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Biber setzt Plantagen unter Wasser

Riedheimer Landwirte sind über den Baumeister verärgert – Landratsamt sucht Lösung

Markdorf sz Sechs Landwirte und ein Biberbau: Im Teilort Riedheim erschwert die Baukunst des Nagetiers Obstbauern zunehmend die Arbeit. Sie befürchten wegen der Staunässe Schäden auf ihren Anbauflächen und fordern vom Landratsamt eine Lösung.

Seit dem Frühjahr beobachten die Landwirte, dass das Wasser in den Gräben an den Obstplantagen nicht mehr abläuft. Auf rund drei Kilometern Länge steht das Wasser, nach intensiven Regenfällen tritt es auch übers Ufer und setzt die Obstplantagen unter Wasser. Dem Problem sind die Riedheimer rasch auf die Spur gekommen. An der Brunnisaach hat ein Biber sich eingerichtet, mehrere Dämme gebaut. Dadurch staut sich dauerhaft das Wasser und bereitet den Landwirten erhebliche Sorgen.

Ständige Feuchtigkeit schadet den Pflanzen

„Wir haben hier Tonboden, der saugt sich voll und wir können nicht mehr darauf arbeiten. Außerdem ersticken die Pflanzen durch die ständige Feuchtigkeit“, berichtet Anton Brielmayer. Der Obstbauer befürchtet, dass schon jetzt rund 15 Prozent seiner Pflanzen auf einer betroffenen Fläche abgestorben sind. Auf dem rund einen Hektar großen Areal stehen 3500 Bäume, umgerechnet entsprechen 15 Prozent einem Schaden von mehr als 3600 Euro. „Da ist der Zeitwert aber noch gar nicht eingerechnet“, sagt Brielmayer. Die Fläche habe er vor rund zwei Jahren neu angelegt. Im ersten Jahr wuchsen die Pflanzen noch gut. „In diesem Jahr hätten sie 40 Zentimeter wachsen müssen. Aufgrund der ständigen Feuchtigkeit war es aber nur die Hälfte“, sagt Brielmayer. Auf den Kosten bleibe er sitzen, das sei nicht gerecht. Das sieht auch Kollege Edwin Gehweiler so. „Wir Landwirte können nicht immer die Leidtragenden des Umwelt- und Naturschutzes sein“, sagt Gehweiler.

Der Biber ist in Deutschland besonders und streng geschützt. Dies ist sowohl im Bundesnaturschutzgesetz als auch in der übergeordneten europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie festgeschrieben. Verboten ist damit ein Stören, Verfolgen, Fangen, Verletzen und Töten von Bibern. Auch seine Bauten dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden. Dadurch sind den Landwirten die Hände gebunden. Mit ihrer Sorge wandten sich die Riedheimer daher ans Landratsamt. Dort versucht ein Biberbeauftragter einen Kompromiss auszuarbeiten. Möglicherweise könnte der Graben umgeleitet werden. „Technisch ist das aber nicht ganz einfach und auch eine angrenzende ehemalige Deponie muss berücksichtigt werden. Das benötigt alles noch etwas Zeit“, sagt Robert Schwarz, Sprecher des Landratsamtes Bodenseekreis, auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“. Für die Riedheimer Obstbauern steht zumindest fest: „Wir lassen nicht locker, denn sonst breitet sich das Problem noch weiter aus und wir müssen mit einem Totalausfall rechnen“, sagt Landwirt Christian Keßler.

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