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Der Reichsapfel fällt mit dem ersten Schuss

Mit Dominik Wintermantel ist wieder ein Landsknecht Schützenkönig – Dem Troko bleiben Zepter, Kopf und Krone

Ravensburg sxd Rutendienstag, 14.33 Uhr. Der Fahnenschwinger Dominik Wintermantel ist der erste Schütze, der beim Adlerschießen in den Schießstand tritt. Traditionell gebührt den Landsknechten der erste Schuss. Das Murmeln in der Zuschauermenge wird langsam leiser, nur vereinzelt sind Schreie vom nahen Rummel zu hören. Wintermantel setzt die Armbrust an, zielt sehr sorgfältig, drückt ab – und der Reichsapfel fällt.

Um 14.34 Uhr ist der neue Schützenkönig gefunden. Die Zuschauer Jubeln, die Landsknechte stürmen den Schießstand, wuchten ihren Schützenkönig auf die Schultern und tragen ihn auf den blauen Platz. Minutenlang wird das Schießen unterbrochen, während Wintermantel gefeiert wird. Der frisch gebackene Schützenkönig strahlt über das ganze Gesicht, reckt den Reichsapfel gen Himmel und ruft „Das ist der Hammer!“.

Mädchen seit zehn Jahren dabei

Insgesamt 618 Schützinnen und 816 Schützen haben gestern Nachmittag beim Adlerschießen der Gymnasiasten teilgenommen. Für die Gymnasiastinnen ein besonderes Datum: Seit 2003 und damit in diesem Jahr zum zehnten Mal durften sie am Schießen teilnehmen. Doch die Sensation, die Dominik Wintermantel durch seinen frühen Treffer erzielte, konnte keiner der nachfolgenden Schützen übertreffen.

Sein Treffer muss den Fahnenschwinger mit besonderem Stolz erfüllen: Bereits im vergangenen Jahr nahm er am Adlerschießen teil, damals noch als Trommler der Landsknechte. Allerdings musste er auf dem Schießstand seine eigene Armbrust abgeben – die Sehne war zu stark gespannt. Vermutlich hatte sich ihre Beschaffenheit durch die Hitze verändert. Wintermantel bekam eine andere Armbrust – und schoss daneben. Schützenkönig wurde in diesem Jahr Moritz Gihring vom Trommlerkorps. Gihring beendete damit die neunjährige Siegesserie der Landsknechte. Bei den Landsknechten rollten daraufhin die Tränen.

Schützenglück liegt in der Familie

Doch trotz dieses Vorfalls scheint das Schützenglück bei den Wintermantels in der Familie zu liegen. Bereits im Jahr 2005 schoss Dominiks älterer Bruder beim Probeschießen – ebenfalls als erster Schütze – den Reichsapfel, konnte seinen Erfolg aber beim Adlerschießen nicht wiederholen. Der Stolz auf ihren Sohn ist der Mutter ins Gesicht geschrieben: „Ich bin ganz aufgeregt und glücklich“, erzählt Angelika Wintermantel „Aber ich habe mir das schon gedacht, dass er dieses Jahr Schützenkönig wird.“

Trokos holen drei Insignien

Doch auch die Trokos gehen nicht leer aus – sie holen sich nach und nach die restlichen Insignien. Nachdem die Landsknechte nach ihrem großen Anfangserfolg nur noch eine Hauptfeder holen konnten (Jan Cargiet), bleiben sie ohne weitere Treffer. Es bleibt also ein reich ausstaffierter Adler stehen, als der Trommlerkorps in den Schießstand darf. Bei den Trokos holen Stefan Spieß und Marco Wagner je eine Hauptfeder. Dann prallt der Bolzen von Adrian Gihring ans Zepter, doch es will nicht fallen. Ein raunen geht durch die Reihen der Zuschauer. Sein Bruder, Moritz Gihring, wurde im vergangenen Jahr Schützenkönig.

Mehr Glück hat Silvan Gmeinder: Um 15.11 Uhr schießt er Kopf und Krone. Wenig später holt Kornelius Löffler das Zepter. Jetzt ist es an den Trokos zu jubeln: Sie stürmen den Platz, tragen Gmeinder auf Händen und rufen immer wieder: „Drei zu eins!“. Denn auch wenn ein Landsknecht jetzt Schützenkönig ist, ein bisschen fühlen sich die Trokos auch wie Sieger, da sie alle anderen Insignien geschossen haben. Rutenhauptmann Benedikt Blattner gibt dann auch zu: „Klar ist es eine Befriedigung, dass wir dem Adler gleich drei Insignien entreißen konnten.“ Klar ist aber auch, dass der Trommlerkorps 2013 wieder den Schützenkönig stellen will.

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