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Biberach an der Riß
Lokales

Biberacher flieht vor Hurrikan Irma

Manuel Lang lebt mit Frau Abby und Hund Oakley in Florida – Wegen der Naturgewalt verlassen sie vorübergehend ihr Zuhause
Manuel Lang mit seiner Frau Abby und Familienhund Oakley.
Manuel Lang mit seiner Frau Abby und Familienhund Oakley.
Privat

Biberach sz Sonne satt und im Winter um die 25 Grad: Der Biberacher Manuel Lang lebt seit 2015 im Sunshine-State Florida, genauer gesagt in Sarasota am Golf von Mexiko. Zuvor verbrachten der 29-Jährige und seine Frau Abby ein Jahr in Ohio: „Ich bin der Liebe wegen ausgewandert. Natürlich vermisse ich Biberach, vor allem Familie und Freunde.“ Den Schritt über den großen Teich hat er nicht bereut – auch nicht am Wochenende, als er wegen des Hurrikans Irma fliehen musste.

Zurzeit ist in Amerika Hurrikan-Saison. Immer wieder ziehen die zerstörerischen, tropischen Wirbelstürme über Festland, so wie kürzlich Harvey und jetzt Irma. „In der Gegend, in der wir leben, hatten wir bislang immer Glück, nicht direkt von einem Hurrikan getroffen worden zu sein“, sagt der Auswanderer. Doch bei Irma scheint alles anders zu sein: „Nachdem wir mitbekommen haben, dass sich Irma ein bisschen mehr nach Westen gedreht hat, haben wir beschlossen, uns auf den Weg zu machen. Wir sind zu der Familie meiner Frau nach Ohio gefahren.“

Glück im Unglück

So wie es am Montag aussah, hatte Sarasota Glück im Unglück: „Die Sturmflut im Nachhinein ist eher gefährlicher. Wir hoffen, dass das Wasser nicht zu hoch sein wird. Es sollte aber nicht allzu schlimm sein, da sich das Auge des Hurrikans auf Höhe Sarasota mehr ins Inland bewegt hat.“ Das Bangen ist aber noch nicht vorbei – das Haus könnte unter Wasser stehen und verwüstet worden sein. „Wir werden die Nachrichten weiter verfolgen“, sagt der Auswanderer. Sobald sich die Lage beruhigt hat, wollen er und seine Frau wieder nach Florida fahren. „Da der Sturm nach Georgia weiterzieht, müssen wir leider noch abwarten. Tornados können jetzt noch eine gefährliche Rolle spielen“, erläutert Manuel Lang die Beweggründe, noch ein wenig in Ohio zu bleiben.

Ohio ist für ihn kein unbekanntes Pflaster. Ein Jahr lang war der Bundesstaat im Norden der USA sein Zuhause. Im April 2014 zog es das Paar von Biberach aus rund 7000 Kilometer westwärts. „Meine Frau hat ihren Bachelor als Logopädin absolviert und ist daher von der englischen Sprache sehr abhängig, was ihre beruflichen Perspektiven angeht. Das war einer der Gründe, aus Biberach wegzugehen“, so Manuel Lang, der mit seiner Frau eineinhalb Jahre lang in der Engelgasse in Biberach wohnte. Anfangs wollten sie noch halbwegs in der Gegend bleiben – Österreich oder die Schweiz fassten sie als neue Heimat ins Auge.

Hochzeit am Strand von Florida

Doch dann kam der Gedanke auf, nach Kalifornien zu gehen. Wenn schon weggehen, dann aber richtig – so lautete das Motto der beiden. Letztlich fiel die Wahl auf Ohio, auch weil dort Abbys Familie lebt: „Es war eine gute Entscheidung, dort zu starten. Ihre Familie hat uns den Start in Amerika sehr erleichtert. Kalifornien wären drei Schritte zu viel gewesen.“ Damals heirateten sie auch gleich, damit es Manuel Lang mit dem Beantragen der Greencard einfacher hatte: „Natürlich machte es mir die Hochzeit leichter, aber die Heirat war aus Liebe. Wir wollen unsere Zukunft gemeinsam gestalten.“ Das Ja-Wort gaben sie sich in Florida, also in jenem Bundesstaat, in dem sie dann im Jahr 2015 sesshaft wurden.

