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Bürkle kandidiert 2018 nicht mehr fürs Bürgermeisteramt

Bürgermeister sucht „neue berufliche Orientierung“ – Bad Wurzacher wählen voraussichtlich im April

Bad Wurzach sz/sl Roland Bürkle wird im kommenden Frühjahr nicht mehr zur Wahl als Bürgermeister der Stadt Bad Wurzach antreten. Das teilte die Stadtverwaltung am Dienstagvormittag mit. Die vorab informierten Stadträte und Ortsvorsteher nahmen diese Entscheidung Bürkles mit Bedauern auf.

Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, da er Bad Wurzach auch viel verdanke, wird der CDU-Politiker in der Pressemitteilung zitiert. Er wolle allerdings mit 53 Jahren und nach mehr als 25 Jahren im Amt des Bürgermeisters noch einmal eine neue berufliche Orientierung annehmen. Vor seinen nun fast 16 Jahren in Bad Wurzach war Bürkle Bürgermeister in Fronreute.

„Überrascht und etwas traurig“ ist Karl-Heinz Buschle, der seit 28 Jahren für die Freien Wähler im Gemeinderat sitzt. „Wir hätten uns eine erneute Kandidatur hervorragend vorstellen können“, bedauert Stadtrat Berthold Kibler, der als Ortsvereinsvorsitzender der CDU auch Parteifreund des Bürgermeisters ist. Von einer persönlichen Entscheidung, die man akzeptieren muss, spricht Michael Thum von der Ratsfraktion Mir Wurzacher. Bürkle hinterlasse ein gut aufgestelltes „Städtchen“, anerkennt er.

Wahlen im April 2018

Da die Amtsperiode von Bürgermeister Bürkle turnusgemäß zum 15. Juli 2018 endet, werden laut den gesetzlichen Bestimmungen voraussichtlich Mitte oder Ende April kommenden Jahres Neuwahlen stattfinden, teilt die Verwaltung mit. Endgültiges werde der Gemeinderat in seiner Sitzung vom 4. Dezember entscheiden.

Für Bürkle sei klar gewesen, dass er vor der Festlegung des Wahltermins eine Aussage zu seiner eigenen Entscheidung treffen musste. „Gefreut hat mich in den letzten Monaten schon, dass mir gegenüber immer wieder die Hoffnung auf eine erneute Kandidatur geäußert wurde“, so Bürkle. Er fühle nach knapp 16 Jahren in der Gemeinde eine tiefe Verbundenheit zu den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort.

„Ernsthafte Gedanken gemacht“

Zudem habe er in Bad Wurzach mit einem entscheidungs- und konsensfähigen Gemeinderat, einer überaus motivierten Verwaltung und einer nicht nur im Ehrenamt sehr engagierten Bürgerschaft zuletzt in vielen Punkten sehr gute Bedingungen gehabt. „Nachdem es mit 53 Jahren aber voraussichtlich meine letzte größere berufliche Entscheidung sein wird, musste ich mir hier schon ernsthafte Gedanken machen“, wird Bürkle in der Pressemitteilung zitiert.

In den vergangenen Wochen und Monaten sei in ihm immer stärker der Wunsch gewachsen, noch einmal eine neue Herausforderung zu suchen. „Demokratie bedeutet immer, Verantwortung auf gewisse Zeit zu übernehmen. Aus meiner Sicht ist daher auch die Zeit gekommen, die Verantwortung für das Bürgermeisteramt weiterzugeben.“

Amtsübergabe im Juli

Bis zur Amtsübergabe Mitte nächsten Jahres würden dabei in Bad Wurzach wie schon in den vergangenen Jahren noch zahlreiche Entscheidungen anstehen. „Mein Anspruch ist es, bis zum letzten Tag so zu arbeiten, als würde ich weiterhin noch die nächsten zehn Jahre Bürgermeister in Bad Wurzach sein. Ich werde meinen Teil dazu beitragen, dass dies gemeinsam mit Gemeinderat, Verwaltung und Bürgerschaft gelingen kann.“

Stimmen aus der Kommunalpolitik

In ersten Stellungnahmen äußern sich Bad Wurzacher Kommunalpolitiker bedauernd zur Entscheidung von Roland Bürkle, bei der Bürgermeisterwahl 2018 nicht mehr anzutreten.

