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Der Orgelherbst beginnt abwechslungsreich

Gerhard Gnann ist mit dem Eröffnungskonzert in St. Nikolaus zu Gast
Gerhard Gnann spielt in St. Nikolaus Werke von Messiaen, Bach und Rachmaninov.
Gerhard Gnann spielt in St. Nikolaus Werke von Messiaen, Bach und Rachmaninov.
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Friedrichshafen sz Seit Jahren gehört der Orgelherbst in Friedrichshafen fest zum Jahresablauf der Kirchenmusik. Den Auftakt dazu gab in diesem Jahr der preisgekrönte Organist Gerhard Gnann mit dem Eröffnungskonzert in der St. Nikolaus Kirche in Friedrichshafen am Sonntagabend.

Der mehrfach bei internationalen Wettbewerben und auch mit Schallplattenpreisen ausgezeichnete Musiker aus Bad Buchau spielte an diesem Abend ein sehr abwechslungsreiches Programm mit Stücken von Olivier Messiaen, Johann Sebastian Bach, Sergej Rachmaninov, Felix Mendessohn Bartholdy, Wolfgang Amadeus Mozart und Eugène Gigout. Doch ehe er zu spielen begann, griff er zum Mikrofon, um die Anwesenden zu begrüßen und einige Erklärungen zum Programm abzugeben. Olivier Messiaen ist nämlich „für Ohren, die das nicht gewohnt sind, extrem“. Dass Gnann je ein Stück von ihm an den Anfang und das Ende des Konzerts gesetzt hatte, lag daran, dass 2017 das 25. Todesjahr des Komponisten ist. In einer normalen Messe würde er ihn nicht spielen.

Als er sich dann an die Orgel setzte und loslegte, zeigte sich, dass seine Erläuterung, man könnte fast sagen Warnung, durchaus gerechtfertigt gewesen war. Für Zuhörer ohne Musikstudium waren die dissonanten, oft sehr lang anhaltenden und dann wieder durch sehr lange Pausen unterbrochenen Töne wahrscheinlich kein Hochgenuss. Besonders, wenn sehr laute, hohe Klänge mit knallharten Einsätzen das Trommelfell malträtierten.

Manch einer atmete sicher erleichtert auf, als der gute alte Bach an der Reihe war. Kraftvoll, wie man ihn kennt, jedoch keines seiner überbordenden Stücke. Bei Rachmaninow wurde es dann ruhiger und gemessen, während Bartholdy mit einer bisweilen fast spitzbübischen Leichtigkeit gespielt wurde. Gigout bot den fröhlichsten Teil des Programms, und seine Musik klang wie ein Lächeln durch den Kirchenraum.

Diese im Stil so verschiedenen Komponisten aus gänzlich unterschiedlichen Epochen offenbarten eine der großen Stärken der bekannten Woehl-Orgel in St. Nikolaus, nämlich ihre sehr hohe Wandelbarkeit. Aber auch dieser Orgel sind Grenzen gesetzt. Für Mozarts Stück musste Gnann das Instrument wechseln und die Orgelempore verlassen. Mozart hat nämlich zwar selbst auf vielen Orgeln gespielt, es sind von ihm aber keine Kompositionen für diese Instrumente erhalten. So nahm der Organist für dieses Spiel vor dem Altar an einer Truhenorgel Platz. Jetzt erfüllten viel leichtere und zartere Klänge die Kirche, kein Wunder, da das Werk das „Schlafzimmer der Grazien“ untermalen sollte.

Das gut besuchte Konzert wurde vom Publikum mit regem und anhaltendem Applaus belohnt, der sich nach der fröhlichen und verspielten Zugabe noch einmal steigerte.

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