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Alno setzt seine Gläubiger unter Druck

Insolvenz in Eigenregie soll die Entschuldung bringen

Insolvenzantrag gestellt: Alno.
Insolvenzantrag gestellt: Alno.
dpa

Ravensburg sz Uneinigkeit im Gläubigerkreis und ein geplatzter Versuch, eine Brückenfinanzierung auf die Beine zu stellen, haben den Küchenmöbelhersteller Alno in die Insolvenz getrieben.

Das deutete ein Sprecher des Alno-Großaktionärs Tahoe im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ am Mittwoch an. Demnach hätten vor allem die unerwartet hohen Verluste in der Schweiz, einer der wichtigsten Absatzmärkte Alnos, einen Liquiditätsengpass ausgelöst. Gespräche zwischen den Gläubigern wie dem Liquiditätsengpass beizukommen sei, um sich weitere Zeit für den Sanierungsprozess zu erkaufen, hätten jedoch zu keiner Einigung geführt.

Alno hatte Ende Februar dieses Jahres eingestanden, wegen schlechter Geschäfte bei den Tochterunternehmen AFP Küchen und Alno Schweiz AG für 2016 ein deutlich schlechteres Ergebnis ausweisen zu müssen. Seitdem ist der Jahresabschluss des Konzerns wiederholt verschoben worden. Als neuer Termin war vor einigen Tagen der 14. August genannt worden.

Entscheidung am Donnerstag

Auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“ wollte sich Alno am Mittwoch nicht über die am Vorabend veröffentlichte Pressemitteilung hinaus äußern. Darin stand, dass der Alno-Vorstand „aufgrund der hohen Finanzverbindlichkeiten und der damit verbundenen Zinsbelastung“ gehalten sei, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Hechingen zu stellen. Darin einbezogen sind auch die Tochtergesellschaften Gustav Wellmann GmbH & Co. KG und Alno Logistik & Service GmbH. Der Geschäftsbetrieb laufe unverändert weiter.

Nach Angaben eines Unternehmenssprechers soll die Entscheidung über die Insolvenz in Eigenregie am Donnerstag fallen. Aus dem Umfeld von Alno war zu hören, dass als Sachwalter der Stuttgarter Rechtsanwalt Martin Hörmann vom Unternehmen vorgeschlagen wurde. Auch über diese Personalie muss das Amtsgericht Hechingen entscheiden. Hörmann hatte in der Vergangenheit unter anderem die Insolvenz des Fußballklubs SSV Ulm und der Reifen-Ihle-Gruppe aus dem bayerischen Günzburg begleitet.

Der Alno-Großaktionär und Darlehensgeber Tahoe, hinter dem die bosnische Unternehmerfamilie Hastor steht und die 43 Prozent der Stimmrechte kontrollieren, hat in einer ersten Stellungnahme den Insolvenzantrag des Küchenmöbelherstellers aus Pfullendorf bedauert. Tahoe sehe die nun beabsichtigte Sanierung in Eigenverwaltung aber auch als Chance, hieß es in dem Schreiben vom Mittwoch, das der „Schwäbischen Zeitung“ vorliegt. Um den Geschäftsbetrieb nachhaltig aufrecht zu erhalten, seien jetzt alle Parteien gefordert, das Unternehmen aktiv zu unterstützen.

Der Hinweis dürfte vor allem an die übrigen Gläubiger des Unternehmens gerichtet sein, die nach Aussage des Tahoe-Sprechers eine Einigung über eine Brückenfinanzierung haben platzen lassen. Neben Bankschulden hat Alno darüber hinaus zwei Anleihen ausstehen, die im Mai 2018 und im März 2019 zurückgezahlt werden müssen und die mit 8,0 beziehungsweise 8,5 Prozent verzinst sind. „Es ist zu erwarten, dass alle Gläubiger Federn lassen müssen“, sagte Klaus Nieding, Vorstand der auf Kapitalmarktthemen spezialisierten Nieding+Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft.

Tahoe sichert Unterstützung zu

Tahoe verwies in dem Schreiben ferner auf den Sanierungsstau und die finanzielle Belastung durch Altlasten der letzten zehn Jahre, die letztendlich dazu geführt haben, dass sich Alno nicht aus eigener Kraft hatte retten können – und das, obwohl die Restrukturierungsmaßnahmen der vergangenen Monate weitgehend umgesetzt worden und das operative Ergebnis signifikant verbessert werden konnte. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres war zwar der Umsatz um knapp sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesunken, der operative Fehlbetrag aber auf minus 1,3 Millionen Euro reduziert worden.

Nach eigener Aussage habe Tahoe Alno in den vergangenen Monaten mit diversen Sanierungsdarlehen „massiv finanziell unterstützt“ – in Unternehmensmitteilungen ist die Rede von 35 Millionen Euro. Darüber hinaus sei man bereit, „im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten“ einen „Beitrag zum Fortbestehen des Unternehmens zu leisten“. Deshalb werde Tahoe den engen Dialog mit dem bestehenden Vorstand und dem künftigen Sachwalter suchen. Ziel der geplanten Sanierung in Eigenverwaltung müsse es vor allem sein, „die Alno AG finanziell, bilanziell und operativ nachhaltig zu stabilisieren“.

Mit Christian Brenner hatte Tahoe nach der Machtübernahme bei Alno zunächst einen Vertreter als Finanzchef installiert. Ende Mai löste Brenner dann überraschend Vorstandschef Max Müller ab. Seit Jahresbeginn fährt das Unternehmen einen Sanierungskurs und hatte angekündigt, Stellen zu streichen. Unter dem Strich sollen so Personalkosten von jährlich 20 Millionen Euro eingespart werden.

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