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„Ältere Gründer sind risikoscheuer“

Arbeitsmarktforscher Udo Brixy über berufliche Selbstständigkeit im Alter
Jeffrey Ellenburg ist seit 19 Jahren bei der Firma Vetter in Ravensburg – und kontinuierlich aufgestiegen. Heute sitzt er mit anderen Top-Managern am Tisch und macht mit ihnen Geschäfte.
Jeffrey Ellenburg ist seit 19 Jahren bei der Firma Vetter in Ravensburg – und kontinuierlich aufgestiegen. Heute sitzt er mit anderen Top-Managern am Tisch und macht mit ihnen Geschäfte.
Fotos: Jasmin Bühler

Ravensburg sz Die typischen Existenzgründer in Deutschland sind relativ jung und überwiegend männlich. Ältere Menschen hingegen machen sich selten beruflich selbstständig. Hinsichtlich der demografischen Entwicklung bedeutet das: Es droht ein Rückgang der Zahl von Neugründungen. Das hat das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einem aktuellen Analysebericht festgestellt. Zudem bringen laut IAB Unternehmen, die von Älteren gegründet werden, seltener Produktinnovationen auf den Markt. Dies wiederum gefährde die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft, heißt es in dem Analysebericht.

Dabei kann die Existenzgründung für ältere Menschen eine durchaus sinnvolle Option sein – und ein Weg aus der Arbeitslosigkeit. Allerdings kommt es auf Idee und Motivation an. Jasmin Bühler hat darüber mit Udo Brixy, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich „Regionale Arbeitsmärkte“ des IAB, gesprochen.

Herr Brixy, wie entwickeln sich die Zahlen bei den Gründungen hinsichtlich des Alters?

Zumindest seit 2003 hat sich das Durchschnittsalter der Gründer in Deutschland nicht statistisch signifikant geändert und liegt bei 38,6 Jahren.

Ist die Existenzgründung für über 50-Jährige einer Alternative zur Arbeitslosigkeit?

Das kommt darauf an. Im Falle gut qualifizierter älterer Arbeitsloser mit einer tragfähigen Geschäftsidee und der nötigen, in der Regel großen Motivation ist das sicher eine gute Idee.

Was zeichnet ältere Gründer aus?

Ältere Gründer verfügen über finanzielles Kapital und Erfahrung. Sie sind – sicher auch aufgrund der Erfahrung – risikoscheuer oder vielleicht besser: Sie sind risikobewusster. Auf alle Fälle sind 50-Jährige besonders häufig der Meinung, über das für eine Gründung notwendige Wissen zu verfügen. Ältere sind jedoch mit ihren Gründungen etwas weniger innovativ, wenn unter Innovation die Einführung neuer Produkte oder Dienstleistungen verstanden wird.

Was sind die Motive der Gründer?

Bei der Motivstruktur unterscheiden wir zwischen „Gründungen aus mangelnder Alternative“, also Gründungen, weil keine Stelle gefunden wurde, und den „Gründern aus Überzeugung“. Frauen gründen altersunabhängig zu rund einem Drittel aus mangelnder Alternative. Bei jungen Männern liegt dieser Anteil deutlich niedriger. Er steigt aber mit zunehmenden Alter ziemlich kontinuierlich an.

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