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Ein „Hoch“ auf die Kleinkunst

SPD-Landesvorsitzende Leni Breymaier singt in Blaubeuren mit
Griff zum Mikrofon, wie schon so oft: Leni Breymaier (Mitte). Regelmäßig nutzt sie den Mitsing-Liederabend im „Nix“, um Lieder zu schmettern. Auch Nix-Wirt Hans Wild (rechts) machte mit.
Griff zum Mikrofon, wie schon so oft: Leni Breymaier (Mitte). Regelmäßig nutzt sie den Mitsing-Liederabend im „Nix“, um Lieder zu schmettern. Auch Nix-Wirt Hans Wild (rechts) machte mit.
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Blaubeuren sz Seit 30 Jahren schon widmet sich Hans Wild der Kleinkunst; 22 Jahre im Stellwerk in Schelklingen und seit acht Jahren in der Blaubeurer Kleinkunstkneipe „Zum fröhlichen Nix“. Das feierte er groß am Wochenende und zeigte, dass er seinen Beinamen „Festl“ zu Recht trägt. An vorderster Front sang am Sonntag Leni Breymaier, Landesvorsitzende der SPD, die auch ihrer Genossin auf Bundesebene, Hilde Mattheis, ein Ständchen widmete.

Den Auftakt machte eine dänische Folkband der europäischen Spitzenklasse am Donnerstag, es folgten Felix Meyer und Eric Manouz am Freitag und Songwriter Andreas Albrecht spielte am Samstag – und Nix-Wirt Hans Wild mit seiner Band, der Feschtagsmusik. Den Schlussstein eines grandiosen Feierwochenendes setzte das Mitmachsingen am Sonntag, bei dem dieses Mal Leni Breymaier, die Landesvorsitzende der SPD in Baden-Württemberg, am Mikro war. Dabei handelte es sich nicht um Wahlkampf, betonte Bernd „Stax“ Stegmeier, der als Bassist bei der Feschtagsmusik mitmacht. Denn Leni Breymaier habe man kennengelernt, noch bevor sie SPD-Vorsitzende wurde.

„Gut wieder hier zu sein“ eröffnete eine Kaskade von Lieblingsliedern, der sich jeden zweiten Sonntagabend im Nix versammelnden Sänger. Darauf folgte „Heute hier, morgen dort“ welches Leni Breymeyer charmant mit der Aufzählung ihrer drei verschiedenen Schlafstädte am Wochenende verband. Bei einer vom Mitsingliederbuch abweichenden Version von dem linken Kampflied „Bella Ciao“ schied sich dann hörbar die Spreu – die Ableser – vom Weizen – die Sänger, die den Liedtext auswendig kennen. Da es ja zudem Wein und Flammkuchen gab, war diese innere Zäsur zu verschmerzen.

Lied für Frauenrechte in USA

Dann zog die engagierte Sängerin einen rosanen „Pussyhat“ auf und widmete das weibliche Kampflied „Brot und Rosen“ den Frauen, die nach der Wahl Trumps in den USA zu Hunderttausenden gegen Sexismus und Chauvinismus auf die Straße gegangen sind. Poesie, Engagement und Kleinkunst gegen den Mainstream stehen Bernd Stegmeier zufolge auf den Fahnen des „Festl“ Wild und der seinen. Und der gerade in Fahrt geratene politische Teil der SPD-Frau hatte es in sich. Der anwesenden Bundestagsabgeordneten Hilde Mattheis widmete sie das „Bürgerlied“, welches an Radikalität mit seinem Text nur noch von „Che Guevara“ übertrumpft wurde. Das Bild von „Jesus Christus mit der Knarre“ soll da zur Attacke der Armen führen. Einen manchen Pfarrer würde es wohl zur Herzattacke führen.

Trotzdem, oder gerade deswegen, zeigte sich der Chor zu dem christlich impulsierten „Von Guten Mächten“ beinahe am berührendsten. Der ungezügelt schrammelnde Hans „Festl“ Wild brachte hernach seinen ironischen Kommentar: „Jetzt ist es ja schon recht kirchlich geworden, es ging sogar der Sammelbeutel um“.

Christel Seppelfeld aus Blaubeuren meinte: „Ein rundum guter Abend“. Viele gute Jugenderfahrungen seien beispielsweise bei „the Boxer“ von Simon and Garfunkel in ihr hochgekommen. „Da konnte ich von vorne bis hinten mitsingen“, schwärmte sie. Besinnlich ging es dann mit Reinhardt Mey zu Ende. Der Text von „Gute Nacht Freunde“ war so nett, das „Nix-Gefühl“ passend zu umschreiben: „Für die Freiheit, die als steter Gast bei euch wohnt/Habt Dank, dass ihr nie fragt, was es bringt, ob es lohnt/Vielleicht liegt es daran, dass man von draußen meint/Dass in euren Fenstern das Licht wärmer scheint“.

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