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Bad Wurzach
Lokales

Der Tochter droht die Abschiebung

Die Gesetzeslage könnte eine deutsch-mexikanische Familie auseinanderreißen
Die Familie freut sich über die vielen Menschen, die sich in Unterstützerlisten eingetragen haben (von links): Steven Samuel, Ka
Die Familie freut sich über die vielen Menschen, die sich in Unterstützerlisten eingetragen haben (von links): Steven Samuel, Katia, Vater Reiner, Mutter, Katia und Dominik Marcel.
möllenbrock

Bad Wurzach sl Der mexikanischen Tochter einer Familie im Bad Wurzacher Ortsteil Truschwende droht die Abschiebung. Eigentlich hätte sie sogar schon vergangenen Sonntag, 7. Februar, Deutschland verlassen müssen.

Doch am Freitag, kurz vor Toresschluss also, hat ihr deutscher Stiefvater eine Duldung erreicht, doch diese währt nur die kommenden drei Monate. Ob in diesem Zeitraum eine Entscheidung über den Antrag eine dauerhaften Aufenthaltsberechtigung fällt, ist offen.

„Enorme Belastung“

„Das ist erst einmal ein Zeitgewinn“, sagt Reiner Gorbach. Wirklich freuen kann er sich aber nicht, denn nun heißt es wieder warten, wieder bangen. Der 47-Jährige ist fassungslos und verzweifelt. „Die seelische Belastung derzeit ist schon enorm“, gesteht er. „Mittlerweile fühle ich mich schon richtig krank.“

Seine Geschichte: 1999 ist der gebürtige Memminger nach Mexiko ausgewandert. Dort lernt er Norma Morales kennen, sie verlieben sich und heiraten. Norma bringt zwei Töchter in die Ehe mit ein (Linda, heute 21, und Katia, 20). Zwei gemeinsame Söhne, Dominik Marcel (14) und Steven Samuel (11), komplettieren mittlerweile die Familie. 2013 kehrt Reiner Gorbach nach Deutschland zurück, und natürlich nimmt er seine Familie mit.

Mitglied in der Landjugend

Damit beginnt der Ärger. Denn weil die beiden Stieftöchter älter als 16 Jahre sind, dürfen sie nicht einfach mit ihrer Familie in Deutschland leben. Die ältere kehrt schließlich nach Mexiko zurück, wo sie mittlerweile verheiratet ist. Katia, die jüngere, will bei ihrer Mutter und ihrem Stiefvater bleiben.

Sie hat mittlerweile Freunde gefunden, unter anderem in der Bad Wurzacher Landjugend, in der sie Mitglied ist. Und sie hat sogar eine Lehrstelle als Zahnarzthelferin, die sie im August antreten könnte. Wenn sie denn in Deutschland bleiben darf.

Der Antrag auf Familienzusammenführung indes ist abgelehnt. Nur über eine sogenannte Härtefallregelung hat Katias Stiefvater die auf drei Monate befristete Duldung erreicht. Nun wird noch einmal genau geprüft. „Eineinhalb Jahre kann das dauern“, sagte man mir im Landratsamt Ravensburg“, berichtet er. „Das ist meine Tochter, da gibt’s kein Wenn und Aber. Und eine Familie ist doch das Wichtigste, sie gehört zusammen“, sagt Gorbach über seine Motivation.

Niederlage vor Gericht

Weil dies so ist, wehrte sich der Kundendiensttechniker juristisch gegen die Verweigerung der Aufenthaltsberechtigung. Vergeblich. Der Verwaltungsgerichtshof in Sigmaringen lehnt den Einspruch der Familie ab. „Noch eine Instanz können wir uns einfach nicht leisten“, sagt Reiner Gorbach.

Er startet stattdessen eine Onlinepetition auf change.org, auf der sich mittlerweile mehr als 200 Menschen als Unterstützer eingetragen haben. Und auch in Listen, die in Bad Wurzacher Geschäften ausliegen, haben sich Hunderte eingetragen. „Die Menschen stehen hinter uns, das gibt uns ein gutes Gefühl“, sagt Reiner Gorbach dankbar.

Politiker werden aufmerksam

Von der „Schwäbischen Zeitung“ auf den Fall aufmerksam gemacht, wollen sich nun auch die beiden für Bad Wurzach zuständigen Bundestagsabgeordneten Martin Gerster (SPD) und Josef Rief (CDU) damit befassen. Der scheidende Landtagsabgeordnete Paul Locherer (CDU) rät der Familie, den Petitionsausschuss des Landtags anzurufen und bietet dabei Unterstützung an.

Auch das gibt dem Truschwender Hoffnung, dass sich alles bald zum Guten wenden wird. Viel Kraft schöpfen Gorbach und seine Familie auch aus dem Glauben. „Wir haben Gottvertrauen, legen alles in Gottes Hände. Aus diesem Glauben schöpfen wir unsere Kraft, auch wenn es zurzeit sehr schwer ist.“

Ungewissheit bleibt

Auch Katia Morales selbst ist stark mitgenommen. „Es ist sehr schwer, wenn man nicht weiß, wie es weitergeht“, sagt die 20-Jährige, die derzeit das Land Baden-Württemberg nicht verlassen darf. Aber das ist Papa Reiners geringstes Problem: „Shoppen wir halt in Ravensburg statt in Memmingen.“

Wer die Online-Petition unterschreiben möchte, geht auf www.change.org und sucht nach dem Stichwort „mexikanische Stieftochter“.

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Kommentare (2)
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>>>>Wer die Online-Petition unterschreiben möchte, geht auf www.change.org und sucht nach dem Stichwort „mexikanische Stieftochter“.>>>>> Die Stichwortsuche funktioniert leider nicht. Hier das mehr

Link zur Petition: https://www.change.org/p/deutsche-landrats%C3%A4mter-ravensburg-meine-mexikanische-stieftochter-soll-aus-deutschland-abgeschoben-werden oder auch : http://chn.ge/1KbMeVp

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Typisch Beamten ! Die letzten Monate hat Merkel konsequent gegen euorpäisches Recht verstoßen und jetzt plötzlich beruft man sich auf das GESETZ ! Schlicht eine Frechheit !

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