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Bahn beschließt die Elektrifizierung der Strecke München – Lindau

Auf der Bahnstrecke München-Lindau werden in einigen Jahren nur noch Züge mit Elektroloks fahren. Ob die Züge auch auf die Insel
Auf der Bahnstrecke München-Lindau werden in einigen Jahren nur noch Züge mit Elektroloks fahren. Ob die Züge auch auf die Insel fahren, das ist noch unsicher.

LINDAU dik Nach langem Zögern hat der Vorstand der Bahn AG jetzt doch grünes Licht für die Elektrifizierung der Strecke München-Lindau gegeben. Ob die schnellen Züge wie geplant 2015 fahren, weiß noch niemand. Klar ist aber, dass Bahn AG und Freistaat jetzt Druck machen wegen des Reutiner Bahnhofs.

Von unserem Redakteur Dirk Augustin

Der Vorstand um Bahnchef Rüdiger Grube hat in dieser Woche beschlossen, dass die Bahnlinie München-Lindau elektrifiziert wird. Die bisherigen Verträge zwischen Bahn AG, Bund, Freistaat und der Schweiz waren stets unter dem Vorbehalt geschlossen worden, dass der Bahnvorstand noch zustimmen muss. Monatelang war das Thema nicht auf der Tagesordnung des Gremiums aufgetaucht, so dass schon geunkt wurde, die Bahner würden den versprochenen Ausbau noch kippen.

Doch Franz Lindemair, Sprecher der Bahn in Bayern, bestätigte gestern auf Anfrage der LZ, dass es jetzt grünes Licht für das mehr als 200 Millionen Euro teure Projekt gibt. Lindemair schränkte aber ein, dass derzeit niemand sagen könne, ob der „sehr ambitionierte“ Zeitplan einzuhalten ist. „Wir werden die Planungen vorantreiben“, versprach der Bahnsprecher. Laut Vertrag muss die Bahn noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen, andernfalls zieht die Schweiz die zugesagten 50 Millionen Euro Beteiligung zurück.

Wie lange aber das nötige Planfeststellungsverfahren dauern wird, so dass man ernsthaft bauen kann, darüber wollte Lindemair gestern nicht spekulieren. Besorgten Anwohnern versicherte Lindemair, dass die Zahl der Güterzüge, die künftig nachts von München durchs Allgäu in den Gotthardtunnel fahren, weitaus geringer sein werde als von manchem befürchtet. Dennoch werde die Bahn natürlich bei dem Ausbau den vom Gesetz vorgesehenen Schallschutz einplanen.

Lindemair bestätigte auch, dass die Elektrifizierung neuen Druck auf das Verfahren zur Verlegung des Lindauer Bahnhofs mache: „Der Zeitdruck wächst.“ Deshalb sei die Bahn nach wie vor an einer schnellen Einigung mit der Stadt interessiert, „damit nicht das Szenario eintritt, dass der Zug durch Lindau durchfährt“. Was der Bahnsprecher so nebulös formuliert, bedeutet nichts anderes als die Drohung, dass die Fernzüge Zürich-München nicht mehr in Lindau halten werden, wenn es bis zur Fertigstellung der Elektrifizierung keinen Bahnhof in Reutin gibt. Lindemair verwies auf die laufenden Gespräche in zwei Arbeitsgruppen zwischen Stadt und Bahn. Hier sei jetzt Lindau am Zug.

Diese Aussage verwunderte Oberbürgermeisterin Petra Seidl gestern sehr. Denn seit einem Vierteljahr warte sie auf einen Terminvorschlag der Bahn. Wie berichtet, muss die Arbeitsgruppe Technik die genaue Lage des künftigen Inselbahnhofs hinter der Post festlegen, damit die Immobiliengruppe die Planung für die frei werdenden Bahngrundstücke fertigstellen kann. Die Stadt sei stets gesprächsbereit gewesen, „aber ich weiß nicht, warum man von Oktober bis jetzt braucht, um einen Termin abzustimmen“. Seidl hofft, dass die neue Entscheidung für Tempo sorgt.

E-Züge sind leiser als Dieselloks

Dass es da weitergeht, hofft auch Landtagsabgeordneter Eberhard Rotter, der als verkehrspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion im Sinne der betroffenen Anwohner auf Entgegenkommen der Bahn beim Thema Schallschutz hofft. Rotter verwies zugleich darauf, dass von Strom angetriebene Züge sehr viel leiser seien „als alte Dieselloks“, deshalb werde mancher künftig besser schlafen, obwohl es keine Lärmschutzwand gibt.

Auch Rotter warnte, dass die schnellen Züge künftig nicht mehr in Lindau halten könnten. Dann müssten Lindauer und Gäste in Bregenz einsteigen – oder in Wangen, falls die dortigen Bemühungen um einen ICE-Halt Erfolg haben. Der Freistaat wolle den Fernzughalt Lindau erhalten, versprach Rotter und appellierte an Bahnmanager und Vertreter der Stadt, sich schnell zu einigen. Dabei sollte Lindau bedenken, dass die Bahn den neuen Festlandsbahnhof „natürlich weitgehend finanzieren will durch Grundstücksverkäufe“.

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