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Christen und Muslime feiern gemeinsam

Sechs Kirchen und zwei Moscheen laden zur „Nacht der offenen Gotteshäuser” ein
Christen und Muslime feiern gemeinsam

Tuttlingen sz Am Freitag, 11. Mai, können die Tuttlinger ihre Gotteshäuser von einer ganz neuen Seite kennenlernen. Mit dabei sind auch zwei Moscheen der Stadt.

Osman Sanverdi hat schon so einige Fragen über den Islam gestellt bekommen. „Warum die Frauen Kopftücher tragen, warum wir fünfmal am Tag beten und so weiter”, erzählt der stellvertretende Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Gemeinde Tuttlingen. Einmal habe ihn ein Koran-Kundiger sogar in ein Fachgespräch verwickelt. Ob es sich nun um reine Neugierde oder tiefergehendes Interesse handelt, am Freitag sind alle Fragen erlaubt. Dann lädt die muslimische Gemeinde gemeinsam mit katholischen, evangelischen, baptistischen und methodistischen Kirchen zur „Nacht der offenen Gotteshäuser” ein.

Die Idee zur gemeinsamen Veranstaltungsnacht stammt vom Arbeitskreis Christliche Kirche. Sie sei während einer Delegiertenversammlung entstanden und gleich gut angekommen, sagt Dekan Matthias Koschar. „Die Ökumene ist uns sehr wichtig”, sagt er. „Deshalb sind wir immer offen für Veranstaltungen, in denen sich verschiedene Religionen begegnen und ins Gespräch kommen.”

Duisburg war Vorbild

Vorbild für die Nacht ist eine Veranstaltung in Duisburg, die erstmals vor zwei Jahren stattfand. Mehr als 60 Kirchen, Moscheen und Gotteshäuser beteiligten sich. In Tuttlingen falle die Aktion selbstverständlich etwas kleiner aus, meint Koschar, aber nicht weniger kreativ: Gemeindemitglieder von sechs Kirchen und zwei Moscheen laden die Besucher zu künstlerischen, meditativen und liturgischen Begegnungen ein.

Die evangelische Gemeinde öffnet nur die Pforten der Stadtkirche. „Wir haben festgestellt, dass die Kirche ein großer Anziehungspunkt für die Menschen in der Stadt ist”, erklärt Pfarrer Jens Junginger. Ähnlich wie bei der Tuttlinger Nachtkultour im September 2011, bei der Museen, Behörden, Bildungseinrichtungen und Institutionen zu Veranstaltungen eingeladen hatten, hofft er auf ein buntes Publikum. Besucher aller Glaubensrichtungen könnten so ins Gespräch kommen und den Austausch unter den Religionen fördern.

Gegenüber der Bevölkerung öffnen

Ähnliches wünscht sich Osman Sanverdi: „Da wir eine neue Moschee in der Stadt bauen möchten, ist es uns wichtig, uns gegenüber der Bevölkerung zu öffnen. Die Nacht ist da eine gute Gelegenheit”, sagt er.

Wer möchte, kann am Freitag auch nach außen zeigen, welche Einrichtungen er besucht hat: In jedem Gotteshaus bekommen die Besucher ein andersfarbiges Knicklicht, das sie am Handgelenk tragen können. Die Idee dahinter ist klar: „Bunt soll es sein, eben wie die verschiedenen Religionen”, sagt Matthias Koschar.

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