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Akutabteilung der Federseeklinik schließt

Zum Jahreswechsel wird die 30-Betten-Abteilung in der Federseeklinik eingestellt
Leere Betten und betretene Gesichter: Krankenpflegerin Waltraud Gaiser und Geschäftsführer Walter Hummler bedauern die Schließung der Akutklinik zum Jahreswechsel.
Leere Betten und betretene Gesichter: Krankenpflegerin Waltraud Gaiser und Geschäftsführer Walter Hummler bedauern die Schließung der Akutklinik zum Jahreswechsel.
Annette Grüninger

Bad Buchau sz Das Fachkrankenhaus für Rheumatologie an der Bad Buchauer Federseeklinik schließt. Ab dem neuen Jahr ist damit auch das letzte Überbleibsel des früheren Buchauer Krankenhauses Geschichte. Die gute Nachricht: Alle Mitarbeiter der Akutklinik können ihren Arbeitsplatz behalten. Und die rund 30 Betten werden nicht lange leer bleiben, blickt Geschäftsführer Walter Hummler voraus.

Während sich das alte Jahr dem Ende zuneigt, ist es ruhig geworden in der Rheumatologie. Von der Betriebsamkeit der Federseeklinik ist hier nichts zu spüren. Der lange Flur wirkt nahezu wie ausgestorben. Hinter den Türen, die über speziell an rheumakranke Hände angepasste Griffe verfügen, liegen leere Zimmer mit leeren Betten. Waltraud Gaiser blickt mit ernstem Gesicht auf die ordentlich gefaltete Bettdecke, die frischen weißen Laken. Wie ihre Kollegen kann die Krankenpflegerin die Schließung nicht ganz nachvollziehen. Schließlich seien die Betten bis zuletzt gut belegt gewesen, die Rückmeldungen der Patienten positiv.

„Wir hatten zu keinem Zeitpunkt ein Nachfrageproblem“, sagt Walter Hummler, Geschäftsführer der Moor-Heilbad Buchau gGmbH. „Noch bis vor wenigen Jahren waren wir der Meinung, wir halten das Krankenhaus.“ Denn mit der Schließung geht auch ein Kapitel der Buchauer Stadtgeschichte zu Ende. Die Akutklinik für Innere Medizin, Fachbereich Rheumatologie, ist aus dem früheren städtischen Krankenhaus hervorgegangen, in dem noch viele Buchauer, auch Hummler selbst, zur Welt gekommen sind. Der Gesellschaftervertrag der 1951 gegründeten Moor-Heilbad Buchau gGmbH enthielt bis vor kurzem denn auch den Passus, dass das Krankenhaus zu erhalten und den Bedürftigen der Federseeklinik zur Verfügung zu stellen sei.

Die Gründe für das Aus, das nun mit der Verabschiedung des Chefarzts Dr. Rüdiger Maleitzke in den Ruhestand zusammenfällt, sind vielschichtig. Vor allem macht Hummler die Praxis des Medizinischen Diensts der Krankenversicherung (MDK) verantwortlich: Hier überprüften – in der Regel fachfremde – Ärzte, die Notwendigkeit einer medizinischen Behandlung. Im Nachhinein, wohlgemerkt, und lediglich anhand der Krankenakten. In den vergangenen zwei Jahren habe sich die Situation extrem zugespitzt, rund 80 Prozent der Fälle aus der Rheumatologie mussten zur Überprüfung vorgelegt werden. Die Folge: Weil der MDK keine Notwendigkeit für eine stationäre Behandlung sah, verweigerten die Krankenkassen in hunderten von Fällen bislang die Vergütung.

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Hummler deutet dies auch als Zeichen der Zeit, die wohl kleine Krankenhäuser zu den Verlierern des Gesundheitssystems macht. Gegenüber den 371 Reha-Betten habe das Fachkrankenhaus innerhalb der Federseeklinik ohnehin eine untergeordnete Rolle gespielt. Und im Reha-Bereich sei die Entwicklung denn auch eine andere: „Die Betten der Akutklinik werden nicht lange leer bleiben, sondern gefüllt werden mit Reha-Patienten.“ Künftig soll hier ein ganz neuer Reha-Bereich entstehen.

Und Krankenpflegerin Waltraud Gaiser und ihre Kollegen werden auch weiterhin in der Federseeklinik alle Hände voll zu tun haben. „Kein einziger Mitarbeiter verliert seinen Arbeitsplatz“, versichert der Geschäftsführer. „Die Nachfrage nach anderen Gesundheitsleistungen ist bei uns so hoch, dass wir die Schließung der Akutklinik gut kompensieren können.“

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