutreten gewöhnt ist, diesmal aber in Kleingruppen in den verschiedenen Räumlichkeiten agiert, braucht sie ihre ganze Konzentration im Moment dafür, alle Akteure an den unterschiedlichen Orten im gleichen Moment präsent zu wissen. „Mitspieler“ werden auch unterschiedliche Fahrzeuge sein – Roller und Autos zum Beispiel.

Im ersten Teil („Wurzeln“) der auf zwei Jahre angelegten Trilogie hatten sich die Schauspieler mit ihren leiblichen und ideellen Vorfahren und damit mit der Vergangenheit beschäftigt. Im zweiten Teil, der jetzt seine Premiere erlebt, geht es um die eigene Familie und die geistige Heimat und damit um die Gegenwart. Der abschließende dritte Teil des Projekts („Triebe“) wird sich mit Wahlverwandtschaften und Zukunftsmusik auseinandersetzen.

Karten für „Stamm“ gibt es am Roxy-Ticketschalter, Telefon 0731/96 86 20, sowie bei Blende 22, Augsburger Straße 26, in Neu-Ulm, Telefon 0731/602 15 97.

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