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Lindau (Bodensee)
Lokales

Das Neue darf das Alte nicht wegwischen

Verein Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum kritisert Planungen für die Hintere Insel

In einer Erläuterungsskizze hat der Verein Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum auf Grundlage des Wettbewerbssiegers die fehlenden historischen Bezüge herausgearbeitet. In Grau sind mögliche neue Gebäude dargestellt, gelb stellen Verkehrsflächen dar, grün sind Grünflächen gezeichnet. Durchgezogene Linien zeigen nach wie vor betriebsfähige Gleise, Strichlinien stellen symbolische Gleise dar. Im Gebäude A stellt sich der Verein die Hauptstelle des Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseums Lindau vor. In Gebäuden B, C,
In einer Erläuterungsskizze hat der Verein Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum auf Grundlage des Wettbewerbssiegers die fehlenden historischen Bezüge herausgearbeitet. In Grau sind mögliche neue Gebäude dargestellt, gelb stellen Verkehrsflächen dar,
Skizze: Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum Lindau

Lindau-Insel lz Der Verein Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum Lindau fürchtet, dass beim geplanten Umbau der Hinteren Insel wichtige Zeugnisse der Stadtgeschichte verlorengehen. Denn das Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs berücksichtige nicht die historische Bedeutung des Ensembles von Inselbahnhof und Seehafen. Das kritisiert der Verein in einer Pressemitteilung.

Der Verein vermisst in den vorgelegten Planungen historische Bezüge. Die in den 1850er Jahren angelegte und in den 1920er Jahren weiter entwickelte Hafen-Bahnhof-Anlage war für die wirtschaftliche, soziale und touristische Entwicklung der Insel Lindau im 19.Jahrhundert bis Mitte des 20. Jahrhunderts von epochaler Bedeutung. So hat das Königreich Bayern den Inselbahnhof bewusst am Seehafen angelegt, um eine optimale Verknüpfung der damals modernsten und leistungsfähigsten Verkehrsträger Eisenbahn und Schifffahrt zu ermöglichen. Gleichzeitig zum Bau des Bahnhofs wurde der Seehafen nach Planungen des Architekten und bayerischen Baubeamten Eduard Rüber erweitert und modernisiert.

Bahnhof und Seehafen sind wesentliche Orte für Lindau

Die Verladung von Eisenbahnwaggons auf Trajektschiffe war für damalige Verhältnisse im wahrsten Sinne des Wortes bahnbrechend, ersparte es doch das zeitraubende händische Verladen von Stück- und Massengütern. Eine weitere Verbesserung ergab sich mit dem zwischen 1913 und 1921 direkt am Hafen errichteten Neubau des Bahnhofsgebäudes, wodurch die Reisenden bequem und gefahrlos zwischen Schiff und Bahn umsteigen konnten. Am Bodensee hatte die Stadt Lindau damit einen der leistungsfähigsten Verkehrsknotenpunkte. „Bahnhof und Seehafen sind wesentliche Orte für die Identität Lindaus. Nicht umsonst stehen alle aus dieser Zeit noch vorhandenen Gebäude unter Denkmalschutz“, schreibt der Verein.

Die nunmehr angedachte massive Überbauung der Bahnflächen ignoriere die historische Bedeutung der Verkehrsanlage. Die Ensemblewirkung der Bahngebäude werde durch Neubauten zerstört, die historischen Gebäude und Anlagen stünden „zusammenhangslos“ im neu geplanten Stadtgefüge. Der Verein fordert, das „attraktive Bahnhofsgebäude“ sollte wie die Luitpoldkaserne freigestellt bleiben. Wenn die Planung umgesetzt werde, wäre die frühere funktionelle Verbindung zwischen Bahnhof und Seehafen nicht mehr erkennbar, niemand könnte die damaligen betriebstechnischen Abläufe nachvollziehen. Der Verlust der räumlich-funktionellen Zusammenhänge mindere aber massiv den Wert der denkmalgeschützten Gebäude.

Planer sollen geschichtliche Bezüge berücksichtigen

Der Verein Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum Lindau fordert die verantwortlichen Planer und Entscheidungsträger deshalb auf, die historische Bedeutung der Verkehrsanlage Inselbahnhof-Seehafen in die Planungen einzuarbeiten. „Es geht nicht darum, jegliche Bebauung zu verhindern“, heißt es in der Pressemitteilung. „Und selbstverständlich dürfen nicht mehr benötigte Verkehrsflächen städtebaulich neu interpretiert werden.“ Jedoch dürfe das Neue das Alte nicht einfach beiseite wischen. Die historischen Verkehrsstrukturen, die über 150 Jahre maßgeblich für die Entwicklung der Inselstadt Lindau waren, sollten respektiert werden und weiterhin erlebbar sein. Sorge des Vereins: „Eine Stadt, die sich ihrer Geschichte nicht bewusst ist, verliert ihre Identität.“

Der Verein informiert im Internet über Ziele, Inhalte und das Museumskonzept sowie über die aktuelle Vereinsarbeit unter der Adresse

www.s3-6.de

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