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Die Rock’n’Roll-Familie feiert

Die Weißenhorner Rockodiles begehen ihr 30-jähriges Bestehen in der Fuggerhalle - Erinnerungen werden wach
Spektakulär anzusehen waren die Auftritte der Rockodiles von heute.
Spektakulär anzusehen waren die Auftritte der Rockodiles von heute.
Andreas Brücken

Weißenhorn sz Die ersten Töne von „Skandal im Sperrbezirk“ erklingen in der abgedunkelten Fuggerhalle, Bilder mit Tanzszenen flimmern über die Leinwand über der Bühne und dann kommen sie: die Rock’n’Roller. Die eigens zusammengestellte Jubiläumsband spielt, das Publikum in der Fuggerhalle klatscht im Takt mit, viele haben selbst schon auf dieses Lied der Spider Murphy Gang getanzt und damit Wettkämpfe gewonnen. Denn es ist eines der Lieblingsstücke von Trainer Richard Wieser. Der Mann, der die Rockodiles ins Leben gerufen hat, darf nun mit ihnen feiern. Die Tanzgruppe des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums in Weißenhorn wird 30 Jahre alt. Und in all den Jahren war und ist „Riwi“, wie ihn seine Schüler liebevoll nennen, die Hauptfigur: Er ist – wenn’s drauf ankommt – strenger Lehrer und immer verständnisvoller Trainer. Nicht umsonst sind die Schüler mit Begeisterung zum wöchentlichen Training erschienen, das am freien Nachmittag oder sogar an den Wochenenden stattfand. Wieser, der im Februar in den Ruhestand gehen wird, hält sich an dem Abend im Hintergrund: Er sitzt hinten im Publikum und verfolgt die Jubiläumsshow. Später wird er erzählen, dass er schon etwas aufgeregt gewesen sei.

Es ist ein Abend für die ganze Rock’n’Roll-Familie, ein Abend voller Erinnerungen, voller Emotionen. Die Schüler zeigen auf der Bühne ihr Können, Ehemalige können sich auf den Videos oder in den Erzählungen wiedererkennen und auch die anwesenden Eltern wissen noch, wie sie versucht haben, die aufgeregten Kinder vor Wettkämpfen zu beruhigen.

Bernd Auerhammer, der 1992 am NKG Abi gemacht hat, moderiert die beiden Jubiläumsabende. Und begeistert die Zuschauer mit seiner spontanen und witzigen Art. Die Leute im Publikum merken schnell, dass sie bei einer Tanzveranstaltung zu Gast sind. Der Moderator bringt den zunächst verwunderten Zuschauern zwei Choreografien bei. Da wird mit den Füßen gestampft, geklatscht und sich „geduscht“ – und das alles im bekannten Achteltakt des Rock’n’Roll-Tanzes. Die Leute sind begeistert, vielleicht auch, weil jeder unter den aufmerksamen Augen des Moderators mitmachen muss. So kann nicht allzu viel Melancholie aufkommen, weil Richard Wieser eben bald nicht mehr stilecht im Trainingsanzug in der Turnhalle stehen wird und Tanzfiguren vormacht.

Chef-Krokodil und das Zentrum der Aktivitäten

Stattdessen feiern alle die Geschichte der Rockodiles – die sehr erfolgreich ist. „Das NKG ist überregional als Tanzschule bekannt“, sagt Schulleiter Klaus Schneikart. Und bedankt sich bei Wieser: „Danke, dass Sie so viel für das NKG und die Schüler tun.“ Wieser sei das Chef-Krokodil und das Zentrum der Aktivitäten, es sei schwer, ihn zu ersetzen. Dennoch versuche die Schule, einen Nachfolger zu finden, der den Tanz weiterführt. „Ich hoffe, dass uns das gelingt“, sagt der Schulleiter.

Seit 1987 haben die Rockodiles zahlreiche Titel bei Bezirks- und Landesmeisterschaften gewonnen, 2017 kam der Höhepunkt dazu: Die 10. Klassen holten den Bundestitel. In der Fuggerhalle führen alle Gruppen ihre aktuellen Choreografien vor: Von den 8. Klassen, die noch in T-Shirts und dunklen Hosen tanzen, bis zu den diesjährigen Abiturienten, der „Q 13“, im Wettkampf-Dress. Eine überraschende Einlage bieten ehemalige Schüler der Abijahrgänge 1992 bis 2011. Am unterschiedlichen Tanzstil merkt man die Veränderung, die der Rock ’n’ Roll in den vergangenen Jahren gemacht hat. Und diese wird ohne Zweifel weitergehen, sobald „Riwi“ im Ruhestand ist – in welche Richtung auch immer.

Er selbst sagt bei einem seiner kurzen Aufenthalte auf der Bühne, dass „man am Höhepunkt aufhören muss“. Den vielen Tänzern wird er auf jeden Fall in Erinnerung bleiben. Das verdeutlichen auch die gezeigten Kurzvideos von aktuellen und ehemaligen Schülern mit dem Anfangssatz „Die Rockodiles sind für mich …“. Sie sind nämlich: „ … die schönste Erinnerung an die Schule“, „ … Herr Wieser“, „ … unersetzbar“ oder eben „ … eine Familie“.

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