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Diakonie Pfingstweid entwickelt Masterplan 2030

In den nächsten Jahren sollen auf dem Stammgelände neue Gebäude, aber auch Wohngebiete entstehen

So sieht die Planung der Diakonie Pfingstweid für das Stammgelände im Jahr 2030 aus.
So sieht die Planung der Diakonie Pfingstweid für das Stammgelände im Jahr 2030 aus.
Grafik: Quelle: Diakonie Pfingstweid/Vollack

Pfingstweid sz Etwa 25 Millionen Euro wird die Diakonie Pfingstweid in den nächsten Jahren in ihr Stammgelände und externe Wohngruppen stecken. „Masterplan 2030“ heißt das Projekt. Dabei geht es unter dem Stichwort Inklusion zum einen um die Schaffung externer Wohngruppen, aber auch um die Modernisierung des Hauptgeländes in Pfingstweid. Hier sollen unter anderem neue Gebäude für stationäres Wohnen entstehen und bestehende Gebäude saniert werden.

Hinter dem Begriff Inklusion steckt das politische Konzept der Einbeziehung von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft. Die Idee ist nicht neu, und doch braucht es bei Trägern wie dem Heim Pfingstweid Zeit, das vom Gesetzgeber geforderte Konzept für die Inklusion von Menschen mit Behinderung mit einer konkreten räumlichen und organisatorischen Planung umzusetzen. In geographische Räume übersetzt heißt Inklusion dann üblicherweise Dezentralisierung durch die Schaffung externer Wohngruppen.

Wohngebiet auf Stammgelände

Was das Konzept der Diakonie besonders macht ist, dass nicht nur externe Wohngruppen geschaffen werden sollen, die Menschen mit Behinderung das Zusammenleben mit allen anderen Bürgern einer Gemeinschaft vor Ort ermöglichen. Zugleich plant die Diakonie auch Wohngebäude auf dem eigenen Gelände, möchte also zusätzlich auch Menschen ohne Behinderung auf dem Stammgelände ansiedeln. Mit einer Kindertagesstätte und zugehörigen Spielanlagen sollen dabei auch insbesondere junge Familien angesprochen werden.

„Wir stehen hinter der Dezentralisierung“, sagt Pfingstweid-Vorstand Lars Kehling. Die Diskussion um Teilhabe sei wichtig. Aber: „Die Sozialromantik steht hier teils im Gegensatz zur Realität.“ So werde davon ausgegangen, jeder Mensch mit Behinderung wolle selbstverständlich an der Gesellschaft teilhaben. Doch so mancher, der durchaus befähigt wäre, in externen Wohngruppen zu leben, schätze einfach die gute Versorgung vor Ort. Auch dem müsse man Rechnung tragen. Hier kämen die geplanten Wohngebiete ins Spiel, denn so wolle man „die Gesellschaft hierher holen“. Deswegen müsse man auch zentral Plätze vorhalten.

Grünes Licht vom Technischen Ausschuss

Der Technische Ausschuss der Stadt Tettnang hat bereits grundsätzlich grünes Licht gegeben. Der Weg indes ist noch weit. Ende Juli startet erst einmal die Grundlagenermittlung, erst dann können weitere Bauphasen in Pfingstweid folgen. Auch wenn Finanzvorstand Dirk Mußmann mit Blick auf den Namen „Masterplan 2030“ optimistisch sagt: „Es kann gut sein, dass wir auch erheblich eher so weit sein werden“: Das Jahr 2030 bildet den „Horizont“ der Entwicklung, wie sein Vorstandskollege Kehling es nennt, an dem das Stammgelände in etwa so entwickelt sein soll wie im Nutzungskonzept.

Am Anfang steht allerdings zuerst der Aufbau der externen Wohngruppen. Hier sei die Fertigstellung der Maßnahmen in Sichtweite, sagt Robin Waltner. Er ist zuständig für Strategie und Entwicklung bei der Diakonie Pfingstweid: Der Bezug in Salem soll Ende 2017 stattfinden, ein Jahr später soll die Wohngruppe in der Weinstraße in Tettnang folgen. Im Spätsommer 2019 soll dann Eriskirch dran sein. Derzeit leben 157 Bewohner auf dem Stammgelände in Pfingstweid, 30 wohnen in Außengruppen, etwa weitere 50 werden ambulant betreut.Am Ende soll auf jede Gruppe ein Drittel entfallen, das sind jeweils etwa 90 Plätze zentral, extern und ambulant.

„Gemeinschaftliche Wohnform“

Was das neue Wohngebiet anbelangt, sagt Lars Kehling, wisse er um die Ambivalenz: Zum einen sei es der Wunsch mancher, den Dorfcharakter zu erhalten, auf der anderen Seite gebe es hier eine nicht geringe Weiterentwicklung mit über hundert Wohneinheiten. Letztlich sehe er aber eine Win-Win-Situation: „Das Wachstum finde an der Ortsgrenze statt“, sagt Kehling. Außerdem gebe es schon Infrastruktur wie etwa einen Sportplatz oder parkähnliche Gärten. Die Anlagen könnten sowohl von Menschen mit als auch ohne Behinderung genutzt werden. „Das ist eine gemeinschaftliche Wohnform.“ Angestrebt sei die Schaffung vor allem bezahlbaren Wohnraums.

Diese Idee überzeugte auch beim Förderausschuss: Das Gesamtkonzept wurde wegen der Wohnbebauung auch dort bestätigt, schließlich sind Ersatzneubauten an bestehenden Standorten eher unüblich, heißt das erklärte Ziel doch eigentlich Dezentralisierung.

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