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Ausstellung erinnert an beherzten „Vorkämpfer der Glaubensfreiheit“

Dr. Michael Koch stellt zum Auftakt der Schalom-Tage das gegensätzliche Wirken von Josel von Rosheim und Martin Luther heraus

20 Schautafeln veranschaulichen das Leben und Wirken Josel von Rosheims.
20 Schautafeln veranschaulichen das Leben und Wirken Josel von Rosheims.
Franz Liesch

Laupheim sz Auch Martin Luther war Thema beim Auftakt der Schalom-Tage 2017, obgleich die Ausstellung, die in der Schranne eröffnet wurde, einer ganz anderen Person gilt. Sie ist gewidmet Josel von Rosheim (1476 – 1554), einer völlig unbekannten Persönlichkeit – zu Unrecht, wie die Sonderausstellung zeigt.

Dies wurde auch offenbar bei der Ansprache von Dr. Michael Koch, Pädagogischer Leiter des Museums zur Geschichte von Christen und Juden in Laupheim. Aus Anlass des 500. Jahrestages des Thesenanschlags Luthers stellte er das Wirken des Reformators an den Beginn seiner Ausführungen zu Josel von Rosheim. Luther und von Rosheim waren Zeitgenossen. Doch einen größeren Gegensatz kann man sich kaum vorstellen. Hier der Reformator, geprägt von religiöser Intoleranz, dort der Anwalt der Religionsfreiheit und erfolgreiche Diplomat.

Diese diplomatische Fähigkeit führte dazu, dass Josel von Rosheim zum Sprecher und Rechtsvertreter der Juden im Heiligen Römischen Reich wurde und die jüdischen Gemeinden sogar auf einen Teil der Selbstständigkeit zugunsten ihres Vermittlers verzichteten. Das sei ein „erstaunlicher Vertrauensbeweis“ gewesen, verdeutlichte Koch in seiner Ansprache. Er zeigte, wie wichtig die Rolle eines solchen Diplomaten war in Zeiten der Vertreibung der Juden aus Reichsstädten, verbunden mit dem Vorwurf der Wucherei, „falscher Anschuldigungen wie der Hostienschändung oder des Ritualmordes.“ Juden seien wiederholt zum Spielball konkurrierender politischer Mächte von Kaiser, Fürsten, Kirche und Reichsstädten geworden. Sie alle hätten von der Rechtsunsicherheit profitiert, der die Juden ausgesetzt gewesen seien.

Fast vier Jahrzehnte lang habe sich Josel von Rosheim in der Rolle eines Fürsprechers bewährt, „der rastlos reisend für die Rechte seiner Glaubensgenossen eintrat“. Seinem diplomatischen Geschick sei es zu verdanken gewesen, dass er aufständische Bauern 1525 davon habe abhalten können, seine Heimatstadt Rosheim im Elsass zu stürmen. Es sei ihm auch gelungen, Luthers Hetzschriften gegen die Juden von Straßburg fernzuhalten.

Er habe sich stets bemüht, den Rechtsfrieden zwischen Christen und Juden zu wahren. „Er wurde zum Fürsprecher entrechteter Juden, selbst in entlegenen Regionen des Reiches.“ Er habe bestehende Rechte eingefordert und sich an Disputationen beteiligt, um seine Gegner zu widerlegen oder der Falschaussage über das Judentum zu überführen. Dass sich der Anwalt der Juden mit seinem Wirken unbeliebt machte, zeigte Koch anhand eines propagandistisch wirkenden Flugblattes, das auslag.

Der pädagogische Museumsleiter rief dazu auf, Josel von Rosheim, den „rechtschaffenen Fürsprecher entrechteter Glaubensgenossen und beherzten Vorkämpfer der Glaubensfreiheit“ nicht weiterhin der Vergessenheit anheimfallen zu lassen, zumal die Religionsfreiheit heute „leider nicht mehr von allen selbstverständlich auch als Recht für alle angesehen wird“.

In seiner Begrüßung vor „überschaubarer Besucherzahl“ dankte Oberbürgermeister Rainer Kapellen dem Arbeitskreis „Schalom-Tage“ für die Zusammenstellung des diesjährigen Programms zu den Schalom-Tagen und Dr. Michael Niemetz für die Organisation der Ausstellung. Kapellen ging in seinen Ausführungen auf die schwierige Situation von Juden zu Lebzeiten Luthers und von Rosheims ein und ergänzte: „Das kann man heute noch beobachten.“

Die Sonderausstellung „Josel von Rosheim“ in der Galerie Schranne vergegenwärtigt in 20 Schautafeln Leben und Wirken „zwischen dem Einzigartigen und Universellen“ dieser herausragenden Persönlichkeit des 16. Jahrhunderts. Bemerkenswert ist die letzte Tafel, in der das Gestern und Heute verglichen werden. Sie enthält den Apell, sich von Josel von Rosheim als Vorbild inspirieren zu lassen. Dabei gelte: „Nie auf unsere Grundwerte verzichten, im Respekt vor der Moral, im Respekt vor dem Menschen, seiner Würde und seiner Rechte.“

Die Sonderausstellung zu Josel von Rosheim in der Galerie Schranne ist bis zum 26. November an den Wochenenden von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

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