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Ochsenhausen
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Bildung soll aus der Armut helfen

Ochsenhauser Verein engagiert sich seit mehr als 35 Jahren für Menschen in Burkina Faso
Der Ochsenhauser Verein „Piéla-Bilanga“ hat mehrere Schulen in den Dörfern gebaut, damit Kinder nicht nur Bildung erhalten, sondern auch einen möglichst kurzen Schulweg haben.
Der Ochsenhauser Verein „Piéla-Bilanga“ hat mehrere Schulen in den Dörfern gebaut, damit Kinder nicht nur Bildung erhalten, sondern auch einen möglichst kurzen Schulweg haben.
Erwin Wiest

Ochsenhausen sz „Wenn viele kleine Leute in vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, kann dies die Welt verändern“ – diesem afrikanischen Sprichwort hat sich der Ochsenhauser Förderverein „Piéla-Bilanga“ verschrieben. Seit mehr als 35 Jahren leisten die rund 275 Mitglieder Entwicklungsarbeit in Burkina Faso. Die SZ-Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ unterstützt den Verein, der mit den Spenden unter anderem den Bau weiterer Schulen ermöglichen möchte.

„Bildung ist der Schlüssel für ein besseres Leben“, sagt der Vorsitzende Erwin Wiest. „Wer die Sprache nicht beherrscht, kann nicht lesen und nichts verstehen. Ohne Bildung ist man abgeschnitten.“ Er selbst ist von Beginn an mit dabei, reist mit weiteren Mitgliedern regelmäßig in den westafrikanischen Staat mit etwa 18 Millionen Einwohnern: „Unsere Zusammenarbeit mit den Menschen ist partnerschaftliches, nachhaltig und direkt. Durch unsere Besuche und Gespräche mit unseren afrikanischen Freunden machen wir uns ein Bild davon, was geleistet wurde und was noch zu tun ist.“

Vor Kurzem war er erneut in dem Gebiet, in welchem der Verein Projekte in der Bildung wie Grundschulen, Sekundarschulen und Lycées initiierte. In der Region gibt es keine Bodenschätze, die Landwirtschaft ist wenig produktiv und das Pro-Kopf-Einkommen minimal, wie Wiest schildert. „Mit einer Analphabetenquote von 70 bis 80 Prozent gehört Burkina Faso zu den ärmsten Ländern der Welt.“ Jetzt könnte sich die Situation sogar noch verschlimmern, wegen zu geringer Regenmengen droht eine Hungersnot. 10000 Euro stellten die Mitglieder während ihrer Reise als Sofortmaßnahme zur Verfügung, damit die Betroffenen überhaupt noch eine Möglichkeit haben, sich die überteuerten Lebensmittel kaufen zu können.

Ländlich strukturierte Region

Der Ochsenhauser Verein ist in zwei Regionen aktiv: in Piéla und in Bilanga. „Dort sind die Menschen noch mal ein Stück ärmer“, so Wiest. „Beides sind ländlich strukturierte Regionen, ähnlich wie der Landkreis Biberach.“ Dort konnten bislang 25 Primarschulen der Stufen eins bis sechs mit jeweils drei Klassenzimmern gebaut werden. Dazu gehört unter anderem auch die Ausstattung mit Schulküche, Lehrerwohnungen, Latrinen, Schulgarten und einem Brunnen für sauberes Wasser. „Wir wollen die Schulen nach einem guten Standard bauen“, erläutert Wiest das Konzept. Hauptsächlich würden die Schulen in den Dörfern entstehen, damit Kinder keinen allzu weiten Weg haben. Insgesamt 7500 Schüler besuchen die Primarschulen im Moment.

Zudem engagiert sich der Verein für eine bessere Wasserversorgung der Stadt Piéla und beim Bau eines Lycées. Bei Letzterem handelt es sich um eine Sekundarschule der Klassen elf bis 13 mit dem Abschluss „BAC-Abitur“. Rund 900 Schüler besuchen die Einrichtung. Auch eine Haushaltsschule für 120 Mädchen unterstützt der Förderverein. Momentan befindet sich eine weitere Sekundarschule für etwa 300 Kinder genauso im Bau wie eine weitere Primarschule. Mit den Spenden aus der SZ-Weihnachtsaktion soll darüber hinaus die Mädchenschule erweitert und mehrere, kleinere Projekte unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ finanziert werden. Sollten genügend Spenden zusammenkommen, gibt es weitere Wünsche: Sanierungen und Erweiterungen von Schulen, der Anschluss des Lycées an das öffentliche Stromnetz sowie eine Krankenstation in Bilanga.

Seit 1982 hat der Verein Projekte in Höhe von 3,5 Millionen Euro umgesetzt. Rund die Hälfte der Summe stammt aus Eigenmitteln. Beim Weihnachtsmarkt in Ochsenhausen verkaufen die Mitglieder beispielsweise Batikkarten. Zudem erhält der Verein durch Spenden von Zahngold über Zahnarztpraxen und die jährliche Mango-Aktion Geld. Die andere Hälfte der Summe kommt durch die Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Zusammenarbeit und Entwicklung zustande: „Wir erhalten öffentliche Mittel und vervielfachen damit jeden Spenden-Euro.“

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