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Berge von Müll ärgern die Tuttlinger

Schmutzecken rund um Container ärgert Tuttlinger – Stadt will Standorte überprüfen
Hinter den Altglas- und Altkleidercontainern an der Liptinger Straße wird seit Jahren Müll wild abgelagert.
Hinter den Altglas- und Altkleidercontainern an der Liptinger Straße wird seit Jahren Müll wild abgelagert.
privat

Tuttlingen sz Umwelt, Naturschutz, Aussicht, Naherholungsgebiet: Blaue Fahnen der Stadt Tuttlingen an der Stockacher Straße preisen den Honberg mit diesen Worten an. Für Fritz Lange ist das eine Farce. „Das passt nicht zusammen“, empört er sich über die Imagekampagne. Diese habe mit der Wirklichkeit nämlich nichts zu tun.

Beim Blick hinter die Kleider- und Altglascontainer an der nahen Liptinger Straße ist von Naturschutz wirklich nichts zu erkennen. Und mit der Erholung ist es bei dem Tuttlinger auch längst vorbei. „Das ist eine Frechheit“, schimpft Lange, der bei seinen Joggingrunden immer wieder an der Stelle vorbeiläuft. Seit Jahren werde dort „bergeweise Müll abgeladen“. Mit einem alten Teppich, einer Kinderwippe, einer Wellplatte aus Acrylglas, Körben und Eimern haben Mitbürger die Umgebung verdreckt. Dieses Mal ist die Umweltverschmutzung noch verhältnismäßig gering. Fritz erzählt, dass bereits Matratzen, Plastikdächer und gesamte Möbelladungen abgeladen und gestapelt worden waren. „Die müssen doch nachts autoweise angefahren werden“, mutmaßt er.

Müllentsorgung ist teuer

Zwar werde die Stelle immer wieder gesäubert. Anschließend dauere es aber nicht lange, bis sich der Müll wieder hinter den Containern häuft. „Das ist erschreckend und passiert seit Jahren. Scheinbar ist auch niemand in der Lage, das wirklich abzuschaffen“, moniert Lange. Die wilde Müllablagerung zu verhindern, sei schwierig, heißt es von der Polizei. Schließlich müsse man den Täter schon erwischen. Und weil sich die Anwohner nur selten mit Hinweisen melden, wenn gerade Müll abgeladen wird, so Polizeisprecher Harri Frank, könnten die Ordnungskräfte letztlich nur die Verunreinigung feststellen und anschließend den Entsorger informieren. Zuvor wird der Unrat aber noch durchsucht. Manchmal mit Erfolg. Frank sagt: „Wir haben im Müll schon Hinweise auf den Verursacher gefunden.“ Dann könnte dieser herangezogen werden. In den meisten Fällen bliebe aber der Entsorger auf den Kosten sitzen, sagt der Polizeisprecher.

Und der Abtransport sei kostenintensiv, erklärt Uwe Neumann, Leiter des Fachbereichs Tiefbau bei der Stadt Tuttlingen. Ein Fahrzeug mit zwei Personen müsse mit dem Fahrzeug den Müll abholen und dann zum Wertstoffhof oder gar zur Deponie nach Talheim fahren. „Da kommt einiges zusammen“, sagt Neumann.

Zwar hätten die Betreiber der Altglas- oder Altkleidercontainer eine Reninigungspflicht. Diese bezieht sich aber nur auf die Gegenstände, die in den Containern auch entsorgt werden sollen. Sollte der Altkleidercontainer bereits vollständig gefüllt sein und weitere Anziehsachen würden daneben in Taschen abgestellt, würde der zuständige Betreiber diese dann auch mitnehmen. Für den Müll könne der Betreiber allerdings nicht haftbar gemacht werden, erklärt Neumann.

Die „Schmutzecken“ rund um die Container sind längst in den Fokus der Stadt geraten. Weil Pachtverträge mit den Betreibern auslaufen und die Stadt ein neues Konzept verfolgt, werden die Standorte überprüft. Gut möglich scheint, dass Bereiche, die bisher häufig zum Abladen von Unrat genutzt werden, bald nicht mehr durch Container abgedeckt werden.

Ob die Tatsache, dass die Umweltverschmutzer beim Müllabladen beobachtet werden können, dazu führt, dass die Verunreinigung ausbleibt, scheint fraglich. „Wir müssen darauf aufmerksam machen“, sagt Lange. Und nimmt die übrigen Anwohner in die Pflicht.

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