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„Die Situation gleicht einem Pulverfass“

Kamerunausschuss berichtet von großen Problemen für die englischsprachige Minderheit in Kamerun
Das Schulprojekt „Primary School in Tiko“ wird vom evangelischen Kirchenbezirk Ravensburg unterstützt. Aufgrund der politischen Lage findet dort momentan aber kein Schulbetrieb statt.
Das Schulprojekt „Primary School in Tiko“ wird vom evangelischen Kirchenbezirk Ravensburg unterstützt. Aufgrund der politischen Lage findet dort momentan aber kein Schulbetrieb statt.
Evangelischer Kirchenbezirk

Ravensburg sz Seit 1999 besteht die Partnerschaft zwischen dem Evangelischen Kirchenbezirk Ravensburg und dem Bezirk Fako South im Südwesten von Kamerun. Ein Projekt, das im Rahmen dieser Partnerschaft vom Kamerunausschuss des evangelischen Kirchenbezirks Ravensburg unterstützt wird, ist die Primary School in Tiko. Dort findet im Moment aber kein Schulbetrieb statt. Warum das so ist, erklärt Pfarrer Volker Kühn. Er ist der Vorsitzende des Kamerunausschusses und spricht von großen Problemen in dem Land – insbesondere für die englischsprachige Bevölkerung.

„Die politische Situation ist äußerst angespannt“, berichtet Kühn. Grund hierfür sei die korrupte Regierung des Präsidenten Paul Biya sowie die Unterdrückung der englischsprachigen Minderheit im Land.

Friedliche Demonstrationen

„Diese Familie nimmt das Land aus wie eine Weihnachtsgans“, so Kühn. Der englischsprachige Südwesten Kameruns habe im Oktober symbolisch seine Unabhängigkeit erklärt – mit friedlichen Demonstrationen. Die Antwort der Regierung: Polizeigewalt, Verhaftungen, Erschießungen. Laut Kühn reiche es aus, englischsprachig zu sein, um verfolgt zu werden.

Auch die Schulbildung leide stark unter der politischen Situation. „Viele Schüler verlieren das zweite Schuljahr in Folge“, berichtet Kühn. Denn die Schulen, darunter auch die Primary School in Tiko, werden bestreikt. Ein Schulbetrieb sei deshalb nicht möglich. „Das ist Schade, denn Bildung wäre der Schlüssel, um die Situation dort zu verändern“, so Kühn. Dennoch sei er froh, dass die Schule überhaupt noch stehe, andernorts seien englischsprachige Schulen abgebrannt. „Die Situation gleicht einem Pulverfass und könnte sich auch noch verschlimmern“, fürchtet Kühn.

Zudem sei es schwer, auf den neuesten Stand zu kommen. Der Austausch finde überwiegend über Whatsapp statt. Derzeit ist außerdem eine deutsche Gruppe zu Besuch in Kamerun, auch deren Berichte erwartet Kühn. Aufgrund der aktuellen Situation, sei nicht daran zu denken, Geld in das Land zu schicken. Zu unübersichtlich sei die Lage und zu schwer zu kontrollieren, ob die Gelder für die vorgesehenen Zwecke eingesetzt werden. Deshalb sind die Spenden für das Projekt derzeit geparkt. „An der Partnerschaft halten wir trotzdem fest, dahinter steckt noch viel mehr als das Projekt“, so Kühn.

Für die Zukunft hofft Kühn, dass die Sicherheit für Kinder und Lehrer wieder gewährleistet ist und somit auch eine verlässliche Arbeit an der Schule aufgebaut werden kann. Denn im Moment gehen viele Kinder im Südwesten von Kamerun gar nicht zur Schule. „Wir würden gerne so vieles tun, was gerade nicht möglich ist“, sagt Kühn.

Alle Beiträge der Aktion „Helfen bringt Freude“ finden Sie in einem Online-Dossier unter

www.schwaebische.de/weihnachtsspendenaktion

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