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Die ersten Ulmer „Stolpersteine“ sind gelegt

Aktion des Künstlers Gunter Demnig erinnert an Wohnorte jüdischer Opfer des Nationalsozialismus

Gunter Demnig bei der Arbeit: Die ersten Stolpersteine wurden am Dienstag in Ulm verlegt.
Gunter Demnig bei der Arbeit: Die ersten Stolpersteine wurden am Dienstag in Ulm verlegt.
Kaya

Ulm sz Gunter Demnig arbeitet gewissenhaft: Zuerst bohrt er einen Teil des Gehwegs auf, hebt sorgfältig die Betonstücke aus. Anschließend setzt er einen oder mehrere Steine, auf denen jeweils eine kleine Messingtafel platziert ist, in die freigeschaufelte Fläche des Gehwegs ein. Jeder Stein ist zehn Zentimeter breit, zehn Zentimeter lang und zehn Zentimeter hoch – und steht für ein Menschenleben. Diese so genannten Stolpersteine, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen, gibt es bereits in 800 Städten Deutschlands. Am Dienstag wurden die ersten in Ulm verlegt.

Die Gedenksteine sind die bekannteste Aktion des Künstlers Gunter Demnig. Dass er sie erstmals auch in Ulm gesetzt hat, ist das Verdienst der Bürgerinitiative „Stolpersteine für Ulm“, die sich im Februar vergangenen Jahres gegründet hat. Derzeit hat sie laut Martin König, Sprecher der Initiative, über 110 Mitglieder. 30 bis 40 weitere Unterstützer recherchieren die jeweiligen Lebensgeschichten der Opfer. Wichtig ist der Initiative zudem, die heute lebenden Angehörigen der NS-Opfer mit einzubeziehen.

Kurz nach neun Uhr am Dienstagmorgen setzte Gunter Demnig die allerersten Steine in der Olgastraße. König betonte: „Unser Ziel ist es, jeden einzeln individuell gleich zu würdigen“ – egal, welchen Stein man als Ersten verlegen würde. Insgesamt wurden 14 Stolpersteine an fünf Stellen der Ulmer Innenstadt in den Gehweg eingelassen:

Olgastraße 114: Die Stolpersteine vor diesem Haus stehen für Mitglieder der Familie Frenkel, die zum Teil während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft getötet wurden oder fliehen mussten.

Olgastraße 85: Hier wohnten Ludwig Hecht und seine Frau Rosa. Beide wurden am 19. August 1942 nach Theresienstadt ins Konzentrationslager (KZ) deportiert, wo sie im Januar 1943 starben.

Friedrich-Ebert-Straße 14: Hier erinnern die Gedenksteine an Selma Moos, die 1942 auf dem Weg nach Auschwitz starb, sowie an ihre Söhne Rudolf und Paul Moos.

Herdbruckerstraße 6: Hier wohnte Jonathan Stark. Der Zeuge Jehovas wurde am 1. November 1944 mit 18 Jahren im KZ Sachsenhausen ohne Prozess hingerichtet.

Herdbruckerstraße 8: Die beiden Stolpersteine vor dem Haus stehen für Ludwig und Sofie Levy. Am 22. August 1942 wurde das Ehepaar nach Treblinka deportiert, am 26. September 1942 dort ermordet.

Marktplatz 14 (Herdbruckerstraße): Das ist der ehemalige Wohnort von Lina Einstein, der Cousine Albert Einsteins. Am 22. August 1942 wurde die damals 67-Jährige gemeinsam mit dem Ehepaar Levy deportiert, am 26. September 1942 in Treblinka ermordet.

Angehörige der Opfer dabei

Zum Setzen der Stolpersteine waren Angehörige der Opfer angereist, unter anderem Hannelore Geschmay, älteste Enkelin des Ehepaars Hecht. „Juden wurde damals nicht nur das Leben verboten, sondern auch das Grab in der Erde“, sagte sie und fügte hinzu: „Diese Zeremonie ist eine Erinnerung, die meine Großeltern verdient haben.“

Am Montag, 14. September, sollen zehn weitere Stolpersteine gesetzt werden. Doch nicht nur in Ulm wird Gunter Demnig an diesem Tag Stolpersteine verlegen – sondern zum ersten Mal auch in Neu-Ulm. Wie Mareike Kuch vom Kulturamt der Stadt Neu-Ulm auf Anfrage mitteilte, werden an diesem Termin vormittags etwa zehn Steine an vier Verlegestellen eingelassen. Die Inge-Aicher-Scholl Realschule, die Christoph-Probst-Realschule sowie ein Neu-Ulmer Bürger haben in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Biografien von NS-Opfern recherchiert.

Gunter Demnig wurde 1947 in Berlin geboren und betreibt ein Atelier in Köln. Die Stolpersteine sind die bekannteste Aktion des Künstlers. Es gibt sie inzwischen in 17 Ländern. Die Bürgerinitiative „Stolpersteine für Ulm“ ist auf Spenden angewiesen, ein Stolperstein kostet 120 Euro. Mehr Informationen gibt es im Internet unter:

www.stolpersteine-fuer-ulm.de

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