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Lindau (Bodensee)
Lokales

Ambulanzen bleiben wichtig für Syriens Bevölkerung

Der Lindauer Adnan Wahhoud fährt nächste Woche wieder in die Region Aleppo-Idlib

Einer der Augenblicke, in denen sich der Lindauer Adnan Wahhoud in Syrien freuen kann: Dank der Spendengelder aus Deutschland kann er die Apotheken seiner Ambulanzen regelmäßig auffüllen.
Einer der Augenblicke, in denen sich der Lindauer Adnan Wahhoud in Syrien freuen kann: Dank der Spendengelder aus Deutschland kann er die Apotheken seiner Ambulanzen regelmäßig auffüllen.
Lindauhilfe für Syrien

Lindau sz Eigentlich ist Waffenruhe vereinbart. Doch in Wirklichkeit fallen im Nordwesten Syriens immer wieder Bomben vom Himmel. So auch Mitte November: Über 50 Menschen sterben bei einem Luftangriff in Atareb. Adnan Wahhoud, dem Lindauer mit syrischen Wurzeln, bebt die Stimme, als er kurz danach zu Gast in der LZ-Redaktion ist. Denn seine Ambulanzen in Takad und Orom sind nur wenige Kilometer von der erneut zerbombten Stadt entfernt. Wahhoud weiß, wie wichtig diese Medical Points für die Bevölkerung dort sind. Um so mehr ist er dankbar, dass seine Lindauhilfe für Syrien in diesem Jahr wieder Geld aus der Weihnachtsspendenaktion „Helfen macht Freude“ der Schwäbischen und Lindauer Zeitung erhält.

Einer seiner Mitarbeiter hat ihm Fotos geschickt. Darunter eines mit einem Kleinkind, etwa zwei Jahre alt: Es wurde verletzt in den Medical Point gebracht – seine Mutter starb bei dem Angriff auf Atareb. Dass die Bomben immer wieder die Zivilbevölkerung treffen, empört Wahhoud. Zumal er beim Aufbau seiner inzwischen sieben Ambulanzen darauf achtet, dass sich diese „mitten in der Bevölkerung“ befinden.

Für Wahhoud ist es wichtig gewesen, etwas für jene Menschen in seinem Geburtsland zu tun, die nicht Syrien hinter sich gelassen haben, in Richtung Europa geflohen sind. Medizinische Hilfe hielt der Deutsch-Syrer dabei für besonders wichtig. So baute er am südwestlichen Stadtrand von Aleppo, in Khan Alassal, vor vier Jahren die erste Ambulanz auf. Später folgten weitere in der Region Idlib, die westlichste in Yakobiya nahe der syrisch-türkischen Grenze. Fünf dieser sieben Medical Points tragen Lindau im Namen, da sie überwiegend mit Spenden vom Bodensee finanziert werden. Krumbach und Roth sind weitere Orte, in denen sich Menschen und Vereine für Adnan Wahhouds Arbeit engagieren.

Rund 11 000 Patienten im Monat (davon allein ein Viertel in der Ambulanz in Orom) bestätigen, dass die Idee des Lindauers richtig war und ist. Vor allem ist es den Bewohnern zwischen Aleppo und Idlib, aber auch den dorthin geflüchteten Syrern wichtig, dass ihre Kinder gut versorgt werden. Das zeigen auch Wahhouds Statistiken: Zwei von drei Patienten sind Kinder. Dabei wird der Nachwuchs in de Medical Points grundsätzlich kostenlos behandelt.

Das kostet natürlich Geld. Rund 2000 Euro braucht Wahhoud pro Monat und Ambulanz, für Medikamente und Verbandsmaterial genauso wie für die Gehälter von Ärzten, Apotheker und Pflegekräfte. Die gut 4300 Euro, die Wahhoud aus der Leserspendenaktion des vergangenen Winters erhielt, haben umgerechnet zum Beispiel neun Monate lang das Gehalt eines Arztes finanziert. Insgesamt arbeiten an die 40 Beschäftigte in den sieben Ambulanzen.

Fördergelder ermöglichen sogar Ausbildung

Und Wahhoud gibt nicht nur syrischen Ärzten und medizinischen Fachkräften die Möglichkeit, im eigenen Land zu bleiben mit einem zwar kleinen, aber regelmäßigen Gehalt. In einem der Medical Points werden zudem junge Syrer zu Krankenpflegehelfern ausgebildet. Für sechs Monate hatte die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit/GIZ dafür Fördergeld zur Verfügung gestellt. Auch für Erste-Hilfe- und Zivilschutzkurse hat Wahhoud Zuschüsse ausfindig gemacht. Wobei er anmerkt, dass er dieses Geld teilweise vorfinanzieren muss, weil es zwar zugesagt, aber noch nicht komplett überwiesen sei.

Immerhin unterstützen zahlreiche Lindauer Wahhouds Syrienhilfe mit kleinen und größeren Beträgen. So sichert eine Handvoll Daueraufträge den Fortbestand der Ambulanzen genauso wie der Lionsclub und die Rotarier mit ihren Spenden – letztere haben nach Wahhouds Worten finanzielle Hilfe für zwei Jahre angekündigt. Ein Lindauer Immobilienbüro überweist regelmäßig einen jährlichen Betrag, ebenso ein Steuerberater. Immer wieder verzichten Lindauer auch auf Geburtstagsgeschenke und bitten ihre Gäste, stattdessen etwas für Syrien zu überweisen. Zuletzt haben sogar Verstorbene posthum einen Beitrag zu Wahhouds Arbeit geleistet: In einem Fall gab es Spenden anstelle von Grabschmuck, und in einem anderen sah das Testament einen vierstelligen Betrag für die Medical Points vor.

„Die Lindauhilfe für Syrien lebt von der Vielfältigkeit der Spenden in dieser Stadt“, freut sich Wahhoud. Und packt erneut die Koffer: Am kommenden Freitag fährt der 66-Jährige wieder in Richtung Takad. Mit Spendengeldern für Medikamente und Gehälter sowie für seine Waisenhilfe. Und mit der Hoffnung, dass endlich keine Bomben mehr fallen auf den Nordwesten Syriens.

Weitere Informationen zu Aktion „Helfen bringt Freude“ gibt es auf den Seiten 1 und 3 der heutigen LZ-Ausgabe, der auch ein Spendenaufruf mit Überweisungsträger beiliegt. Alle Beiträge sind zu finden unter

www.schwaebische.de/weihnachtsspendenaktion

Wer die Arbeit von Adnan Wahhoud in Syrien direkt unterstützen will, der kann ihn telefonisch unter der Nummer 0 83 82/89 7 32 erreichen oder per E-Mail an

wahhoud@aol.com

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