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Bad Waldsee
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Ein Kulturdenkmal, aber warum?

SZ geht der Historie des ehemaligen Finanzamtsgebäudes im Stadtarchiv nach

Das Gebäude in der Hauptstraße war einst ein Franziskanerkloster.
Das Gebäude in der Hauptstraße war einst ein Franziskanerkloster.
Wolfgang Heyer

Bad Waldsee hey Die Modernisierungspläne rund um das ehemalige Finanzamt in der Hauptstraße bieten Gesprächsstoff. Allein die Diskussion um den Standort des neuen Bürgerbüros, der von GAL-Stadtrat Dominik Souard als „Hundehütte“ und von der Stadtverwaltung als „Schmuckkästchen“ bezeichnet wurde, teilen die Meinungen. Die „Schwäbische Zeitung“ hat im Bad Waldseer Stadtarchiv nach dem geschichtlichen Hintergrund des Kulturdenkmals geforscht.

Ursprünglich stellte das Hauptgebäude den Schussenrieder Klosterhof sowie eine Kapelle dar. Ab 1650 wurde es zum Franziskanerkloster der Tiroler Ordensprovinz, wie Michael Barczyk, Leiter des Stadtarchivs erklärt: „Und die Kapelle wurde zur Kirche.“ In Folge der Säkularisation im Jahr 1806 seien die Mönche vertrieben und das Gebäude auf der Hochstatt als sogenannte Fruchtschütte, also als Kornhaus, genutzt worden. Von 1855 bis 1938 kam dem Gebäude eine neue Bedeutung zu. „Es wurde Oberamt des Kreises Waldsee. Heute würde man Landratsamt dazu sagen“, verdeutlicht Barczyk die Entwicklung des Hauses.

Das heutige Nebengebäude, das laut Planung im Sommer 2019 das neue Bürgerbüro beheimaten könnte, war einst ein Zollschuppen, weiß Barczyk. An den vielen Eingängen fuhren die Fahrwerke ein, verzollten ihre Waren und fuhren wieder von dannen. Es handelt sich also um ein geschichtsträchtiges Ensemble in der Waldseer Innenstadt, das seit jeher auf der Liste des Landesdenkmalamtes steht. Den geplanten Neubau am linken Flügel des Hauptgebäudes sieht Barczyk auf SZ-Nachfrage kritisch: „Es entspricht nicht der historischen Entwicklung.“ Schließlich zeigen Dokumente aus dem Jahr 1812, dass die damalige Kirche bereits einen verlängerten Gebäudeteil in Richtung Stadtsee hatte. Die Kirche war im Gebäude des heutigen Polizeipostens angesiedelt. Abgesehen davon, dass der Neubau aus historischer Sicht an der falschen Stelle ist, meint der Leiter des Stadtarchivs, „muss man sich doch sehr daran gewöhnen“.

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