„Die CDU hat es mit Bedauern aufgenommen, wir akzeptieren aber Roland Bürkles Entscheidung“, sagte Berthold Kibler, Ortsvorsitzender der Partei. Er zieht im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ eine positive Bilanz von Bürkles Amtszeit, spricht von „16 erfolgreichen Jahren“. Daher hätten sich die Bad Wurzacher Christdemokraten „eine erneute Kandidatur hervorragend vorstellen können“.

„Eine Persönlichkeitswahl“

Kibler hofft, „dass Bad Wurzach so attraktiv ist, dass sich nun gute Bewerber für die Nachfolge finden“. Auch seine Partei werde „die Augen offen“ halten, kündigt er an. Er betont aber auch, dass die Bürgermeisterwahl in einer Stadt wie Bad Wurzach eine Persönlichkeitswahl sei, Parteipolitik oder -zugehörigkeit also keine Rolle spiele.

„Wir bedauern, dass Herr Bürkle nicht mehr zur Wahl antreten wird“, so Armin Willburger, Fraktionssprecher der Freien Wähler im Gemeinderat. „Persönlich habe ich mit der Entscheidung von Herrn Bürkle so gut wie gerechnet, mein Wunsch war seine Entscheidung nicht.“ Menschlich sei seine Entscheidung verständlich. „Wenn er etwas anderes machen möchte, hat er jetzt mit seiner Erfahrung und seinem Alter die besten Voraussetzungen dazu.“

„Nicht an jeder Ecke“

Die Freien Wähler hätten nun die Hoffnung, „dass sich gute Leute bewerben und dann ein guter Mann oder eine gute Frau folgt, um die Aufgaben, die die Zukunft bringt, meistern zu können“. Ihnen sei aber, so Willburger, klar, „gute Bürgermeister nicht an jeder Ecke herumstehen“.

„Roland Bürkle hat viel geleistet und viel erreicht“, zieht Karl-Heinz Buschle eine erste Bilanz. Er sitzt seit 1989 für die Freien Wähler im Gemeinderat und ist damit dort der wohl dienstälteste Stadtrat. „Ich finde es schade für die Stadt, bin sehr überrascht und etwas traurig, denn ich schätze Roland Bürkle.“

„Wir sind gut aufgestellt im Städtchen“

Von einer „konstruktiven und produktiven Zusammenarbeit“ spricht Michael Thum, Fraktionssprecher der Mir Wurzacher, die seit der Kommunalwahl 2014 im Rat vertreten sind. „Von dem, was Roland Bürkle hinterlässt, ist ziemlich viel auf einem guten Weg. Wir sind gut aufgestellt im Städtchen.“ Bürkles persönliche Entscheidung müsse man gleichwohl akzeptieren und nun „auf adäquate Nachfolgekandidaten hoffen“.

„Wir Ortsvorsteher haben damit gerechnet, dass er weitermacht“, so der Eintürner Berthold Leupolz, gemeinsam mit dem Ziegelbacher Alfons Reichle dienstältester Ortsvorsteher der Großgemeinde (seit 1999). Bürkle sei immer um einen Ausgleich zwischen Stadt und Land bemüht gewesen. Es sei ihm gelungen „alle Orte zu beachten und Stück um Stück voranzubringen“. Dabei sei Bürkle zwar ein „harter Verhandlungspartner gewesen, aber auch einer, den man mit guten Argumenten auch überzeugen konnte“.

„Gebührt Hochachtung“

Leupolz lobt auch ausdrücklich, dass Roland Bürkle von Beginn seiner Amtszeit an regelmäßige Dienstbesprechungen mit den Ortsvorsteher abgehalten hat und zusätzlich ein- oder zweimal im Jahr an Ortschaftsratssitzungen teilgenommen hat. „Dafür gebührt ihm Hochachtung. Das gibt es so in kaum einer anderen Gemeinde.“

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