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Darum ist Tuttlingen nicht untergegangen

Passanten bestaunen am 6. Januar bei Wolterdingen den Abfluss des Regenrückhaltebeckens.
Passanten bestaunen am 6. Januar bei Wolterdingen den Abfluss des Regenrückhaltebeckens.
DPA

Tuttlingen sz So richtig hoch ist das Hochwasser in Tuttlingen am Wochenende nicht geworden – was maßgeblich daran liegt, dass das Wasser gar nicht so weit kam. Seit 2012 gibt es ein Hochwasserrückhaltebecken in Wolterdingen, einem Ortsteil von Donaueschingen. Dort wurde am Wochenende das Wasser der Breg, einem Donauzufluss, aufgehalten. Dorothea Hecht hat beim Betriebsleiter des Beckens, Lothar Wäschle vom Flussbaubetriebshof Donaueschingen, nachgefragt.

War das aktuelle Hochwasser der erste große Test für das Rückhaltebecken?

Das kann man so nicht sagen. In Betrieb war das Rückhaltebecken schon öfter. Aber tatsächlich war es das bisher größte Hochwasser, also auch die größte Wassermenge, die zurückgehalten werden musste. Das hat gut funktioniert, das Becken ist für ein hundertjähriges Hochwasser ausgelegt. In den vergangenen Tagen hatten wir ein 50-jähriges.

Wie funktioniert das Ganze?

Es gibt einen Damm, durch den das Wasser der Breg normalerweise abfließt. Wenn aber mehr als 45 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch diesen Durchlass fließen, wird ein Alarm ausgelöst. Bei 75 Kubikmetern Wasser pro Sekunde werden die Schütztafeln geschlossen. Das heißt, diese 75 Kubikmeter Wasser kommen weiterhin durch, alles darüber hinaus wird aber zurückgehalten.

Einer unserer Leser war am Donnerstag in Wolterdingen, um sich die Funktionsweise vor Ort anzusehen. Da stand in Immendingen und Möhringen schon das Hochwasser, der Durchlass war aber noch komplett offen. Warum?

Weil die Wassermenge, eben jene 75 Kubikmeter, noch nicht erreicht hat. Das war erst am Donnerstagabend der Fall. Zwischen 20 und 21 Uhr haben wir mit dem Drosseln des Wassers angefangen.

Bis wann war das Wasser gestaut?

In der Nacht von Samstag auf Sonntag lief das Becken wieder leer. Das Wasser ist jetzt also komplett abgelaufen.

Was wäre in Tuttlingen passiert, wenn Sie das Wasser nicht zurückgehalten hätten?

Wolterdingen und die weiter flussabwärts liegenden Orte hätten sicherlich Schaden genommen, also auch Tuttlingen. Das Rückhaltebecken wirkt sich bis hinter Sigmaringen, genauer genommen bis Hundersingen, aus. Für mich zeigt das wieder, dass es eine richtige Entscheidung war, das Becken zu bauen.

Beim Rückstau wird im Breg-Tal hinter Wolterdingen auch eine Landstraße überflutet. Nimmt sie keinen Schaden?

Die Straße ist vom Unterbau her dafür ausgelegt, der Wassermenge standzuhalten. Wir werden die Straße aber noch besichtigen, um festzustellen, ob es Schäden gab.

Info: Das Hochwasserrückhaltebecken wurde zwischen 2006 und 2012 gebaut, um den Hochwasserschutz an der Breg und der Donau zu verbessern. Anlass war das Hochwasser von 1990. Bei Wolterdingen wurde dabei ein 460 Meter langer und 18 Meter hoher Staudamm errichtet. Selbst ein Hochwasser, wie es nur alle 100 Jahre auftritt, soll damit keine Chance mehr haben, Schäden anzurichten. Der mögliche Stauinhalt des Beckens beträgt 4,7 Millionen Kubikmeter. Am vergangenen Freitag war das Becken zur Hälfte gefüllt. Der Bau des Beckens kostete 23 Millionen Euro. 23 Kommunen entlang der Donau beteiligten sich finanziell, 70 Prozent der Bausumme übernahm das Land. (dh)

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