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Wangen im Allgäu
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Der alten Tradition verpflichtet

Altstadt- und Museumsverein hat am Dienstag seinen Nikolausabend gefeiert

Wangen sz Der Altstadt- und Museumsverein (AMV) hat seine Nikolausfeier am Dienstagabend erstmals in der Rochuskapelle abgehalten. Dies auch zum ersten Mal ohne die Klosensänger, die ihrerseits wieder mit ihrem Auftritt in der Spitalstraße an eine einstige Stätte zurückkehrten. Beide Vereinigungen stellten das Leben und die Bedeutung des Heiligen Nikolauses in den Mittelpunkt. Und während der AMV vordergründig die Jüngeren beschenkte, bescherten die Klosensänger mit ihren Altwangenern Liedern den mittleren und älteren Jahrgängen Freude und dem Verein Lichtblick 1235,48 gesammelte Euro.

Sattelkapelle wurde zu eng

Eltern und Großeltern nicht auszuschließen, dies war laut Katharina Blocher vom Altstadt- und Museumsverein der Hauptgrund für die Umsiedlung der inzwischen siebten AMV-Nikolausfeier: „Wir wollten, dass sie dabei sein können. Vor allem die Angehörigen kleinerer Kinder.“ In der Sattelkapelle war dies aus Platzgründen nicht mehr möglich: „Wir haben dort mit 60 Kindern angefangen.“ Am Dienstag waren am Ende alle 140 Schokoladen-Nikoläuse an die teilnehmenden Kinder verteilt. Eine halbe Stunde zuvor war der sehnlichst erwartete Nikolaus eingezogen. Kein Rotgewandeter, sondern ein „echter“ Bischof mit Mitra, Stab, weißem Gewand und einer Stola. Geschichten hatte er mitgebracht und zu erzählen. Jene zum Beispiel, wie Nikolaus Seeleute dazu brachte, ihr Korn zu entladen, die Stadt Myra vor dem Hungertod zu retten und dennoch mit einer vollen Ladung nach Hause zurückzukehren. Lieder werden gesungen, kleine Verse vorgetragen – und selbstverständlich gibt es zum Schluss für die Kinder eine Kleinigkeit zum Nikolausabend. „Wir werden im kommenden Jahr definitiv wieder hier sein“, sagt Katharina Blocher. Ob mit oder ohne Klosensänger, lässt sich derzeit noch nicht sagen.

Die 18 Männer in ihren Lodenmänteln und mit Hut und Laterne ausgestattet haben sich zumindest in diesem Jahr für einen anderen Ablauf entschieden. Neben den traditionellen Besuchen in Gaststätten, Altenheimen, bei alteingesessenen Familien und dem Auftritt auf dem Marktplatz gab es in diesem Jahr auch ein kleines Konzert in der Spitalkirche, bei dem nicht nur die Lieder, sondern auch Nikolaus-Legenden oder Liederläuterungen vorgetragen wurden. „Dort“, sagt Stephan Wiltsche, „waren die Klosensänger zu früheren Zeiten schon.“ Dort wollen sie auch künftig wieder am Kloseabend Station machen. Hubert Heine, der 1949 persönlich erstmals beim Klosesingen mit dabei war, erhielt für seine Verdienste um die alte Wangener Tradition eine Laterne überreicht. Nicht nur in der Spitalkirche zeigten sich die Zuhörer spendenfreudig. Insgesamt kamen im Lauf des Abends 1235,48 Euro zusammen.

Das Wangener Klosensingen

Den Brauch des Klosensingens hat es laut Klosensänger Stephan Wiltsche ursprünglich in vielen Reichsstädten, besonders an Bischofssitzen und in Klöstern gegeben: „Immer verbunden mit einer Schule, an der auch der Choralgesang eingeübt wurde.“ Auch in Wangen zogen Schüler der seit 1329 nachweisbaren Lateinschule und seit 1590 die vier Paternisten-Sängerknaben der Spitalkirche am Vorabend des Festes des Heiligen Nikolaus‘ durch die Gassen und sammelten kleine Gaben.

„Ein klassischer Heischebrauch“, sagt Wiltsche: „Dieser hat sich wohl aus einem Mysterienspiel heraus entwickelt.“ Die Verehrung des Heiligen Nikolaus‘ ist in Wangen schon früh spürbar gewesen. Seine erste Kapelle fand sich im Erdgeschoss des Kirchturms, des so genannten Wendelsteins. Im 15. Jahrhundert ist der Nikolausaltar aus der Stadt herausgenommen worden und fand zur Seelsorge der Leprosen in der nach ihm benannten Nikolauskapelle im Sattel eine neue Heimat. 1934 wurde in der Sattelkapelle heimlich die Nikolausbruderschaft gegründet, die sich als katholische Familienbruderschaft gegen die Nationalsozialisten verstand.

Die sieben heute noch gesungenen Klosenlieder blieben durch mündliche Überlieferung erhalten. Sie sind im 18. und 19. Jahrhundert entstanden und künden von Frömmigkeit und Elternliebe. Für einen Zeitraum von etwa fünf Jahren drohte in Wangen, das alte Brauchtum auszusterben. Anfang der 70er-Jahre nahmen Mitglieder der Wangener Feuerwehr die alte Tradition mit Unterstützung von Hubert Heine wieder auf. (swe)

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