17
Schwäbische.de Schwäbische.de
Wolkig 7
Ulm
Lokales

Drogen und Diebe: Erster Händler macht dicht

Im Zuge der Klagen über Drogenhandel und Kriminalität macht ein erster Laden dicht - In welcher Kategorie Ulm zudem als „gefährlich“ gilt
 Benetton in der Ulmer Bahnhofstraße schließt und verlegt das Geschäft in die Pfauengasse.
Benetton in der Ulmer Bahnhofstraße schließt und verlegt das Geschäft in die Pfauengasse.
Alexander Kaya

Ulm sz Den derzeit im Fadenkreuz der Kritik stehenden Zuständen auf Ulms Einkaufsmeile lässt ein erster Händler jetzt Taten folgen: Die Benetton-Filiale gegenüber Sport-Sohn schließt aufgrund des alkohol- und drogennahen Milieus, das sich seit Beginn der Großbaustelle am Hauptbahnhof nun vermehrt auf der Bahnhofstraße trifft. Wie der Inhaber der Filiale der italienischen Textil-Kette, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, beklagt, vergehe kaum ein Tag, ohne dass fragwürdige Passanten sich ohne zu bezahlen vom Kleiderständer vor der Tür bedienen würden.

Regelmäßig würden zudem „völlig zugedröhnte“ oder „völlig besoffene“ Menschen im Geschäft stehen und rumpöbeln. „Mein Personal hat Angst.“ Nicht nur während, sondern auch nach Ladenschluss: Mit Einbruch der Dunkelheit würden sich „große Gruppen“ junge Männer mit Migrationshintergrund im Bereich des Deutschhaus-Parkhauses treffen und eine gewisse Aggressivität ausstrahlen. Auf Wunsch des Personals seien deswegen die Öffnungszeiten bereits um eine Stunde verkürzt worden. Die Bahnhofstraße habe derzeit ein „Riesenproblem“, so der Benetton-Händler, der seine Filiale in die Pfauengasse verlegt. Dort gebe es derartige Probleme nicht.

Stadt will mehr kontrollieren

Wie ein Heilsversprechen auf eine bessere Zeit wirkt ein meterlanges Banner, das vor der Sedelhöfe-Großbaustelle gegenüber der „Wir schließen“-Fahne von Benetton hängt: „Mehr Stadt. Mehr Zukunft. Mehr Ulm“, ist darauf zu lesen. Auf eine bessere Zukunft setzt notgedrungen der Apotheker Alfred Rohmer, der die „Neue Apotheke“ direkt gegenüber der Sitzrondelle betreibt, auf dem sich, wie berichtet, die Drogendealer treffen sollen. „Die Zeit wird’s richten“, sagt Rohmer. Denn wenn die Baustellen am Bahnhof beendet und die Sedelhöfe fertiggestellt sind, werde sich das problematische Klientel wieder an anderen Orten treffen, so seine Hoffnung.

Einig sind sich die Händler in diesem Teil der Fußgängerzone, dass es seit dem Bau des McDonald-Containers vor vier Jahren mit der oberen Bahnhofstraße bergab gehe. „Klar, der Container wirkt wie eine Blockade“, sagt Henning Krone, der Ulmer Citymanager. Doch mit der Eröffnung der Sedelhöfe in zwei Jahren habe sich das Thema erledigt. Bis dahin müsse die Parole laute: durchhalten.

Den Klagen zahlreicher Händler der Ulmer Innenstadt über eine offene Drogenszene und vermehrte Gewaltdelikte will die Stadtverwaltung wie berichtet mit mehr Kontrollen begegnen. „Wir sind ab sofort verstärkt mit dem kommunalen Ordnungsdienst unterwegs“, sagt Rainer Türke, der Leiter des Ulmer Ordnungsamtes.

In Zusammenarbeit mit der Polizei und der Ulmer City-Werbegemeinschaft werde derzeit geprüft, ob unter Umständen zusätzlich ein privater Sicherheitsdienstleister engagiert werde. Das Ziel: Eine abschreckende Wirkung durch eine dauerhafte Präsenz von uniformierten Kräften. Mehrere Anlieger der Fußgängerzone wie Benetton, Sport-Sohn oder auch der Textilfilialist Peek & Cloppenburg über exorbitant gestiegene Fälle von Ladendiebstählen.

