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Ehingen (Donau)
Lokales

Begegnungstag beschäftigt sich mit Heimat

Frauen aus Stadt und Land treffen sich in der Ehinger Lindenhalle zum Gedankenaustausch
Ehingens OB Alexander Baumann sprach bei Begegnungstag der Frauen in Ehingen.
Ehingens OB Alexander Baumann sprach bei Begegnungstag der Frauen in Ehingen.
SZ- kö

Ehingen sz Den Frauenbegegnungstag der katholischen Frauen aus Stadt und Land, der auch für andere Konfessionen offen ist, gibt es in Ehingen seit 1949. Immer am Anfang des Jahres treffen sich die Frauen, hören Vorträge zu einem Thema, feiern einen Gottesdienst zusammen und genießen die gemeinsame Zeit zum Gedankenaustausch. Organisiert hatte diesen Tag Ruth Wölfle aus Rißtissen.

„Heimat – mehr als Zuhause“ war in diesem Jahr das Thema. Nach einem Grußwort der Bundesvorsitzenden der Landfrauen im Katholischen Frauenbund, Bärbel Kräutle, sagte Oberbürgermeister Alexander Baumann „Heimat ist nicht nur ein geografischer Begriff, Heimat hat auch etwas Emotionales, ist ein kostbares Gut, das jeder haben kann. Heimat ist eines der schönsten Worte der deutschen Sprache“. Pastoralreferentin Ulrike Krezdorn hatte das Thema „Heimat“ aus soziologischer, psychologischer, historischer und biblischer Sicht in ihrem Referat beleuchtet. „Wie oft sind Sie umgezogen, freiwillig oder unfreiwillig. Was war die Motivation, Ausbildung, Partnerschaft“, fragte sie die 78 Frauen

„Wie verwurzelt bin ich an dem Ort, an dem ich lebe“, stellte sie als weitere Frage in den Raum, sagte, dass junge Menschen heute mobiler sind, aber auch mehr tun müssen, um am neuen Ort wieder heimisch zu werden. Heimat ist in erster Linie mal der Herkunftsort, der Ort, der dem Menschen vertraut ist, und war früher mit Grundbesitz in der dörflichen Gemeinschaft verbunden. In der Zeit der Industrialisierung bekommt der Begriff Heimat einen romantischen Anstrich. Im Nationalismus wird aus Heimatliebe Vaterlandsliebe, im Dritten Reich wird er missbraucht. In den 50er Jahren spiegeln die damals so beliebten Heimatfilme eine Sehnsucht nach einer heilen Welt wieder. Heute spielen Politiker wie Donald Trump oder Marine Le Pen mit dem Begriff „Heimat“ und radikalisieren ihn, sagte Ulrike Krezdorn. Was für sie persönlich der Begriff Heimat bedeutet, sollten die Frauen kurz mit ihren Nebensitzerinnen besprechen, ein lebhaftes Gemurmel zeigte, sie hatten sich dazu viel zu sagen. „Was ist daheim“ fragte die Pastoralreferentin weiter, „mein Sofa, meine Wohnung, das Elternhaus“. Heimat sei ein Baustein aus verschiedenen Begriffen wie dem Wohnort, dem Herkunftsort und hat etwas mit der Sprache zu tun. „Das Wir-Gefühl ist ein Schlüssel zur Heimat, wir haben die gleichen Werte, verstehen einander, fühlen uns geborgen, fühlen Vertrautheit und Sicherheit. Heimat ist ein Ort, wo ich hinkommen kann, egal welchen Mist ich gebaut habe“, sagte Ulrike Krezdorn.

Sie sprach auch von Heimatverlust durch Vertreibung, Flucht, den notwendigen Umzug ins Altersheim, den Verlust des Arbeitsplatzes, immer, wenn man etwas Vertrautes zurücklassen muss. Mit einem Blick in die Bibel sagte die Theologin „Heimat ist eine zutiefst religiöse Frage“ und zitierte aus dem Buch Genesis „zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft, aus deinem Vaterhaus in ein Land, das ich dir zeigen werden“. Es ginge darum, eine Brücke zu schlagen, das Leben könne brüchig sein. „Ich kann Heimat auf der Welt finden, aber es ist nicht alles, es gibt eine Heimat bei Gott“, sagte Ulrike Krezdorn.

Einen Gottesdienst feierten die Frauen anschließend mit dem früheren Stadtpfarrer Franz Glaser. Am Nachmittag erklärte Hermann Wax schwäbische Alltagswörter.

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