In Florida wohnen sie in einem Haus nur wenige Autominuten vom Strand entfernt. „Die Menschen hier sind sehr offen. Mitten auf der Straße kommt man miteinander ins Gespräch“, schildert der 29-Jährige. Das liege nicht nur am Wetter – meistens scheint in Florida die Sonne – sondern auch daran, dass jeder glücklich darüber sei, in dem Bundesstaat leben zu dürfen. Kinder hat das Paar bislang nicht, dafür aber einen Hund namens Oakley. Der Auswanderer arbeitet in der IT-Branche.

Begeisterter Fußballer

In seiner Freizeit trainiert er ein Fußballteam mit 15-jährigen Kindern. „Fußball wird in Amerika immer populärer“, sagt er. Klar, Football sei weiterhin das Nonplusultra in den USA. Aber immer mehr Menschen interessierten sich auch für den Fußball: „Es ist ein Vorurteil, dass Amerikaner mit Fußball überhaupt nichts am Hut haben.“ Die Amerikaner können kicken: „Und ehrlich gesagt war ich überrascht davon, wie gut sie das können.“ Er habe in seiner Mannschaft, neben seiner Funktion als Trainer spielt er auch selbst, immer großen Spaß.

Nach Hause, also nach Biberach, kommt er im Schnitt zweimal pro Jahr. „Meine Familie und meine Freunde sind die besten“, sagt er. Sein nächster Besuch wird vielleicht an Weihnachten sein, falls nicht, dann im kommenden Jahr: „Der Biberacher Christkindles-Markt ist schon was schönes.“ Und auch ein Schützenfest fehlt in Sarasota. In diesem Jahr schaffte es er terminlich zwar nicht. Aber 2018 soll es wieder klappen: „So ist zumindest unser Plan.“

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Kommentare (6)
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Ein Bekannter aus Mochenwangen hat aus sicherer Entfernung auf Hawaii einen Vulkanausbruch live gesehen.
Das gehört auch in die Zeitung.

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Im übrigen ist das Auge des Hurrikan, wenn es denn ins Landesinnere zieht, nicht wichtig. Das Drumrum ist die Hölle !!!

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Toll, dass sie weit weg fahren konnten, um sich in Sicherheit zu bringen. Die Menschen auf Kuba, DomRep, Haiti, St. Martin, Barbuda usw. konnten das nicht. Die sind in den Medien bereits vergessen. Im übrigen strotzt der Bericht vor SELBSTDARSTELLUNG. Was hat das mit diesem schrecklichen Ereignis zu tun? mehr

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Ich war bei Hurrikan Andrew in Homestead FL. Muß 1992 oder 1993 gewesen sein. Da wird im viel Zirkus gemacht. Die Schneiße eines solchen Wirbels ist nicht sehr breit, sorgt aber für Schaden extrem, jedoch sehr lokal. Wenige Meter daneben fallen nicht einmal die Orangen vom Baum. Lustig ist es nicht, daher auch nicht wichtig sich deshalb ablichten zu lassen und den großen Max machen.

 

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel über Manuel Lang ist im Rahmen unserer Serie "Rausg'schmeckt" entstanden. In der "Schwäbischen Zeitung" Lokalausgabe Biberach stellen wir derzeit Menschen vor, die ausgewandert sind. Nicht Manuel Lang hat uns angeschrieben, sondern wir ihn! Deshalb sind Kommentare wie "Wichtigtuer", "großen Max machen" oder "Selbstdarstellung" völlig unangebracht.
Daniel Häfele, SZ Biberach mehr

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...genau das gleiche habe ich mir beim Lesen auch gedacht....

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Immer wenn irgendwo auf der Welt ein Sack Reis umfällt, gibt es immer einen Wichtigtuer, der daneben stand und über sich selbst berichten muß.
Interessiert keine S..

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