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Riedlingen (Donau)
Lokales

Ein Markt mit ganz viel Tradition

Der Riedlinger Gallusmarkt hat weiterhin Anziehungskraft für Besucher und Händler

Riedlingen sz „Sie wissen aber schon, dass der Gallusmarkt hier im Raum Riedlingen ein Nationalfeiertag ist?“, fragt die Frau neben mir am Süßwarenstand. Dort haben sich am Montag während einer kurzen Regenpause ein paar Besucher untergestellt. Es riecht nach süßen Mandeln und Magenbrot; viele Besucher flanieren in der Altstadt von Stand zu Stand; Schüler haben Schulschluss und durchqueren nach 11 Uhr das Marktgelände auf dem Weg zum Rummelplatz. So wie eh und je. Ja – in Riedlingen wurde am Montag „Nationalfeiertag“ begangen. So wie immer – und trotzdem jedes Jahr was Besonderes.

Der Gallusmarkt hat Tradition. Viele Besucher kommen seit Jahr und Tag nach Riedlingen. So wie die Frau aus Reutlingendorf, die nebenan am Stand steht. Schon als Kind war sie hier. Damals hatte der Markt noch größere Bedeutung, da war er ein Höhepunkt im Jahreslauf, nachdem die Ernte beendet war. „Wenn die Rüben und Kartoffeln vom Acker waren“, dann ging es nach Riedlingen. Das war vor vielen Jahren, doch noch immer kommt sie jedes Jahr. „Das gehört einfach dazu“, sagt sie. Auch wenn sich die Einkaufswünsche geändert haben. Nun ist sie auf der Suche nach Spielzeug für ihre Enkel.

Der Gallusmarkt ist und bleibt ein klassischer Krämermarkt, allerdings in XL-Format. Über 300 Händler waren in Riedlingen wieder vertreten, obwohl dieses Jahr durch die Brückenbaustelle nicht ganz so viele gekommen sind. Und viele Händler sind Stammbeschicker. In der ganzen Altstadt bis runter zur Baustelle an der Brücke stehen die Stände mit den unterschiedlichsten Waren. Schmuck, Textilien, Haushaltsutensilien, kitschige Dekoartikel neben Essensständen. Es gibt nicht viel, was es nicht gibt. Und vor allem – hier gibt es auch Raritäten, die sonst kaum noch zu finden sind. Wie etwa am Stand von Karl-Heinz und Lydia Schramm.

Hier werden Kindheitserinnerungen wach – Erinnerungen an die Oma oder die Mutter, die in ihren Kittelschürzen im Haushalt gewerkelt haben. Solche Schürzen waren früher gang und gäbe. Damals wurde nicht so oft gewaschen und die Schürze schütze vor Schmutz, erzählt Schramm. In dem bunten Blumendesign scheinen sie aus der Zeit gefallen. Aber – auf dem Gallusmarkt gibt es sie noch. „Wir bekommen das von einem Großhändler“, sagt Karl-Heinz Schramm. Die Schürze sei vor allem bei älteren Frauen noch immer hoch im Kurs. Aber auch Halstücher oder echte „blaue Done“ wie der Arbeitsanzug genannt wird, führt er im Angebot.

Die Schramms kommen seit über 30 Jahren nach Riedlingen auf den Gallusmarkt. Er stammt aus einer Händlerfamilie, die sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Damals wurde mit Geschirr durch die Lande gezogen, ehe 1930 auf Textilien umgestellt wurde. Die führen sie auch heute noch. Dafür haben sie ihre Stammkundschaft, die gezielt zu ihnen an den Stand kommt. Auch wenn er das Gefühl hat, dass die Zahl der Besucher auf dem Gallusmarkt seit fünf Jahren abnimmt, („Der Markt hat nachgelassen“) mit dem Geschäft ist er zufrieden.

So wie viele befragten Händler auch. „Ein Traditionsmarkt ist immer gut“, sagt Wolfgang Kißling aus Winterlingen. Er führt klassische Waren – Unterwäsche für ihn, aber vor allem für sie. „Früher wurden mehr lange Unterhosen verkauft“, sagt er mit leichtem Schmunzeln. Aber früher war es oft schon kälter auf dem Gallusmarkt. Da wurde eher nach wärmenden Textilien gegriffen. Nun wird anderes verlangt. Dass bei ihm die Unterwäsche nicht probiert werden kann, ist kein Handicap. Denn auch hier gilt: Der Stand hat viele Stammkundinnen. Die wissen genau was sie wollen. „Und bei uns ist es ein Griff, alles ist immer am selben Platz.“

Mit ihren Hüten, dem Schmuck und der Kleidung ist Kathrin Bamberger auf dem Markt präsent. Die Frau aus Öpfingen ist eine der wenigen Kunsthandwerkerinnen auf dem Markt. Hüte, Röcke, Ringe und mehr bietet sie an, alles handgefertigt und nicht gerade billig. Aber ich habe qualitätsbewusste Kundinnen“. Sie ist gerne hier, mag die Marktatmosphäre, das Gespräch mit den Kunden. Das mache einen Krämermarkt aus.

Das findet auch Sybille Hess. Sie hat sich morgens um 7 Uhr ins Auto gesetzt und ist von Konstanz nach Riedlingen gefahren. So wie immer seit 28 Jahren. Denn Gallusmarkt muss für die ehemalige Ertingerin sein, den Tag hat sie sich immer freigehalten, um in die alte Heimat zurückzukehren. Hier trifft sie Bekannte, Freunde und als ehemalige Erzieherin in Ertingen auch ehemalige Kindergartenkinder. Nur dass diese sie inzwischen deutlich überragen. „Ich finde das einfach schön hier“, sagt sie.

Ähnlich geht es Ursula Saile aus Ehingen. Auch die gebürtige Dürmentingerin hat sich wie jedes Jahr auf den Weg nach Riedlingen gemacht – auch um Bekannte und Freunde zu treffen. Am Stand der Haushaltswaren kommt man ins Gespräch, über einen kleinen pinken Hobel, der sehr an Barbiepuppe erinnert. Das sei aber sehr gute Qualität, trotz der Farbe, sagte Benjamin Dunger hinter seinem Stand. Und Ursula Saile kann ihm beipflichten: „Den Hobel hatte schon meine Großmutter und meine Mutter.“

Manches bleibt eben, wie es immer war. Auch am Süßwarenstand. Denn was wird am Gallusmarkt gekauft? „Magenbrot und süße Mandeln“, sagt Felix Ruggaber, „wie eh und je“. Ein Traditionsmarkt eben.

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