Schwäbische.de
Wolkig 17
Trossingen
Lokales
Helga Schattschneider

Ein Pianist auf Liebespfaden

Bärschs kleine Bühne feiert Erfolg im Kesselhaus mit dem Stück „Das Konzert“
Die Komödie „Das Konzert“ mit vielen bekannten Liedern von Franz Grothe wurde von Jutta Bärsch und ihrem bestens eingespielten Ensemble trefflich in Szene gesetzt, bis nach etlichen Verwicklungen die Paare wieder wussten, wo sie hingehören.
Helga Schattschneider

Trossingen sz Bärschs kleine Bühne hat am Wochenende mit zwei Vorstellungen beste Unterhaltung geboten. Rund zweieinhalb Stunden lang amüsierte sich das Publikum im sehr gut besuchten Kesselhaus. Die Komödie „Das Konzert“ von Hermann Bahr hatten Jutta Bärsch (Regie) und Prof. Dr. Hans-Walter Berg (Musikalische Leitung) mit Liedern von Franz Grothe so stimmig angereichert, dass in der turbulenten Handlung Schauspiel und Gesang sich prächtig ergänzten und um die Gunst der Zuschauer wetteiferten. Am Klavier begleitete Hans-Walter Berg die vielen Lieder und wurde so zu einer hinter Blumen versteckten Hauptperson im Hintergrund.

„Die Stunde fällt aus, der Meister verreist!“ Wie aufgescheuchte Hühner flatterten die aufgeregten Klavierschülerinnen (Jenny Hahn-Meier, Karin Wysokowski, Xiaoting Yang) über die Bühne, während Starpianist Gustav Heink (Ulrich Schlageter) zu einem „spontanen Konzert“ aufbricht. Die Schülerinnen witterten Verrat, Ehefrau Marie (Jutta Bärsch) weiß, dass hinter solchen Konzerten kein offizieller Auftritt, sondern geheime Stunden in einer Berghütte auf Erfüllung warten. Sie trägt es mit einem lachenden und zunehmend weinenden Auge und sinnierte „wo sich wohl die Liebe von einst versteckt“. Wie lange soll sie dieses Theater noch ertragen?

Dr. Franz Jura (Andreas Derbogen), Ehemann der auserkorenen Pianistengespielin, steckte ebenfalls im Zwiespalt der Gefühle. Soll er seine Delfine freigeben, damit sie glücklich wird oder lässt er sie dann in ihr Unglück rennen? „Mit einem Blick fing es an“ erzählte er Marie, um kurz darauf einen Plan zu schmieden, wie beide Ehen zu retten seien. Marie hatte Bedenken: „Ja und nein kann das Gleiche sein“. Ein schneller Umbau verwandelte das heimische Wohnzimmer in die verschwiegene Berghütte „hoch drobn aufm Berg“. Dort endete jäh Prollingers (Karl Haller) gemütliches Dasein, denn „der Herr kommt“. Der „kranke Mann“ leidet, will man seiner resoluten Frau (Angelika Witzke) glauben, lediglich an Gicht, Wilderei und Saufen. Bei „etwas leiser Musik“ wollen Gustav und die junge Delfine Jura, „zwei wie du und ich“, heimliche Freuden in der Hütte genießen. Ein inniges Duett gesteht: Ich kenn dich nicht und lieb dich doch. Wie lange wird Gustav wohl Delfine lieben, wie schnell wird er ihrer überdrüssig sein, fragen Dr. Jura und Marie Heink, die plötzlich auftauchen und Unruhe in die Hütte bringen.

Ihr „Zauberlied der Nacht“ singt Delfine (Christin Tanja Putze) mit glockenreinem Sopran voller Einsamkeit, während Gustav und Marie im vertrauten Schachspiel versinken. Frau Prollinger und Marie wissen, dass Männer nicht älter, sondern immer jünger und irgendwann kindisch werden. Doch man braucht einen Mann, am besten einen anderen und „wenn ein netter Mann kommt“, weiß Marie, was sie tut. Am nächsten Morgen öffnete sie Delfine die Augen über den angebeteten Meister und seine Allüren. Bei allen Beteiligten wuchsen Zweifel, ob es wirklich sinnvoll sei, die Partner zu tauschen. „Ich möcht so gern, ich weiß nur noch nicht was“.

Bei Gustav reifte nun die Erkenntnis, dass er besser bei Marie bleibt und Delfine sah ihren Franz Jury in einem anderen Licht. So langweilig ist ihr Mann ja gar nicht. Einen letzten Versuch, den Meister erneut auf Abwege zu bringen, wagten die Klavierschülerinnen, die nun vereint die Hütte stürmten. Gustav jedoch widerstand der Versuchung und gelobte, „hoch drobn aufm Berg“ gibt er nur noch Konzerte für seine Marie.

Bärschs kleine Bühne lebt von einer engagierten, gut eingespielten Truppe, die mit viel Herzblut und schauspielerischem Talent agiert. Immer wieder kommen neue Mitspieler hinzu, die sich harmonisch in das Ensemble einfügen, so dass auch in dieser Produktion jede Rolle passgenau besetzt werden konnte.

Ihr Kommentar zum Thema