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Bergsportgeschäft schließt seine Pforten

„Outdoor Unlimited“ in Gunningen kann Wettbewerb nicht mehr standhalten
Am 10. Juni ist für immer Schluss: Stefan Trinkner, Tom und „Bambam“ (von links) vom Bergsportgeschäft „Outdoor Unlimited“ in Gunningen bedanken sich bei ihren treuen Stammkunden.
Am 10. Juni ist für immer Schluss: Stefan Trinkner, Tom und „Bambam“ (von links) vom Bergsportgeschäft „Outdoor Unlimited“ in Gunningen bedanken sich bei ihren treuen Stammkunden.
sabine Krauss

Gunningen sz Wären die vielen Kunden, die in den vergangenen Tagen das Bergsportfachgeschäft „Outdoor Unlimited“ in Gunningen aufgesucht haben, regelmäßig über die vergangenen Jahre verteilt gekommen, dann hätte die Geschichte des Geschäfts wohl einen anderen Verlauf genommen. Nun läuft bis zum 10. Juni der Räumungsverkauf, bevor für immer Schluss ist: Inhaber Stefan Trinkner hat sich entschieden, sein Geschäft zu schließen.

Funktionsjacken, Wanderhosen, Bergstiefel, Eispickel, Karabiner, Klettergurte, Ski: Alles rund um die Welt der Berge hatte der 200 Quadratmeter große Laden an der Gunninger Rathausstraße im Repertoire. Mehrere Faktoren sind es, die Trink-ner nun zur endgültigen Geschäftsaufgabe zwingen. „Die geografische Lage ist schwierig“, verweist der 50-jährige Inhaber darauf, dass Gunningen nun mal keine Metropole ist. Zwar zentral zwischen Tuttlingen, Rottweil, Villingen-Schwenningen und Bad Dürrheim gelegen, fehlt die Laufkundschaft – und manch einem Kunden war der Weg nach Gunningen dann doch zu weit.

Und auch ein anderes Problem ist es, das sich in den vergangenen Jahren immer deutlicher zeigte: die Konkurrenz des Online-Handels. „Wir sind immer mehr zur Probierstube geworden“, sagt Trinkner. Häufig seien Kunden ins Geschäft gekommen, um anzuprobieren, aber nicht, um zu kaufen. „Oft hat man dann gesehen, dass sie bereits draußen auf dem Parkplatz das Smartphone in der Hand hatten“, erzählt er.

Verbittert ist Trinkner angesichts dieser Entwicklung nicht. „Ich bedauere natürlich schon, dass unser Traditionsgeschäft im Wettbewerb nicht mithalten konnte“, sagt er. Umso größer fällt deshalb sein Dank gegenüber denjenigen aus, denen der Weg nach Gunningen nicht zu weit war. „Ich möchte mich vor allem bei unserer tollen Stammkundschaft bedanken, die uns über viele Jahre die Treue gehalten und uns ihr Vertrauen geschenkt“, so Trinkner. „Viele von ihnen waren in den vergangenen Tagen sehr berührt und traurig, dass wir nun schließen.“

Räumungsverkauf bis 10. Juni

Ein schlechtes Gewissen haben, in den Tagen bis zum 10. Juni ins „Outdoor Unlimited“ zu kommen, müsse man aber keinesfalls, versichert der Inhaber. „Was mir jetzt noch hilft, ist, so viele Artikel wie möglich loszubekommen, da ja mein Kapital darin steckt.“

Stefan Trinkner hatte im Juni 2004 das Bergsportgeschäft übernommen, das im Herbst 1993 von seinem Freund und Kletterpartner Bastel Haller gegründet worden war. Haller, leidenschaftlicher Bergsteiger und Kletterer, war im Sommer 2003 tödlich in Peru verunglückt. Sein Traum war es immer gewesen, ein eigenes Bergsportgeschäft zu besitzen, das gleichzeitig auch ein Treffpunkt der Bergsteigerszene sein sollte.

Ein schwarzes Jahr erlebte die Bergsteigerszene der Region, als mehrere ihrer erfahrenen Bergsteiger tödlich verunglückten. Der Gründer des Bergsportgeschäfts „Outdoor Unlimited“, Bastel Haller, kam am 21. Juli 2003 ums Leben, als sich bei der Besteigung des Alpamayos (Peru) kurz unterhalb des Gipfelgrats eine Eislawine löste. Sieben Bergsteiger, die sich beim Aufstieg befanden, wurden mit in die Tiefe gerissen. Auch ein weiterer Bergsteiger, noch im Seil hängend, überlebte die Lawine nicht. Vier der acht Todesopfer stammten aus der Region: Bastel Haller (Aldingen), Manfred Held (Wurmlingen), Ferdinand Stehle (Renquishausen) und Wolfgang Gaulinger (gebürtig aus Schramberg). Ein weiterer Tuttlinger Kletterer, Stefan Weber, hatte seine Teilnahme an der Peru-Expedition aufgrund eines Konzertauftritts abgesagt. Wenige Monate nach dem Alpamayo-Unglück kam er bei einem Absturz während eines Kletterurlaubs in Südfrankreich ums Leben.

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