Schwäbische.de Schwäbische.de
Heiter 3
Biberach an der Riß
Lokales

Botschaft aus den Sixities verhallt ungehört

Der schottische Sänger Donovan gastierte in der Biberacher Stadthalle
Troubadour in psychedelischem Licht: Donovan beim Konzert in der Biberacher Stadthalle.
Troubadour in psychedelischem Licht: Donovan beim Konzert in der Biberacher Stadthalle.
Helmut Schönecker

Biberach sz Die lebende Singer-Songwriter-Legende Donovan hat mit einem „Best of“-Programm unter dem Motto „Songs of the Ocean“ die Herzen seiner Fans gerührt. Sie waren am Sonntagabend aus ganz Süddeutschland zahlreich und erwartungsvoll in die Biberacher Stadthalle gekommen.

In schummriges Dämmerlicht getaucht, konnten sie einer Art „Götterdämmerung“ beiwohnen. Die alten Lieder des schottischen Liedermacher-Urgesteins, sie zogen noch, sind mittlerweile zu zeitlosen Evergreens geworden, finden sich gar im Kanon erhaltungswürdigen Liedguts in einschlägigen Schul- und Liederbüchern wieder. Der „verlorene Sohn der 60er-Jahre“ konnte jedoch in Biberach künstlerisch nicht rundum begeistern.

Der alte Barde, mittlerweile in seinem siebten Lebensjahrzehnt angekommen, erzählte und sang im Gestus des Troubadours seinem Publikum von der guten alten Zeit, als er noch Millionen von Platten verkaufte und als Ikone einer neuen, psychedelischen Ära mit kosmischem Bewusstsein galt. Donovan stand und steht wie kein anderer für die zentralen Anliegen der Sixties. Er gab im Grunde genommen in der Biberacher Stadthalle eine Geschichtsstunde als Zeitzeuge, illustriert mit seinen wichtigsten Songs und angereichert mit den alten Geschichten über seine nicht weniger berühmten Freunde: die Beatles, Bob Dylan, Brian Jones, Jimmy Page und viele andere.

Ein alter Weiser oder weiser Alter, der aus der Fülle seiner Lebenserfahrungen heraus erkannt hat, dass es der Gegenwart vor allem an einem mangelt: Es gibt heute keine Visionen, Utopien, Träume mehr von einer besseren Welt. Der materielle Wohlstand, vor allem der westlichen Welt, die grenzenlose Gier nach Macht und Geld, verstellt den Blick auf die innere Dimension der Transzendenz, dem besonders auch von der Musik vermittelten Zustand zwischen Schlafen, Wachen und Träumen, dem meditativen, vierten Weg in die innere Mitte, zur höheren Erkenntnis, zu Zufriedenheit und Glück in einer intakten Welt.

Dies war unverkennbar Donovans Botschaft an seine immer noch zahlreichen Fans und diese ist, dem artigen Beifall nach zu urteilen, wohl auch so angekommen. Flokatiteppich, Yogasitz, seine alte Akustikgitarre mit Vintage-Röhrenverstärker, die psychedelische Beleuchtung und die farblich korrespondierende Bekleidung Donovans in einem als „Sit-In“ inszenierten „Konzert“ waren die äußeren Symbole, die Musik deren Seele.

Jugendliche Strahlkraft ist dahin

Die übermittelte Botschaft war gleichwohl nicht nur nostalgisch. Der „Sunshine Superman“ und „Universal Soldier“ der 60er-Jahre fand sich im Titelsong zu Disneys „Atlantis“ im 21. Jahrhundert wieder, ebenso als guter Onkel in der Serie „Futurama“ und mit seinem wunderbaren „Mellow Yellow“ bei den Minions. Seine wunderschöne Stimme und die Strahlkraft seiner Jugendjahre sind allerdings unwiderruflich dahin, seine Bühnenpräsenz trägt kaum mehr über die volle Distanz und seine fast schon verzweifelt anmutende Botschaft an die Leute von heute verhallt wohl weitgehend ungehört.

Auch wenn die endlose Schlange der Autogrammjäger und Devotionalienkäufer nach dem Konzert noch einen Funken Hoffnung lässt, scheint die Textzeile aus seinem „Donna, donna“ über das hilflose Kälbchen, das zur Schlachtbank geführt wird, während hoch über ihm die Schwalbe ihr Schicksal selbst bestimmt, seine Desillusionierung zu bekräftigen.

Ihr Kommentar zum Thema

 
URL: http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Botschaft-aus-den-Sixities-verhallt-ungehoert-_arid,10635128_toid,112.html
Copyright: Schwäbisch Media Digital GmbH & Co. KG / Schwäbischer Verlag GmbH & Co. KG Drexler, Gessler. Jegliche Veröffentlichung, Vervielfältung und nicht-private Nutzung nur mit schriftlicher Genehmigung.
Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an online@schwaebische.de.