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Ein Englischmann in Dietmanns

Ein-Mann-Kabarettist Mark Britton bietet eine breit gefächerte Palette angelsächsischen Humors

Dietmanns sz Englischer Humor ist ein gar spezielles Genre. Gerne angesiedelt in der unteren Schublade – mal auch in der ganz untersten (Fachbegriff: lavatory humor). Oft angereichert mit einer gehörigen Portion Selbstkritik, gerne auch versetzt mit gut abgehangenen Gags. Und im Zweifelsfall prinzipiell gewürzt mit einer Prise Nazi-Anspielungen. Mark Britton, Stand-Up-Kabarettist, der dank seiner Pantomimen-Ausbildung sogar seinen Namen besser tanzen kann als die meisten Waldorf-Schüler, geboren im niedersächsischen Rinteln, später Schauspieler in Brighton, einst Englischlehrer im Sudan und später Psychologie-Student in Sussex, bediente am Samstagabend alle Klischees.

Nach der Uralt Hymne aller Uralten („My Generation“ von den „Who“)‚ stieg er in seinem aktuellen Programm „Mit Sex geht’s besser“ tief hinunter in den Niederungen der Unterhosen-Späße, als er lange, gar zu lange Phantasien über das Scrotum nachhing, die das zahlreiche Publikum im „Adler“ allerdings begeistert belachte. Da dem auch richtig originelle Gags („Ich spiele gern Schach mit alten Männern. Es ist bloß schwer 16 Schwarze zu finden“) folgte und eine große Portion Jammern über die Altersbeschwerden alternder Männer („Alles tut weh und was nicht weh tut, funktioniert nicht“) passte die Mischung dennoch.

Vor allem Seitenhiebe gegen die nervigen Gutmenschen der Rockgruppe U 2 („Publikum voll auf Droge? Voll auf Voltaren“) und das ganze zeitgeistige Esoterik-Gewese wie Hormon-Yoga („Das ganze Publikum kam aus dem U2-Konzert“) trafen den Nerv der sichtlich und hörbar amüsierten Besucher. Natürlich auch enervierte Auslassungen über das Pubertier in der heimischen Familie, wo der Sohn mit Kapuzenpullover daherkommt wie ein Mönch mit Tourette-Syndrom. Die versprochene Auflösung des Begriffs Tourette-Syndrom (zwanghafte Beschimpfung) blieb er zwar ebenso schuldig wie die Erklärung, weshalb seine fiktive Krankengymnastin auf den Namen Schicklgruber (Geburtsname von Adolf Hitlers Vater) heißt. Aber so sind sie halt, die Engländer: Ein bisschen Nazi-Verarsche muss sein. Auch wenn diese Gags wohl am Großteil des Publikums spur- und wirkungslos vorübergerauscht sein dürften.

Wirksamer, wenn auch nicht dezenter, waren sicherlich derbe Späße über das Klimakterium („Mit den Jahren wird der Garten der Frau etwas unfruchtbar. Der Spaten des Mannes wird etwas rostig“) oder über Sex im fortgeschrittenen Lebensalter („Ohne Handschellen, aber mit Bandscheibengürtel“) und über die Unbilden des Alters generell: „James Bond hat nicht mehr die Lizenz zum Töten, sondern die Lizenz zum Tinnitus“. Auch stark bemooste Pointen („Ich möchte friedlich einschlafen wie mein Opa. Nicht schreiend, wie seine Mitfahrer im Auto.“) brachten die Lachmuskeln in Wallung. Witze über ein Klassentreffer offensichtlich dementer ehemaliger Mitschüler („Amnesie international“ ) gerieten dahingegen schon sehr gewöhnungsbedürftig, very britisch halt. Was aber ebenso beifallsumrauscht ankam wie eine soziologisch-biologische Erkenntnis „Eine Frau erreicht ihren sexuellen Höhepunkt nach 35 Jahren. Männer nach drei Minuten“ und die hamlet-mäßige Existenzfrage: „Beischlaf oder Beisetzung? Mehr Sex ist die Lösung.“

Britton (Jahrgang 1958) , der sich auf der Bühne bei seiner schnörkellosen Ein-Mann-Schau vollgeschwitzt abarbeitete wie einst Konstantin Wecker in seinen legendären Dreistunden-Konzerten, ist zumindest die Lösung für einen Auftritt, bei dem man gute Laune sucht. Bezeichnenderweise schloss der Abend so, wie er begonnen hatte: mit „My Generation“, Merksatz: “ Hope I die before, I get old.“ (Hoffentlich sterbe ich, bevor ich alt werde) So, wie er kurz vor seinem Sechzigsten noch drauf ist, bleibt Mark Britton in der deutschen Comedy-Szene wohl noch sehr lange sehr lebendig.

Der Freiburger Kabarettist, Autor und Fotograf Jess Jochimsen spielt am Samstag, 9.Dezember, um 20.30 Uhr sein Weihnachtsprogramm „Vier Kerzen für ein Halleluja“ auf der Adler-Livebühne in Dietmanns. Der feinsinnige und humorvolle Melancholiker werfe dabei einen hochsatirischen Blick auf unsere Gesellschaft, so der Veranstalter. Mit im Gepäck hat er auch sein Krippenspiel.

Kartenvorbestellung unter der Telefonnummer 07564 / 91232.

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