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Ältester Bürger Sigmaringens ist gestorben

Der älteste männlich Bürger Sigmaringens war jahrelang beim Gewerbeaufsichtsamt beschäftigt
Hugo Fröhlich†
Hugo Fröhlich†
privat

Sigmaringen sz Sigmaringens ältester männlicher Bürger, Hugo Fröhlich, ist kürzlich verstorben. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er im Josefinenstift, wo er im Alter von 104 Jahren friedlich eingeschlafen ist.

Fröhlich wurde am 16. April 1913 als Sohn des aus Oberschmeien stammenden Angestellten der Forstabteilung der fürstlichen Hofkammer, Joseph Fröhlich, und dessen Ehefrau Emma, geborene Sonntag, in Sigmaringen in der Badstraße im 1909 von den Eltern gebauten Haus geboren.

Frühe Kindheitserinnerungen gehen zurück an zwei Kindersärge, die auf dem Hedinger Friedhof beerdigt wurden – es wären seine Zwillingsschwestern gewesen. Ein Kindstod war in jenen Jahren nicht ungewöhnlich, aber nicht desto weniger tragisch. Eine weitere Erinnerung als Fünfjähriger geht zurück ins Jahr 1918, als auf dem Marktplatz vor dem alten Rathaus das geschlagene Heer aus dem ersten Weltkrieg zurückkehrte. Das Erlebnis hat er lebenslang nicht vergessen.

Im Jahre 1924 verlor er im Alter von elf Jahren seine Mutter durch eine Lungenkrankheit. Glück hatte er dann mit seiner Stiefmutter Maria, geborene Ziesel, die ihm ein gütiger und treusorgender Mutterersatz war. Bis zur mittleren Reife besuchte er das staatliche Gymnasium in der Hedinger Straße.

Hugo Fröhlich war sehr sportlich. So war eine Ausbildung bei der Polizei in Weingarten naheliegend und in wirtschaftlich schwerer Zeit ab 1931 sehr willkommen. Seine Verwendung bei der Polizei im Fernmeldewesen führte ihn nach Stuttgart, Bruchsal, Oberndorf am Neckar und Ulm. In Oberndorf lernte er seine spätere Ehefrau Maria, geborene Baier kennen, die er 1937 heiratete. Ende 1938 kamen seine erste Tochter Christa in Ulm und 1941 seine zweite Tochter Brigitte in Oberndorf zur Welt.

1948 kam Fröhlich aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Seine Ehe war an der langen Trennung gescheitert und wurde geschieden. Er arbeitete auf Baustellen der Firma Steidle, war kurzzeitig Vertreter für neuartige Gewebe und wurde dann über eine Vertriebsfirma in Pforzheim Vertreter für Holzleime. So kam er in der weiteren Heimat mit Fahrrad und später einem alten Hanomag-Lieferwagen herum und kannte fast jeden Schreiner hier in der Umgebung.

1951 heiratete er Roswitha Seeliger. Diese Ehe war damals, als noch niemand von Ökumene sprach, eine kleine Revolution in Sigmaringen. Der katholische Hugo Fröhlich heiratete in zweiter Ehe eine evangelische Pfarrerstochter. 1955 wurde dem Ehepaar ihr Sohn Christoph geschenkt. Weil die offizielle damalige Reaktion der katholischen Kirche – Verweigerung der Sakramente, sprich keine Beerdigung durch einen katholischen Pfarrer - nicht lange auf sich warten ließ, konvertierte Hugo Fröhlich 1963 zum evangelischen Glauben.

1954 ergab sich die Gelegenheit zum Eintritt bei der staatlichen Gewerbeaufsicht, wo er als technischer Beamter für die Arbeitssicherheit und Einhaltung der Arbeitsvorschriften in Betrieben in den Kreisen Tuttlingen, Sigmaringen und Münsingen und später nach der Kreisreform 1972 Ravensburg und Bodenseekreis zuständig war. 1978 wurde er als Oberamtsrat pensioniert. Fortan hatte er viel Zeit für seinen Garten in der Badstraße, für Wanderungen in den Bergen, Schwimmen oder Spaziergänge.

2004 erlitt seine Ehefrau Roswitha einen Schlaganfall und als Folge war ein gemeinsamer Umzug ins Josefinenstift unausweichlich. Roswitha Fröhlich starb 2005. Er sollte auch nochmals ein Glück in Felizitas Braitsch als Lebensgefährtin finden, die bis heute seit 28 Jahren ehrenamtlich im Josefinenstift Klavier zur Freude der Bewohner spielt.

201, als Folge einer Lungenentzündung, begann ein langes Krankenlager. 2013 feierte Fröhlich den 100. Geburtstag. Ganz langsam, aber unaufhaltsam ließen die Kräfte nach. Fröhlich hinterlässt drei Kinder zwei Enkel mit Partnern und zwei Urenkel.

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