Polizeistatistik gibt keinen Anlass zur Beunruhigung

Ein Anstieg, der sich aus der Statistik der Ulmer Polizei allerdings nicht herauslesen lässt: Die Anzahl der erfassten Ladendiebstahlsdelikte liegt nach Angaben des Präsidiums im Zehnjahresvergleich gleichbleibend bei rund 1000 Delikten im Jahr.

Die Aufklärungsquote habe ebenfalls geringe Schwankungen. Sie liegt laut Polizei zwischen 92,6 und 96,9 Prozent.

Demnach wurden im vergangenen Jahr in Ulm bei 1087 erfassten Ladendiebstählen in Ulm Waren im Wert von über 172 000 Euro gestohlen. Wie allerdings der Deutsche Handelsverband anmerkt, haben solche Zahlen nur wenig mit der Realität zu tun. Der Verband schätzt, dass die Dunkelziffer bei Ladendiebstählen bei mindestens 98 Prozent liegt. Das heißt: Nur zwei von 100 Diebstählen werden angezeigt, der Rest erst bei der Inventur bemerkt.

Wie jüngst das Restposten-Portal shopping.de analysierte, sind Passanten in Ulm überdurchschnittlich im Fadenkreuz von Kriminellen. Anhand von 152 Taschendiebstählen pro 100 000 Einwohner wird Ulm als „gefährlich“ eingestuft. „Gefährlich“ ist allerdings relativ: In Düsseldorf, dem Spitzenreiter, sind es satte 1314 Taschendiebstähle je 100 000 Einwohner. „Wir sind im Grunde eine verwöhnter Standort“, sagt Citymanager Krone. Trotz allen zu Recht angeprangerten Missständen, sei die Ulmer Innenstadt sicher. Doch Ulm müsse aufpassen, dass die Stadt nicht abrutsche. „Aber es passiert was“, sagt Krone im Hinblick auf ein absehbares Ende der Baustellen und die versprochenen vermehrten Kontrollen.

Ihr Kommentar zum Thema
Kommentare (17)
17
Beitrag melden

@16: Wenn es Sie so langweilt, dann halten Sie sich doch raus... Ebenfalls: gääähn...

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
16
Beitrag melden

@14: Leider ist es so, dass in diversen Kommentaren immer wieder von den immer gleichen Aluhütchen-Trägern pauschaliert, verleumdet und gezielt gehetzt wird. Die "Wahrheit" wird grundsätzlich immer so hingedreht wie es das eigene Weltbild erlaubt. Nun sind auf einmal wieder "Lügenmedien" wichtig, wenn diese negative Berichte zum Thema Flüchtlingspolitik bringen wie man es im Kommentar weiter unten sieht. Das ZDF gehört ja angeblich auch zu "Lügenmedien" dazu. Ein weiteres Schlagwort ist das berüchtigte "wir". Man beansprucht grundsätzlich die Mehrheitsmeinung für sich selbst und sein eigenes kleinkariertes Weltbild. Über das Thema wird angeblich geschwiegen, obwohl es seit bald 2 Jahren in nahezu keiner politischen Talkshow um nichts anderes geht. Die AfD wird ja grundsätzlich sowieso nie aufgegriffen, obwohl die Partei in zahlreichen Medien überpräsent ist.

Diese Thema ist mittlerweile so ermüdend und zu Tode diskutiert. Es langweilt nur noch. Gääääähn.... mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
15
Beitrag melden

Was fällt mir zu Deutschland ein ? .... " So lange man lebt , muss man doch leben ! Man kann doch nicht einfach den Puls auf 1/Min herunterfahren wie eine Landschildkröte in der Winterruhe , und geschlossen in Rente treten ! "
Und - lebendiger ist Deutschland ja auch wirklich geworden , nicht zuletzt durch Angela Merkels zahlende Gäste .
Fürwahr , ich werde der Politik unter die Arme greifen und mit 60 in Rente gehen .Diese demographische " Überalterung " ist doch alles nur Humbug und Einbildung .
Bis dahin werde ich wie ein Eichhörnchen privat vorgesorgt haben , und Goldmü..... äh meine Nüsse im Garten vergraben . Gleichwohl werde ich nicht
auf Sozialleistungen verzichten , bis ich mit 67 in den endgültigen Rentenhimmel fahre , um dem Staat die Ehre zu geben . Auch wenn mich in dieser fernen Zukunft die Arbeitsministerin persönlich anruft , und mich anfleht bis 71 zu arbeiten ( "Sie müssen verstehen ...... die Demographie .....es wäre besser ..") - ich werde standhaft bleiben und meine ALDI-Tütensuppe löffeln ! .
Die Industrie 7.9.6. wird bis dahin das real existierende Konsumentenparadies in Europa geschaffen haben , und wir werden von Androiden mit dem APPLE-Logo "gepampert,gefüttert und beglückt" werden . Die Zukunft der Menschheit war noch nie so grossartig wie heute . mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
14
Beitrag melden

