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Ellwangen (Jagst)
Lokales

Einbrecher klappern die Fitnessstudios ab

Polizei zählt im Ostalbkreis mehr als zehn Fälle in sechs Wochen – Bernhard Kohn spricht von Serie
Einbrecher machen sich gern an Gebäude heran, in denen sich keine Menschen aufhalten. Hier sieht und hört sie keiner.
Einbrecher machen sich gern an Gebäude heran, in denen sich keine Menschen aufhalten. Hier sieht und hört sie keiner.
Daniel Maurer

Ellwangen sz Auf Fitnessstudios haben Einbrecher es derzeit abgesehen. Allein in Ellwangen ist die Polizei deswegen inzwischen viermal gerufen worden, im gesamten Ostalbkreis hat die Zahl der Einbrüche „die Zehn überschritten“, wie Bernhard Kohn sagt. Was ihm bei der Serie auffällt, erläutert der Polizeisprecher gegenüber Sylvia Möcklin.

Stimmen Sie zu, dass Fitnessstudios derzeit ungewöhnlich häufig von Einbrechern heimgesucht werden?

Das ist auffällig, in der Tat. Ich wüsste nicht, dass schon einmal in einer solchen Dichte in Fitnessstudios eingebrochen wurde wie in den vergangenen sechs Wochen. Schwerpunkte der Serie sind Aalen und Ellwangen. In ein Studio in Ellwangen wurde sogar bereits zweimal eingebrochen (siehe Kasten). Einige Fälle haben wir auch in anderen Gemeinden.

Was macht Fitnessstudios zu einem attraktiven Ziel für Einbrecher?

Eine gute Frage, auf die wir leider noch keine gute Antwort haben. Solange wir die Täter nicht fassen, kennen wir deren Motive nicht. Wir können aber spekulieren. Die erste Motivation könnte zum Beispiel gewesen sein, dass jemand öfter im Fitnessstudio war und gesehen hat, wie Sportkurse oder Getränke in bar bezahlt wurden. Es könnte einer der vielen Kunden gewesen sein oder jemand, der ein Fitnessstudio ausbaldowert hat, und der sich nicht bewusst gemacht hat, dass dessen Betreiber die Tageseinnahmen in der Regel ja nicht über Nacht dort lässt. Nun erklärt das noch nicht die Summe der Einbrüche. Wir wissen nicht, ob sie alle zusammenhängen. Es ist aber eher wahrscheinlich, dass einige oder sogar viele der Einbrüche miteinander in Verbindung stehen.

Gibt es Parallelen zu den Einbrüchen in Kindergärten von Dezember 2015 bis Februar 2016? Es wurden zwei Täter gefasst und zu Gefängnisstrafen verurteilt. In der Verhandlung vor dem Ellwanger Landgericht gaben sie an, sie hätten die Einbrüche verübt, um ihre Spiel- und Drogensucht zu finanzieren.

Auch hier können wir nur spekulieren. Die Einbruchserie in Kindergärten war sehr groß. Die jetzige Serie in den Fitnessstudios hat vermutlich nicht direkt mit ihr zu tun. Dennoch kann man Parallelen ziehen. So ist jeweils das Risiko, bei der Tat entdeckt zu werden, sehr gering. Das Gleiche gilt aber auch für Einbrüche in Bauwagen, Vereinsheime, Gaststätten und andere Gebäude, die nach Ende der Öffnungszeit verlassen sind. In einem Fitnessstudio könnte allerdings mehr zu holen sein als in einem Bauwagen. Etwa die Wechselgeldkasse, ein Laptop oder ein liegen gebliebener Fotoapparat.

Wie ist das Verhältnis vom Wert der Beute zur Höhe des Sachschadens?

Die Sachschäden bei den jetzigen Fällen sind nicht so außergewöhnlich hoch wie damals teilweise bei den Kindergarteneinbrüchen. Die Täter gehen meist klassisch vor und hebeln ein Fenster oder eine Tür auf. Wenn im Inneren des Gebäudes weitere Türen verschlossen sind, wird der Sachschaden größer. Denn da meist niemand die Einbrecher hört oder stört, können sie sich Zeit lassen, Lärm machen und weitere Türen aufbrechen. Das war bei den Kindergärten der Fall, weshalb wir jenen damals empfohlen haben, ihre Innentüren offen zu lassen.

Wie geht die Polizei jetzt vor?

Zunächst muss der Eigentümer selbst für die Sicherheit sorgen durch eine Alarmanlage oder anderen Einbruchschutz. Die Beratungsstelle der Polizei gibt dazu gerne Tipps. Auf Streife kann die Polizei routinemäßig auch bei den Fitnessstudios vorbeischauen. Bei den Kindergärten war die Einbruchserie so groß, dass wir sogar versuchen konnten, Taten zu prognostizieren und die vermuteten Objekte zu beobachten. Das ist für die Fitnessstudios – noch – nicht möglich. Wenn tatsächlich ein Einbruch geschieht, sollen sich die Betroffenen möglichst rasch bei der Polizei melden. Auch das ist wichtig.

Warum?

Wir führen eine umfangreiche Spurensicherung durch – je zeitnaher die Anzeige, desto besser die Spuren. Wenn ein Täter später erwischt und festgenommen wird, können wir ihm anhand dieser Spurensicherung vielleicht die Beteiligung an der Serie nachweisen. Das hat Folgen: Beim Verdacht auf eine Einbruchserie kann der Festgenommene eher in U-Haft genommen werden, bei einer Einzeltat eher nicht.

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