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Besucherrekord im Baienfurter Hallenbad

40-jähriges Bestehen – Vor fünf Jahren rettete Genossenschaft das Bad vor der Schließung

Sind stolz auf die „Power“ der Genossenschaft: die Vorstandsmitglieder Erich Brauchle (Betriebsleiter), Sini Dorka-Napp, Agnes Müller und Arthur Pfau (von links).
Sind stolz auf die „Power“ der Genossenschaft: die Vorstandsmitglieder Erich Brauchle (Betriebsleiter), Sini Dorka-Napp, Agnes Müller und Arthur Pfau (von links).
privat

Baienfurt sz Vor sechs Jahren stand es kurz vor der Schließung. Heute verzeichnet das Baienfurter Hallenbad Rekordbesucherzahlen. Auf die Fahnen schreiben könne sich diesen Erfolg engagierte Bürger, die das Bad seit fünf Jahren ehrenamtlich am Laufen halten. Das Baienfurter Bad ist das einzige in Baden-Württemberg, das von einer Genossenschaft betrieben wird – und feiert heuer sein 40-jähriges Bestehen.

Es gibt Menschen, in deren Leben das Baienfurter Hallenbad eine ziemlich große Rolle spielt. Agnes Müller zum Beispiel, Mitglied der örtlichen DLRG-Gruppe, hat jahrelang ihre Montage dort verbracht. Sogar ihren Mann hat sie im Bad kennengelernt. Als sie im Oktober 2010 erfuhr, dass die Gemeinde das Schwimmbad zumachen wollte, „bin ich aus allen Wolken gefallen“, erinnert sie sich. Hintergrund war damals die Schließung der Papierfabrik. Dadurch fielen Gewerbesteuer für die Gemeinde weg, und im Rathaus wurde über mögliche Sparmaßnahmen nachgedacht.

„Das war eine große Power“

Die DLRG-Ortsgruppe und weitere Bürger wollten das Bad erhalten und gründeten 2011 einen Förderverein. „Wir hatten ganz schnell 450 Mitglieder – das war eine große Power“, berichtet Sini Dorka-Napp, deren Tochter damals auch beim DLRG aktiv war. Sini Dorka-Napp und ihr Mann brachten dann auch eine Anregung aus ihrer Heimatstadt Nörten-Hardenberg in der Nähe von Göttingen mit: Dort gab es eines der ersten genossenschaftlich betriebenen Hallenbäder Deutschlands. Die Idee zündete auch in Baienfurt – und so wurde das erste Genossenschaftsbad in Baden-Württemberg aus der Taufe gehoben.

„Geschraubt wie ein Verrückter“

Damit war das Bad gerettet: Die neu gegründete Genossenschaft pachtete es von der Gemeinde und ist seither Betreiber des Hallenbads. Ausgaben für Personal, Pacht, Versicherung und kleinere Reparaturen werden finanziert durch Eintrittsgelder, Kursgebühren und Nutzungsgebühren von Schulen und Vereinen. Die Gemeinde kommt für Gebäude und Technik auf und zahlt einen Zuschuss, der Förderverein ermöglicht Anschaffungen wie zum Beispiel Spielgeräte.

Als das Hallenbad im März 2013 nach einer Sanierung Wiedereröffnung feierte, sprühten die ehrenamtlich engagierten Genossenschaftsmitglieder vor Tatendrang. Sie organisierten Schwimm- und Fitnesskurse und überlegten, mit welchen Aktionen man wieder mehr Besucher ins Bad locken konnte. „Wir haben das Bad voll in die Präsenz gebracht“, sagt Sini Dorka-Napp, die heute zusammen mit Agnes Müller im Vorstand der Genossenschaft tätig ist. Betriebsleiter Erich Brauchle erinnert sich an die Aufbauarbeit: „Ich hab gemerkt, dass die Leute hinter dem Bad stehen und geschraubt wie ein Verrückter.“ Durch seine Idee, statt der Warmbadetage die Temperatur generell leicht zu erhöhen, sparte der Betrieb einiges an Stromkosten ein.

Dass ihr Konzept ankommt, merken die engagierten Bürger an den Rekord-Besucherzahlen: „Wir haben erstmals mehr als 70 000 Badegäste im Jahr gezählt“, sagt Sini Dorka-Napp – und ist ein bisschen stolz: „Wir haben gezeigt, dass man was bewegen kann.“ Grund zum Feiern: Im Oktober soll es zum 40. Geburtstag des Baienfurter Hallenbads eine Party geben.

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Großes Kompliment an die Baienfurter Bürger. Eine tolle Leistung. Und über 70.000 Besucher sind ein wahrlich beeindruckende Hausnummer. Die Genossenschaften übernehmen offensichtlich nach und nach entscheidende Bauwerke und Einrichtungen: In Baienfurt ist es das Hallenbad. In Leutkirch das Bahnhofsgebäude. In Isny soll die Appretur durch eine Genossenschaft wiederbelebt werden. In Michelwinnanden ist es der Dorfladen. Und wahrscheinlich gibt es deren Beispiele mehr. Bleibt abzuwarten wann die Genossen die Rathäuser übernehmen. :) mehr

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