@13: Es ist ungeheuerlich, dass Sie hier Leute schon wieder pauschal als "Hetzer" bezeichnen - schämen Sie sich eigentlich nicht?! Setzen Sie sich ins Auto, fahren Sie nach Ulm und sprechen Sie mal mit den Verkäufern und Angestellten was da abgeht! Und dann laufen Sie mal abends um halb elf nach Geschäftsschluß ins Parkhaus oder zum Bahnhof, dann werden Sie schon sehen wie Präsent die Polizei ist... mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
13
Beitrag melden

@11: So, was glauben Sie, ist meine "Gesinnung"? Was rede ich schön? Ulm hat ein Sicherheitsproblem, das sage ich doch deutlich. Auch Sie werden akzeptieren müssen, dass es dazu unterschiedliche Einschätzungen und vielleicht auch unterschiedliche Lösungswege gibt. mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
12
Beitrag melden

Gerade hat der ZDF-Länderspiegel darüber berichtet. Erschreckend und schockierend wie machtlos die Polizei ist. Die aktuelle Lage ist viel schlimmer als wir alle glauben.

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
11
Beitrag melden

@9 Wer wegschaut oder versucht so etwas schön zu reden wird selbst zum Täter! Was für eine Gesinnung dahinter steckt kann man vermuten!

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
10
Beitrag melden

Wie schrieb vor Tagen ein führender Polizist so schön? Wenn man die Leute von der Kripo den Straßenverkehr überwachen lässt sinkt automatisch die Zahl der erfassten Straftaten.

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
9
Beitrag melden

Da sorgen sich wieder einige um unsere Kultur und treten sie doch gleichzeitig mit Füßen. Die Polizei ist präsent und zeigt Präsenz. Ich spüre mit einem r. - Aber letzteres war vielleicht dem Schaum vorm Mund und der inneren Raserei geschuldet?
Und der Torsten Schulte und Kopp-Verlag Liebhaber kriecht auch wieder aus seiner Höhle, wie unterhaltsam.
Ich bin sicher, Ulm wird sein Sicherheitsproblem in den Griff bekommen, vermehrte Polizeipräsenz könnte da wirklich ein sinnvoller Schritt sein. - Hetzen gegen Bevölkerungsgruppen ist sicher weniger zielführend. mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!
8
Beitrag melden

Ist es nicht schön in einem Land, in dem wir gut und gerne leben? Was die "Flüchtliinge" (illegale Einwanderer) uns bringen ist wertvoller als Gold, frohlockte einst Martin Schulz von der SPD. Ob er diese Zustände damit meinte? Oder ist dies das zweite Wirtschaftswunder, wie einst Daimler Vorstand Dieter Zetsche schwärmte? Gehören die LKW-Sperren in der Ulmer Innenstadt ebenfalls zum zweiten Wirtschaftswunder?
Deutschland geht vor die Hunde dank einer untragbaren und unverantwortlichen, ja sogar rechtswidirgen Politik von unfähigen Politikern, die Moral vor Recht stellen, und die Interessen des eigenen Staatsvolkes mit Füßen treten. Finis Germaniae! mehr

Bitte geben Sie den Grund der Meldung ein:

Bitte geben Sie mindestens 10 Zeichen ein!

 
URL: http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Drogen-und-Diebe-Erster-Haendler-macht-dicht-_arid,10767901_toid,351.html
Copyright: Schwäbisch Media Digital GmbH & Co. KG / Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG Drexler, Gessler. Jegliche Veröffentlichung, Vervielfältung und nicht-private Nutzung nur mit schriftlicher Genehmigung.
Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an online@schwaebische.de.