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Die Schwaben wird aufgehübscht

Stuttgarter Architektin Claudia Allmendinger gewinnt Wettbewerb
Sie soll zu Beginn der kommenden Saison eine Besonderheit auf dem Bodensee sein: Die 80 Jahre alte „Schwaben“.
Sie soll zu Beginn der kommenden Saison eine Besonderheit auf dem Bodensee sein: Die 80 Jahre alte „Schwaben“.
Fotos:Siegfried Großkopf

Friedrichshafen sz Auf dem Bodensee wird es ab der Saison 2018 neben der „Hohentwiel“ und der „Sonnenkönigin“ ein weiteres Highlight geben. Nach Plänen der Stuttgarter Architektin Claudia Allmendinger wird die 80 Jahre alte denkmalgeschützte „Schwaben“ für 1,5 Millionen Euro zu einem Stil des Art deco der 1930er Jahre modernisiert. Dem begonnenen Umbau vorausgegangen ist ein Architektenwettbewerb, bei dem vier Bewerber ihre Vorstellungen präsentiert haben.

Mit der Revitalisierung der „Schwaben“ – quer vor der Werfthalle in Friedrichshafen im Wasser liegend – beschreiten die Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) neue Wege. So wird auf dem Schiff mit Heimathafen Lindau unter der Leitung von Projektleiter Alexander Münich bis zum Saisonbeginn im nächsten Jahr ein neues, komfortables und abwechslungsreiches Sitzkonzept umgesetzt sowie eine umfangreiche Medien- und Lichttechnik installiert. Der Geschäftsführer der BSB, Norbert Reuter, kündigte gegenüber der SZ eine anschließend „hohe Aufenthaltsqualität“ und „wertige Ausstattung“ an, die Lust machen werde auf diesem Schiff zu fahren. „Das Schiff wird ein besonderes Produkt werden“, prophezeit Christoph Witte, Leiter Schiffs- und Hafentechnik der BSB.

„Wir wollen das Schiff vermarkten“

An der denkmalgeschützten Außensilhouette des Schiffes wird nichts verändert. Ebenso wenig am Antriebskonzept und der unter Denkmalschutz stehenden Holzvertäfelung des Treppenhauses. Saniert werden alle Fahrgast-Innenbereiche inklusive Toilettenanlagen, komplett erneuert wird auch die Elektrik. Mit dem Denkmalamt ist die Restaurierung in Original Birnbaum-Holz abgestimmt. Das gesamte Schiff erhält neue Böden und Decken, eine neue Innengestaltung in hellen Farben, moderne Technik bis hin zu WLAN und entspricht künftig dem aktuellen Brandschutz. Es wird auf dem Hauptdeck einen Tanzsaal mit erhöhten Sitzen, einem Sofa und einer lounge-artigen Ecke mit offener Bestuhlung geben sowie Lichtinseln mit LED-Technik in allen Sälen, denn, führte Christoph Witte aus, „wir wollen das Schiff vermarkten“. Da 90 Prozent der Einnahmen im Kursverkehr erzielt werden, sollen durch die Umgestaltung nur wenige Fahrgast-Plätze wegfallen.

Die Innenausbauerneuerung wurde europaweit ausgeschrieben, daraus resultierend erfolgte die Beauftragung der Firma Ganter aus Tauberbischofsheim. Daneben sind an dem umfangreichen Projekt mehrere Firmen aus der Bodenseeregion beteiligt.

Die „Schwaben“, 770 Passagiere fassend, wurde in der einstigen Kressbronner Bodanwerft gebaut und 1937 in Dienst gestellt. Sie gilt als Schwesterschiff der im gleichen Jahr fertiggestellten „Karlsruhe“ und zählt trotz ihres hohen Alters zu den stattlichsten Bodenseeschiffen. Im Zweiten Weltkrieg musste das Schiff an die deutsche Kriegsmarine abgetreten werden und war zur Erprobung von Unterwasser-Horchgeräten nach Langenargen verlegt worden.

Ab 1945 war die „Schwaben“ von der französischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und unter dem Namen „St. Corenthin“ im Einsatz. Seit ihrer Freigabe im Jahr 1949 wurde sie wieder unter ihrem alten Namen im Linienverkehr und zu Sonderfahrten eingesetzt.

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